GARMIN fēnix™: Die Menüstruktur

Hallo Zusammen,

anbei eine erste Version des Menübaums der GARMIN fēnix™, unter Berücksichtigung der meisten Sub-Verzeichnisse.
Hierbei wird deutlich, wie umfangreich komplex diese außergewöhnliche Uhr wirklich ist! Voraussetzung ist, das Ihr das Adobe  Flash Plugin auf euerm PC installiert habt.
Klickt auf den Link unten, dann führt Euch dies zur Übersicht.

GARMIN fēnix Menüstruktur 1.0
Hier eine Bild-Vorschlau, wie das Ganze aussieht:

Warmup: Warten auf die GARMIN fēnix™

Na also, na endlich: Die GARMIN fēnix™ ist da!

Rückblickend war die letzte Woche nervenaufreibend:
Ich erfuhr, das sich die Garmin Community sowie Jury für mich als einer von neun Exklusiv fēnix Tester entschieden hatte.
An dieser Stelle möchte Ich mich nochmals bei allen beteiligten Votern für Eurer Vertrauen bedanken! Danke, Danke, Danke!😀
Ich sollte lediglich per Mail noch bestätigen, das Ich bis Donnerstag als offizieller Tester zur Verfügung stehen würde – das habe Ich natürlich gerne getan! Daraufhin habe Ich meine Postadresse zwecks Versand des Paketes angegeben und dann hieß es…warten! Wer bereits den astreinen Kundenservice von Garmin kennt, weiß, das die Logistik nicht lange fackelt und der Versand der Ware in der Regel sehr zügig vonstatten geht. Trotzdem saß Ich regelrecht auf glühenden Kohlen. Die Wartezeit wurde genutzt, um erste Kontakte per Facebook und Twitter mit den anderen TesterInnen zu knüpfen. Unsere liebe Mittesterin Gabi wurde am Freitag doch glatt  als vermutlich Erste mit gleich zwei Päkchen beglückt, und das während Ihres kochens😉
Am Freitag-Nachmittag war dann auf Arbeit endlich Schicht im Schacht, ich packte meinen Laufrucksack und die sonstigen Siebensachen, zog mich um und lief die knapp 20 km von der Arbeit nach Hause – meine üblichen, fast täglichen Trainingskilometer als Läufer. Während des Laufs stellte Ich mir bereits den ersten Test mit der fēnix™ vor, die Gedanken drehten sichs tändig um Garmin’s neues Outdoor-Flagschiff.
Ehe Ich mich versah, war Ich auch schon zuhause, und der erste Blick wanderte in den Briefkasten. „Mist, nur der Paketschein der DHL“, dachte Ich. Was soll’s.

Am Folgetag wollte meine Frau mir das Päckchen von der Filiale abholen, währenddessen Ich schon mit Töchterchen das Frühstück vorbereitete.
„Huhu, Ich hab Dein Paket“, rief Sie dann. Endlich. Ich riß es Ihr aus der Hand, wunderte mich aber über das Gewicht.

Hö ? Viel zu leicht, unmöglich!Kurz darauf klingelte es an der Haustür: Der Postbote ? „Schauen Sie mich nicht so an, ICH kann Ihnen auch nicht sagen, was drin ist!“, und weg war er wieder. Hatte Ich denn SO verwirrt geguckt ? Sei’s drum. Da waren Sie nun, zwei Päckchen, adressiert mit Garmin als Absender.

Brustgurt und Garmin fēnix™ wurden separat geliefert. Die lieben Garminianer hatten sich doch glatt entschlossen, den hochwertigen Herzfrequenzsensorallen Testern zur Verfügung zu stellen.

Ganz große Klasse!

Laufbericht zum 5. Mukoviszidose-Spendenlauf Hannover 2012

 [Erläuterungen zu div. Abkürzungen siehe Glossar am Ende des Berichts]


Hallo Zusammen,

Heute kann ich wieder von einem besonderen Ereignis berichten:

Auf dem Sportplatz des TKH in Kirchrode fand am 08. Juli der mittlerweile 5. Mukoviszidose-Spendenlauf 2012 statt!

Motto:  „Laufen und dabei etwas gutes tun“ !

Jeder Teilnehmer sollte sich in seinem Umfeld einen oder mehrere Sponsoren suchen, die Ihn mit einer Spende unterstützen. Diese Sponsoren zahlen für jede gelaufene Runde einen Euro oder einefestgelegte Geldsumme.
Nachdem Ich meine Absicht u.a. bei Twitter bekannt gegeben hatte, meldete sich prompt eine Followerin von mir namens Nicola Bräunig. Die Speditionsfirma Ihres Mannes würde mich gerne sponsoren! Ich setzte mich umgehend mit Ihrem Mann per Mail in Verbindung. Er teilte mir mit, das er um das Problem wüßte, an anderer leute Geld zu kommen. Er erzählte mir, das er vor rund einem Jahr angefangen hätte, einen Förderkreis aufzubauen, welcher den TSV Germania in Haimar Dolgen unterstützt. Ich verriet Bernd mein gesteckte Ziel: Marathon-Distanz innerhalb der Veranstaltungsdauer von vier Stunden. Seit meinem ersten Marathon Ende Oktober 2011 in Braunschweig (04:11h)hatte ich bereits viele wöchentliche Trainingskilometer gesammelt. Ich spürte einfach, das die vier Stunden drin waren. Bestimmt nicht locker, aber machbar!


Da stand Ich also auf der 400m-Bahn der Sportanlage des TKH Kirchrode.
Nach und nach trudelten die Läufer ein. Ich lernte Christel kennen („Chry Pray“), wir unterhielten uns kurz. Dann schaute ich auf meine Uhr, gleich war es 11. Ganz entspannt stand kaum einer an der Ziellinie. Hmhm. Ich erinnerte mich noch an die Details der Mailkorrespondenz zwischen mir und Bernd Bräunig:

11 Uhr 05. Ich fragte mich bereits, ob pünktlich um 15 Uhr Ende ist, da ertönte das Startzeichen der Organisatorin Insa Krey und jeder setzte sich in Bewegung!
Vor mir entdeckte Ich zwei Läufer der Triathlon-Sparte von Hannover 96, eine Frauund ein Mann. Beide liefen im Schnitt eine 05:25 Pace, also klebte ich mich erstmal dran. Schnelle Läufer waren sowieso viele unterwegs: Da war der durchtrainierte Athlet in Schwarz, der seine Gummibänder Runde um Runde über seinen Bizeps streifte. Dann die Kleine, leichtfüßige Frau älteren Jahrgangs in Rot, die jedesmal wie ein Blitz an mir vorbeisauste. Oder der 2m-Riese in Orange, dessen Schatten bereits zum Überholen ansetzte. Oder der Clint-Eastwood-Marathon-Veteran, der ebenfalls deutlich machte, das er die 42 km anpeilte. Da wollten einige also ne verdammt geile Pace laufen. Mein MRT strebte ich mit bescheidenen 05:40 min/km an. Oft lief Ich ungewollt schneller, konnte aber nicht schaden.
Gedankensprung. War nicht Regenschauer angekündigt ? Der graue, bewölkte Himmel versprach jedenfalls noch ordentlichen Beschuss.
Vor mir erkannte Ich meine Arbeitskollegin Manuela Hoyer. Als Sie von meinem Spendenlauf vor einigen Wochen hörte, wollte Sie unbedingt mitlaufen, hatte jedoch erst einmal Schwierigkeiten, einen Sponsor zu finden. Sie lief stets mit eigener Musik, obwohl eine LIVE-Band die Teilnehmer bestens zu unterhalten wußte. Ich grüßte Sie beim vorbeilaufen. Auch mit Christel wechselte Ich beim vorbeilaufen kurze Wörter. Alles war total entspannt. Mental war ebenfalls noch alles im Lot, das Laufen im Kreis sorgte NOCH nicht für Halluzinationen oder dergleichen. Einige hatten wie Ich Ihre Verpflegung nahe der Ziellinie gebunkert, ich also einmal mehr zu meiner Wasserflasche und ordentlich getrunken.
Mittlerweile hatte sich der männliche Begleiter des Triathleten-Gespanns abgesetzt und zog mit gut 12 km/h allein weiter. „Wenn der in dem Tempo durchzieht, kann er sich gleich mit dem durchtrainierten Athleten in Schwarz zusammentun,“, dachte ich. Und Tatsache: Beide unterhielten sich.
Vor einiger Zeit kam mir ja mal der Gedanke, Mitglied des 96-Tria-Teams zu werden. Radfahren und Schwimmen mache Ich zwar auch sehr gern, aber motivieren konnte Ich mich bisher noch nicht für Triathlon. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Ich in naher Zukunft mit dem Triathlon-Gedanken auf Tuchfühlung gehen werde. Alles eine Frage der Zeit und persönlicher Weiterentwicklung. Ich laufe doch erst seit einem Jahr. Und Laufen fasziniert mich von Tag zu Tag. Vielleicht sollte Ich mal bei der 96-Laufsparte anfragen…?
A propos, schon Runde 50!
Ich erblicke plötzlich Frau und Kind unter den Zuschauern. „Halbmarathon-Distanz geschafft“, dachte ich, winkte den beiden kurz zu, und bei der nächsten Runde gabs für die Beiden dann auch einen schnellen Kuß!
Der Regenschauer setzte urplötzlich ein- Arg! Wieder tauchte meine Arbeitskollegin vor mir auf, Sie hatte allerdings keine Stöpsel mehr im Ohr. Ich klopfte Ihr auf den Rücken. „Ich mach die 30 Runden voll“, rief Sie mir zu. Ich war sehr stolz auf Sie! Sie machte einfach alles richtig: Ganz langsam, aber konstant, Runde für Runde. Klasse!
Ich bedankte mich gerade zum 51. mal bei den freundlichen Helfern, nahm mein Gummi entgegen und wollte selbiges auch weiterhin geben, da tauchte Töchterchen neben der Bahn auf: „Papiii? Können wir eine Runde zusammen laufeeeen?“ Ich schaute mein Mäuschen an und freute mich tierisch! „Na klaro, mein Engel, gib mir Deine Hand, los geht’s!“ Ich fand es aber auch ZU niedlich, mit meiner süßen Hand in Hand eine Runde zu laufen – natürlich bestimmte Sie das Tempo. Und Sie hatte gut von Ihrem Papa gelernt: Immer schön gleichmässig laufen, bloß nicht zu schnell. Sie hielt Ihre Pace konstant. „Vier Jahre und so talentiert…“, dachte Ich stolz.
Ein Postbote tauchte vor uns auf, grinste uns neckisch an. Zeit für Mario-Schabernack, also unterhielt Ich mich überlaut mit meiner Tochter: „Na,süße? Was denkst Du ? Schaffst Du auch noch die 18. Runde ??“ Aus dem Grinsen des Postboten wurd ein Fragezeichen, ich erkannte es aus dem augenwinkel, bevor er an uns vorbeilief. Innerlich lachte ich mich scheckig! Dann war auch schon die Runde vorbei, ich verabschiedete mich von meiner Kleinen, sie nahm Ihr erstes Gummi entgegen. Es ging monoton weiter. Meine Arbeitskollegin hatte Ihren Spendenlauf derweil beendet, rief mir noch ein „weiterhin viel Spaß!“ zu und verabschiedete sich. Hatte Sie die 30 voll gemacht ? Das wären umgerechnet 12 satte Kilometer, Wahnsinn! Läuft Manu weiterhin regelmässig, steht Ihrem Halbmarathon-Debüt nichts mehr im Wege. Alles ist schaffbar – wenn man es nur will!
Mittlerweile meine 85. Runde. Und nun wunderte Ich mich auch, wie wenig Läufer bei strömenden Regen liefen. Von dem großen Teilnehmerfeld war nur noch der rote Blitz und der schlaksige Clint Eastwood unterwegs. Plötzlich hörte der Typ auf zu laufen,  ging nur noch. Als Ich vorbeilief, fragte ich kurz, ob er 42 voll hätte. Nicken. Kurze Zeit später fing er wieder an zu laufen.“Ohne Worte“, dachte Ich anerkennend.
Die Frau in Rot lief wie ein Gepard an mir *wusch!* vorbei – wiedermal ! DIE Ann Trason der 400m-Bahn. Krass. Sie hatte ebenfalls lange Ihre 42 hinter sich, gab nun Vollgas. Und dann war da noch der ältere Herr in gelbem Postboten-Shirt, der nebenbei seinen langen Lauf absolvierte.  Ich schaute nun öfters auf meine Uhr, achtete darauf,  das es bei der Runde mit durchschnittlich 02:10 min/400m blieb, aber ich lief schon seit einiger Zeit ein wenig langsamer. Gedankensprung. Es regnete nicht mehr.Nicht gemerkt. Aber noch gefiel mir der anstrengende Lauf, auch wenn Ich zuviel auf einmal dachte. Frau und Kind im Regen. Ich rufe erneut, das Ich Hunger habe, ob noch eine Bifi übrig ist.“Nee, hat die Kleine aufgefuttert“, kam die Antwort meiner Frau,die sich auf dem Spielplatz in dem kleinen Kinderhäuschen aufhielt und zuschaute. Sah ja lustig aus. Gebeugt in der kleinen Hütte.
Runde 96, nun fing Ich mich an zu quälen. Zeitlich sah das aber wie geplant gut aus. Ich orientierte mich nicht an den Veranstaltungs-Zeitrahmen. Höh..? Warum läuft die Kleine wieder eine Runde ? Diesmal alleine ?
Ich hatte meine Uhr um 11 Uhr 05 gestartet, demnach hatte ich noch satte 23 Minuten. Die vier Stunden sollten drin sein! Ich gönnte mir dann bei Runde 102 sogar noch einen ordentlichen Schluck Wasser, nur noch drei Runden, dann hätte ich es geschafft. Freudestrahlend gab Ich nochmals Gas. An der Ziellinie applaudierten die Gummiband-Helfer. Warum das ? Als Ich mein 103. Band entgegennahm, hieß es „Feierabend“. Öh…? Ich schaute auf die Uhr: 03:52:04. Wie jetzt …?
Innerlich enttäuscht setzte ich mich neben meiner Frau auf nem Baumstumpf und murmelte was von „Nur noch 2 Runden hätten gefehlt…“. „Mach Dir nix draus“, entgegnete Sie. „Das war kein offizieller Wettkampf, den hättest Du nun geschafft. Und denk dran, hast ja sogar mit der Kleinen eine gemütliche Runde zwischendurch gedreht.“ Mhh. Etwas traurig stoppte Ich die Zeit meiner GPS und brachte Ich die Gummis zum abzählen. Es wurde extra für mich sogar zweimal gezählt, es blieb dabei: 103 Runden. „Ach Mist, zwei Runden hätten gefehlt“, kommentierte abschließend sogar die Organisatorin Insa Krey. Ich hatte noch mitbekommen, das die Frau in Rot 110 Runden gelaufen ist und den zweiten Platz um die meisten Gummis gemacht hatte. Dritter wurde ich, Clint Eastwood Erster. Ein echt zäher Hund, Respekt.
„Gut“, dachte Ich während der Heimfahrt, „jetzt baust Du mehr Tempoeinheiten in Dein wöchentliches Training ein, dann klappt’s beim nächsten Offiziellen Wettkampf!“ Ich freue mich nun abschließend auf die Bilder und werde auch 2013 wieder dabei sein – aber DANN werden garantiert noch mehr Runden gelaufen, soviel steht fest.

Wo man mich als nächstes Laufen sieht ? Verrate Ich an dieser Stelle:
Während meines Ostsee-Urlaubs findet am 5.8.12 der 27. Europalauf in Neustadt in Holstein (unweit von Scharbeutz) statt! Laut Ausschreibung wird als längste Distanz immerhin Halbmarathon entlang der Strandromenaden angeboten!

Ich freue mich schon jetzt auf eine neue PB. Meinen ersten HM (und zugleich ersten WK) bin ich völlig untrainiert Mai 2011 (02:23h) gelaufen. Noch vor wenigen Wochen bin ich im Rahmen meines wöchentl. TP’s 01:59h gelaufen, und beim Spendenlauf waren es gar 01:53h. Aber wer weiß, vielleicht sind ja sogar Sub 01:50h drin…? Darüber würde Ich mich riesig freuen!

Liebe Grüße,

Mario

Glossar:

PB = Pace-Best (die „Pace“ ist ein Geschwindigkeitsmaß in Form von Minuten pro Kilometer)
MRT = Marathon-Renntempo (wird ebenfalls in Minuten pro Kilometer gemessen)
TP = Trainings-Plan
HM = Halbmarathon
WK = Wettkampf

5. Mukoviszidose-Spendenlauf

Hallo Zusammen,

als teilnehmender Läufer suche ich derzeit für einen Spendenlauf in Hannover einen oder mehrere Sponsoren und/oder Mitläufer.

Um was geht es genau ?

Am 8. Juli 2012 findet in der Zeit zwischen 11 Uhr und 15 Uhr auf dem Sportplatz Hasenheide des TKH in Hannover/Kirchrode der 5. Mukoviszidose-Spendenlauf statt. Frei nach dem Motto „Laufen und dabei etwas gutes tun“ werde Ich daran teilnehmen.

Mukoviszidose ist eine Erbkrankheit

Es handelt sich um eine der häufigsten, angeborenen Stoffwechselerkrankungen. In Deutschland leben rund 8000 Menschen – meist Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – mit dieser bislang nicht heilbaren Erbkrankheit. Zähes Sekret verstopft lebenswichtige Organe wie Lunge, Bauchspeicheldrüse und Darm und schädigt sie irreparabel. Die häufigsten Symtome sind: chronischer Husten und eine chronische Lungenentzündung, Verdauungsstörungen und Untergewicht. Da sich diese Krankheit mit dem Lauf der Jahre sehr verschlechtert, gibt es für Betroffene oft nur den Ausweg einer Lungentransplantation. Der Verein Mukoviszidose e.V. engagiert sich seit über 40 Jahren bundesweit für Mukoviszidose-Kranke.

Wie funktioniert der Spendenlauf im Detail ?

Jeder Läufer, der an dem Spendenlauf teilnimmt, sucht sich in seinem Umfeld einen oder mehrere Sponsoren, die ihn mit einer Spende unterstützen.
Diese Sponsoren zahlen z.B. für jede gelaufene Runde einen Euro oder eine festgelegte Gesamtsumme (Ab einer Spende von 20 Euro kann der Mukoviszidose e.V. eine Spendenbescheinigung ausstellen). Der Sponsor wird auf Wunsch auf die Veranstalter-Homepage aufgenommen (http://www.muko-spendenlauf.de/index.html)

Meine Zielsetzung

Gelaufen wird auf einem Sportplatz, d.h. eine Runde hat eine Länge von 400m. Da Ich vier Stunden Zeit habe, ist mein persönliches Ziel, eine Marathondistanz (42,195 km) in umgerechnet 4 Stunden zu laufen. Das entspräche in etwa 105 Runden bzw. eine Spendensumme von 105 Euro. Meiner gesunden Selbsteinschätzung nach halte ich 105 Runden für realistisch.

Schickt mir eine PN oder schreibt an: mariobartoli@web.de
Homepage des Veranstalters: http://www.muko-spendenlauf.de/index.html

Eckdaten:

Datum: 8. Juli 2012
Ort: Sportanlage Hasenheide des Turn-Klubbs zu Hannover, Tiergartenstraße 23
Zeit: 11.00 bis 15.00 Uhr

Freue mich über Euer Feedback.

sportliche Grüße,

Mario

Brocken-Challenge 2012 | eine ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ von Mario Bartkowski [Teil 17]

Hallöchen!

Feierabend, Schluß aus und vorbei – wurde ja auch Zeit!

Und gerade rechtzeitig fertig geworden, denn in genau 1 Woche endlich Rennsteig: Startort Eisenach in Thüringen. Streckenlänge: 72,7 Kilometer; Starthöhe 210 m NN; höchster Punkt 973 m NN; Zielhöhe 711 m NN in Schmiedefeld. Irgendwer behauptete mal, wer gern Ultra läuft, muß mindestens einmal Rennsteig gelaufen sein. Diesmal keine arktischen Minusgrade, sondern laut Wetterprognose Sommerregen bei 21 Grad. Naja, wer gibt in letzter Zeit schon etwas auf die zunehmend ungenauen Wettervorhersagen😉
Die letzte Episode ist zwar der Schlußteil der Laufgeschichte…wer allerdings im Anschluss erneut die erste Folge liest, versteht vielleicht, warum bei erreichen des Gipfels nicht die erhofften Emotionen hochgekocht sind. Pipi in den Augen, die Glücksgefühle…Ihr wisst schon. So, dann schließe ich mal ab und weise ein letztes Mal darauf hin, dass Ihr die bisherigen Episoden in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012) findet.
Eins noch: Die nächste Laufgeschichte steht vor der Tür, soviel ist sicher! Und wie wir alle wissen, ist kein Lauf wie der andere. Dafür leben, laufen und lesen wir ja sowas!

Viele Grüße,
Mario


Schlußteil | Die Entdeckung einer Leidenschaft

Nach(t)wanderung Brockengipfel bis Schierke | 7,5 – 11 km

Bald ne Viertelstunde Warterei in dieser klirrenden Kälte! Mann!
So gut es ging, hatte ich mich vermummt, aber der eisige Tod kroch durch jede erdenkliche Ritze. Wer hatte eigentlich entschieden, das wir noch auf Nachzügler warten? Ich wurde innerlich immer unruhiger. Jemand rief grad sowas wie: „Mal sehn, wie schnell Ich mit dem Schlitten unten bin!“. War das Thomas mit ner Plastikschale in der Hand ? Damit wollte er „Schlitten fahren“ ? Geile Idee…trotzdem war’s Arschkalt. Irgendwer machte ein Foto.

Meine Laune sank mit den Minusgraden in den eisigen Keller des Todes. Ich konnte nicht mehr länger, schaute in die Runde und schrie dann: „Lasst doch endlich nach unten, ich will einfach nur noch schlafen, Herrrrr-gott, wir holen uns hier doch alle den Tod !!!“ Keiner guckte zu mir rüber. keine Reaktion. War auch zu erwarten, ich hatte meinen Frust auch nur innerlich herausgeschrie’n. Bibbern. Zittern. Bewegungslos herumstehen. Schrecklich! Dann rief – endlich! – jemand: „Können los!“. Zu gern hätte ich jetzt mal gewusst, wie kalt es war. Locker Minus 30 Grad oder mehr. Locker! Die Gruppe setzte sich schnell in Bewegung. Innerlich war ich froh darüber, denn ich wollte einfach nur noch nach Schierke: am liebsten per Flugzeug, Hubschrauber oder meinetwegen auch Paragliding. Schnell, Zack Zack! Als hätte man meine Gedanken erraten, ging es sehr zügig gehend abwärts die Brockenstraße herunter.

Nun rächte sich, das ich den Hosengürtel zuhause vergessen hatte: Die Hose rutschte arg beim Laufen! Und das war richtig Mist, denn mir blieb nichts anderes übrig, als die Hände in den Hosentaschen zu lassen und Sie so festzuhalten. Hatte Ich so arg abgenommen beim Lauf ? Wenigstens konnte Ich meine Flossen wärmen – auch gut. „Toll, da läufst 80 km und jammerst dann wegen der letzten paar Kilometerchen wie eine Pussy…“, dacht Ich verärgert. Egal, es war elendig Kalt! Darf ja wohl erlaubt sein, innerlich zu fluchen! Die Gruppe war aber auch sehr zügig unterwegs. Also: Hose festhalten und durch!

Schnell verlor Ich innerlich die Geduld: Warum dauerte das denn nur alles so lange ? Erste Schmerzen setzten ein, alles tat in den Beinen weh. Die meisten unterhielten sich, ich lief bloß stumm in Gedanken versunken und furchtbar müde mit. Dann endlich eine Wegkreuzung vor uns! Innerlich hatte Ich bisher jeden Meter gezählt. Das mussten doch schon mindestens drei Kilometer gewesen sein ? Jemand rief: „Die Brockenbahn-Schienen, geradeaus gehts weiter!“ Im Normalfall hätte Ich jetzt die Schulter hängen lassen (unmöglich bei der Schweinekälte!) und enttäuscht und entsetzt zugleich ausgesehen (eingefrorene Miene!), aber ich kämpfte bloß diese unsagbare Enttäuschung runter. „Was ein krasser Gegensatz“, dachte ich mit bitteren Gedanken. „Da läuft man so eine fette Distanz, nur um dann festzustellen, das einem die paar Kilometer abwärts jegliche Kraftreserven und darüber hinaus auslaugten wie gierige Blutegel.“
Ein Johanniter-Wagen fuhr an uns vorbei, wir mussten Platz machen. „Nehmt mich mit“, dachte ich flehend und schaute hundsmüde dem Wagen hinterher, wie er in der Dunkelheit verschwand. Stumpf einen Schritt vor dem anderen. Die Hose musste Ich krampfhaft festhalten, ununterbrochen. „Lasst die Abkürzung nehmen“, rief dann irgendwer. „Sparen wir 4 Kilometer!“ Ich schaute auf, die Gruppe kam zum Stillstand. „Abkürzung klingt gut!“, rief ich bloß. Vom Hauptweg führte ein schmaler Pfad mitten in den Wald. Mein Laufnachbar neben mir grinste wie Nicholson in Shining: „Geil, nun wird’s lustig: Ein schmaler Trampelpfad, kaum zwei Fluß breit, schön steil abwärts!“ Hatte wer in diesem Zusammenhang das Wort Hexenstieg in den Mund genommen ? Ich weiß es nicht mehr. Aber Abkürzung klang ermutigend. Meine Beine brannten zwar höllisch, aber an den quälenden Schmerz mit jedem einzelnen Schritt hatte Ich mich bereits gewöhnt. Kaum hatte Ich die ersten paar hundert Meter hinter mir gelassen, wünschte Ich mich innerlich wieder auf den breiten Wanderweg zurück! Ich war laut am fluchen. Ich wurde jedoch von den Ultra-Profis gekonnt ignoriert. Dieser Abstieg erinnerte mich schlagartig an den Tunguska-Trampelpfad [siehe Episode 14], nur mindestens doppelt so steil und weitaus anstrengender: Schmaler Pfad, kaum belaufen, alle paar Meter tief hängende Äste, denen man nur selten ausweichen konnte. Oft musste Ich bibbernd eine Hand aus der Hose ziehen, um Äste wegzubiegen und meinen Hintermann vorzuwarnen. Nicht selten traf mich der gebogene Ast meines Vordermannes ins Gesicht. Bäng! Wer hier nicht jeden Schritt konzentriert ansetzte, knallte der Länge nach hin oder verschwand in einer Schneemulde. Als mein Vordermann plötzlich strauchelte und in eine solche durch den Schnee versteckten Mulde trat und lauthals fluchte, war ich vorgewarnt und konnte gerade noch so darüber springen. Das Zeitgefühl hatte ich komplett in den Hintergrund gedrängt. Dann rief irgendwer hinter mir was, ich war mir nicht sicher, ob er meinen Namen gerufen hatte. Nach einer Weile rief mein Hintermann dann wiederholt meinen Namen, während wir weiterhin den mörderischen Trampelpfad hinunterliefen: „Hier, Mario, das haste vorhin verloren.“ Ich nahm was zusammengerolltes entgegen und musste beim Anblick innerlich stöhnen. Die Karten! Diese verdammten Karten! Die müssen aus dem Rucksack herausgerutscht sein. Kurz schaute Ich nach vorn und dann hinter mich: Tatsache – der Abstand zwischen jedem Läufer hatte sich merklich vergrößert. Machte auch mehr Sinn. Wer hier stürzte, fiel dem Vordermann dann nicht gleich in den Nacken. Schnell griff Ich nach den Karten und weiter ging es im Laufschnritt nach unten. „Im Normalfall würd mir dieses kleine Trail-Abenteuer sogar Gefallen…nur jetzt einfach nicht mehr“, murmelte ich. Wenig später riß mein Kleiderbeutel! Erneut lauthals fluchend musste ich nun irgendwie den kaputten Beutel unter den linken Arm klemmen, während Ich gleichzeitig mit der linken Hand die Hose fest im Griff hatte. Mit der rechten hielt ich die zusammengerollten Karten, um den erbarmungslos peitschenden Ästen, die aus der Dunkelheit in mein Gesicht sausten, weiterhin auszuweichen. Schnell wurde mein Arm taub, auch diesen Teil musste Ich jetzt gedanklich verbannen, zusammen mit den restlichen Unzufriedenheiten dieser endlos langen Frust-Liste. Als mir dann die Karten von einem Ast aus der Hand geknallt wurden, fluchte ich laut das berühmte „SCH“-Wort und dachte dann: „Nie, nie, nie wieder läufst Du die Brocken-Challenge !!!“

Gute 2 Stunden später in Schierke: erschöpft, kaputt und absolut am Ende!

Meine Beine und Füße schmerzten höllisch, mein Körper schrie nach Schlaf!
Vollkommen entkräftet stand Ich endlich (!) vor dem Hotel König in Schierke und erspähte auch schnell das parkende Auto meines Empfangs-Komitees: Meine Frau sowie Eltern. Trotz der mörderisch letzten Strapaze (siebeneinhalb Kilometer brutal-bergab auf teils sehr engen ‚Knochenbrecher-knack-und-weg‘-Pfaden, dem ‚Halsbrecher-Duck-Dich-oder-Du-bist-Tot‘-Geäst der Bäume und der absoluten ‚ich-geh-bloss-pinkeln-und-plötzlich-war-Stockenduster-und-alle-weg‘-Endgültigkeit, weil keine Stirnlampe mehr weit und breit) hatte Ich tatsächlich noch von weißgott irgendwoher ein allerletztes bisschen Kraft genommen, so etwas wie ein glückliches Gesicht zu machen. Alle umarmten mich, danach reichte mir Muttern einen heißen Grog mit Holundertee-Geschmack und es ging nach Hause. „Den Grog hat Frido gemacht“, meinte gerade meine Mutter. Ich sah Ihr an, wie stolz Sie auf mich sein musste. „Ja, das Zeug holt mich gerade aus der Unterwelt wieder nach oben“, entgegne ich schwach grinsend. Neben mir döste meine Frau, und am anderen Ende der hinteren Sitzreihe pennte mein junger Bruder Kevin. „Sagt mal, was habt Ihr mit Kevin gemacht, das der schläft?“ Gottlob fing er nicht an zu schnarchen. „Der hatte wohl nen anstrengenden Tag“, erwiderte lachend meine Mutter. „Der Kerl ist 16, wovon ist er geschafft, er ist jung!“, dachte ich laut. Nun kamen mir die Schmerzen nicht mehr so doll vor – vorerst. Dann fing ich an, der inneren Erschöpfung nachzugeben und döse vor mich hin. Dabei spule Ich während der knapp zweistündigen Autofahrt immer wieder die letzten 16 Stunden im Geiste rauf und runter, es war beinahe wie im Fieberwahn: Der erste Ultra, die erste Brocken-Challenge, die fiese erste Nachtwanderung!

Glücklich übermannt mich Sekundenschlaf…


Outtakes









Brocken-Challenge 2012 | eine ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ von Mario Bartkowski [Teil 16]

Hi @ All!

Während diese Episode von Euch vermutlich innerhalb weniger Minuten durchgelesen sein wird, waren die wenigen Kilometer zum Gipfel die gefühlt längsten Kilometer der gesamten Distanz. Ich habe mich entschlossen, die Emotionen im Goethe-Saal ebenfalls hintendran zu hängen, aufgrund der erneut langen Wartezeit. Es wird auch reichlich Bildmaterial geben, um die Stimmung so gut es geht einzufangen.
Die letzten Episoden findet Ihr in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).

Liebe Läufergrüße und viel Spaß beim Lesen der teils ernsten, melancholischen und witzigen Ereignisse vor und nach dem Run to the Hill.



Oderbrück (790 m NN | 72,4 km bis 73,9 km) | 7,6 km bis Brockengipfel

„Hey Mario, wie geht’s Dir ? Schaffst es noch bis zum Gipfel?“

Torsten grinste mich frech an, als ich den Verpflegungsstand zusammen mit den anderen beiden Läufern erreichte. Er war anscheinend überall – aber natürlich ging es auch darum, seinen Kumpel Björn zu unterstützen. „Ich hab das jetzt mal überhört, Torsten“, antwortete ich lachend. Wie aus Reflex schaute Ich auf meine GPS-Uhr – die hatte jedoch schon vor einiger Zeit den Geist aufgegeben. Ich freute mich dennoch später auf die Auswertung der Daten am PC. Ich fragte Torsten nach der Uhrzeit, ich wollte mein Handy nicht extra rauskramen. „Kurz vor vier“, entgegnete er. „Oha, nun wirds aber knapp mit Sonnenuntergang“, meinte Ich etwas mißmutig. Einer der beiden Läufer schaute Richtung Sonne, ich folgte seinem Blick. “In einer guten Stunde ist die jedenfalls verschwunden“, kommentierte er den Sonnenstand und schaute selbst nochmals prüfend auf seine Uhr. Ich wollte mich unbedingt noch mal ordentlich stärken, bevor es losging. Am Verpflegungsstand grüßte Ich die Helfer und pickte mir ein paar Schoko-Haferschnitten raus – natürlich mit einem leckeren, heißen Zimttee. „Ich werd dann mal weiter“, meinte mein bisheriger Laufpartner, winkte und zog unvermittelt weiter. Der andere Läufer folgte Ihm. „Jo, Ich komme dann nach…“, rief Ich den beiden zu, wollte nur zuende Essen. Die Schokoschnitten waren aber auch famos!

Ich war so dreist und schnappte mir auch den Rest vom Teller. „Es muss sein, hoffentlich nimmt mir das keiner übel“, dachte Ich laut, aber einer der Helfer vom Bergwelt-Team schüttelte bloß den Kopf. „So, dann gehe ich mal die letzten Kilometer an…“, rief Ich Torsten zu, der immer noch in der Nähe stand und dem allgemeinen Treiben am VP zusah. Ich verabschiedete mich, und lief in lockerem Tempo den beiden Läufern hinterher. Die hatten nun ordentlich Vorsprung. Das sollte dann leider auch so bleiben, ich würde Sie erstmal nicht wiedersehen…


Unmenschliche Kälte und toter Punkt

Der Weg war hier nun sehr breit, der Schnee von den vielen Spaziergängern regelrecht geplättet. Unaufhaltsam und Unerbittlich wurde nun der Anstieg – trotz schwindender Kräfte wollte Ich jedoch nicht aufgeben. Die beiden Läufer konnte Ich vor mir nicht mehr ausmachen, aber ich wollte mit allen Mitteln zu Ihnen aufschließen. Das kostete mich jedoch noch mehr Kraft, ein Teufelskreis. Meine Motivation zu Laufen verflüchtigte sich rapide, der Gedanke zu gehen schien immer willkommender. „Schade, so kurz vorm Schluß verlässt Dich die Kraft und Motivation…“, dachte Ich bitter. Eine Frage der Zeit, bis es einfach nicht mehr ging. Nun war er wohl endgültig gekommen. „Hauptsache nicht gehen müssen“, dachte Ich bissig. Das erinnerte mich an ein Interview des US-Ultramarathonläufers Dean Karnazes, in dem er wie folgt formulierte: ‚Es gibt keine Abkürzungen beim Ultramarathon. Der Körper ist darauf programmiert, an einem bestimmten Punkt Stopp zu sagen. Die Gedanken sagen: Nein, lauf weiter! So ist der einzige, finale Selbstschutz-Mechanismus die Ohnmacht – oder Schlimmeres.‘ Soweit wollte Ich es aber dann – auch gedanklich – noch nicht kommen lassen. Einmal mehr traf mich die unbarmherzige, eisige Wucht der arktischen Kälte, diesmal ohne Gnade und Unterlaß. Hier oben wurde es noch mal eine Ecke unmenschlicher : die gefühlten, zweifachen Minusgrade hatten es in sich.

Immer öfter kamen mir nun Spaziergänger entgegen, aber auch Teilnehmer der Brocken-Challenge, die bereits auf dem Heimweg waren. Die Reaktionen beim Vorbeilaufen fielen unterschiedlich aus: Herzlicher Applaus, aufmunternde Grüße, respektvolles Nicken und wohlwollende Bewunderung. „Zieh durch, Junge, gleich biste da!“, rief einer. Es war ein tolles Gefühl der Anerkennung!


Abenddämmerung auf der Rampe

Dann erspähte Ich die beiden Läufer hinter der nächsten Kurve, aber immer noch viel zu weit weg. Beide liefen nun nicht mehr nebeneinander. „Er will vor Sonnenuntergang oben sein“, dachte Ich bewundernswert. Ich jedoch wollte nicht mehr so recht dran glauben, das Ich die Sonne oben noch erblicken durfte.

Dann war endgültig Feierabend, denn das, was ich da vor mir sah, entmutigte: Der ohnehin schonungslose Anstieg wechselte in maßlose Gnadenlosigkeit, als Ich mich einer weißen Wand näherte. Ich wusste, es Konnte sich jetzt nur noch um die Rampe handeln. Laut Beschreibung soll die Steigung über dreißig Prozent haben (kleiner Insider an die Sehnder Leser: Das Ding hat mehr als die doppelte Steigung der Todes-Rodelbahn nahe der Kippe) Hinter mir näherte sich in einiger Entfernung ein Läufer, und vorne verschwanden gerade meine ehemaligen Laufpartner hinter der Rampe aus meinem Blickfeld. Die war so steil, man wollte gar nicht mehr wissen, was noch dahinter kam! Weit oben kamen mir wieder Wanderer entgegen und hatten sichtlich Mühe, hinunterzukommen. Auch zwei Kinder mit Schlitten waren dabei – und rasten lachend runter. Krass. Typisch Kiddies. So schnell Ich konnte, arbeitete Ich mich zügig gehend nach oben. Wandern war nicht drin, das wollte Ich mir kurz vor Schluss einfach nicht geben. Ich schaute den Rodlern hinterher, die Ihren Spaß hatten. Hier oben schien alles so unbekümmert.

Ich ließ meinen Blick über die schneebedeckte Landschaft gleiten, genoss wieder einen romantischen Ausblick auf verschneite Tannen, die von dem Abendrot der Sonne beleuchtet wurden. Als ich dann endlich selbst die Rampe erklommen hatte – irgendwann, denn das Zeitgefühl war mir schon lang abhanden gekommen – blieb Ich stehen und schaute mich erneut um: Eine gewisse Erhabenheit ergriff mich, denn solche Bilder brennen sich für immer ins Gedächtnis.

Dem Gipfel so nah

Zunächst hatte Ich Mühe, mich wieder zum Laufen zu motivieren, also blieb es erstmal beim schnellen Gehen, um wieder in Fahrt zu kommen. Einmal mehr hatte Ich freie Sicht auf den Brocken. Vor allem der rot-weiß-gestreifte Stahlrohrturm sowie Brockenhotel bildeten einen sehr scharfen Kontrast zum frostig-blauen Himmel.

Alles wirkte irgendwie noch weit entfernt. Ich zwang mich zum langsamen Laufen, kam wieder in die Gänge. Beinahe merke Ich gar nicht, wie Ich noch das Kunststück vollbrachte, einen weiteren Läufer zu überholen. Wir nicken uns bloß stumm zu. So kurz vorm Ziel ist man in Gedanken versunken. Der Brockenblick wird nun ein ständiger Begleiter, immer wieder taucht die Sendeanlage zwischen den schneebedeckten Tannen auf. Ich weiß noch genau, was mir durch den Kopf ging, wenige Kilometer vorm Ziel. Es waren eher melancholische Gedanken: Ich wusste, bald war leider schon alles vorbei. Monate der Trainingsvorbereitung für diesen Lauf, der so viel Spaß gemacht hatte. Normalerweise macht man sich über solche Sachen erst hinterher Gedanken, aber ich war schon im Vorfeld betrübt, das dieser tolle Lauf bald endete. Es war so ein tolles Abenteuer, und bald sollte es enden. Ich schüttelte die Melancholie beiseite, konzentrierte mich wieder auf’s hier und jetzt.

Vor dem Zieleinlauf ist nach dem Zieleinlauf

Inzwischen führte mich der Weg neben Schienen der Brockenbahn entlang. Immer öfter begegnete Ich nun Wanderern und Spaziergängern. An den glücklichen Gesichtern einiger Leute erkannte Ich sofort Teilnehmer, die bereits wieder auf dem Rückweg waren. Die meisten Leute hatten sich warm angezogen, waren stark vermummt. Ich machte mir ein wenig Sorgen. Soviel dicke Klamotten hatte Ich gar nicht für die Nach(t)wanderung eingepackt, wenn es wieder zu Fuß hinuntergehen sollte. „Halt durch“, meinte gerade jemand lachend und ging mit seinen Kumpels vorbei. Ich grinste diesmal jedoch nur. Der melancholische Moment von vorhin war vergessen, nun wollte Ich dann doch endlich ins Ziel. Warscheinlich ging einem kurz vorm Zieleinlauf noch allerhand durch den Kopf. Weit vor mir sah Ich nun, wie sich Läufer und Spaziergänger schnurstracks nach links hocharbeiteten. Dort kreuzten sich die Schienen mit der Brockenstraße. Ich beschleunigte mein Tempo nochmals, denn die kommende Straße machte wieder einen besonders steilen Eindruck.

Rosenmontag auf dem Brocken?

Boah! Diese Brockenstraße war derbst steil!
Nach jeder Kurve dachte ich, es wäre endlich soweit, aber die Zielgerade wollte noch nicht kommen. Aus dem Laufen wurde einmal mehr ein schnelles Gehen. Eine weitere Biegung, wieder nichts. Links sah Ich dann erneut die Sendeanlage, diesmal überraschend nah.

Und dort konnte Ich bereits das Zielbanner sehen, der Brocken-Challenge-Schriftzug war unverkennbar. Ich hörte Gerassel, gerade wurden zwei Läufer unter lautem Beifall begrüßt. „Oh Gott, oh Gott, gleich ist es soweit!“, dachte ich aufgeregt! Nun wollte Ich nicht mehr gehen, sondern laufen, die letzten Meter erhobenen Hauptes durchs Ziel. „Wie sieht das denn aus, wenn Ich da wandernd reinspaziere?“,dachte ich und versuchte, wieder laufend einen Fuß vor dem anderen zu setzen.

Es war eine echte Qual, aber so kurz vorm Zieleinlauf war’s mir sowas von Egal! Dann wieder ein Läufer vor mir, der mit sehr viel Gerassel und Jubel in Empfang genommen wurde. Erinnerte mich an Karneval. Alle drehten mir den Rücken zu, und es waren nur noch wenige Meter bis ins Ziel! „Was zum Geier…“, dachte Ich. Würd Ich nun weiterlaufen, würd das niemand registrieren. Wäh! Die waren gerade mit dem Läufer am schnacken, aber hier kam doch schon der Nächste! Ich hatte aus Reflex sowas wie „Hier kommt noch einer, ein dreifach Helau..?“ gerufen, um ein klitzekleines bisschen Aufmerksamkeit zu erregen – gerade noch rechtzeitig!

Gipfel

„Heeeeeeyyyy, noch einer!!!“
„Jaaaa, da bin ich!“

Ich hatte ein ganz klares DejaVu und musste an meinen verpatzten Start vor gut 11 Stunden denken, als man mir genau denselben Spruch zugerufen hatte. Diesmal jedoch war alles anders! Aus dem Augenwinkel bekam ich noch mit, wie jemand etwas auf eine Liste notierte – sehr wahrscheinlich die Finisher-Zeit. „So, dann aber fix rein mit Dir, wärm Dich erstmal auf, Duschen, und dann gibt lecker Essen!“ Ich entgegnete: “Ihr seid echt hart, wie lange steht Ihr hier schon`? Sagt es lieber nicht…“.
Ich stand einfach nur da, blickte um mich, war von der Aussicht fasziniert. Was tausend Meter Höhe schon für einen Unterschied machten. Hier oben wirkte alles bis zum Horizont wie Satellitenansicht bei Google-Maps.

Ich erwartete nun eigentlich auch so etwas wie emotionale Gefühlswallungen, aber komischerweise blieben die aus. Das enttäuschte mich irgendwie. Spätestens jetzt hätte Ich sowas erwartet. Ließ mich das Erreichte „kalt“ …?
Die Sonne war im Begriff, hinter dem Horizont zu verschwinden.

Zwei Läufer standen nahe dem Eingang und unterhielten sich. Ich näherte mich Ihnen. Einer von den beiden hantierte an seinem Fotoapparat. „Hey, Gratulation Euch beiden. Habt Ihr vor, noch ein Foto zu machen ?“, grüßte ich. „Ne, keine Chance, ich will rein“, meinte der nur. Keine so schlechte Idee, dachte ich. Wobei das mit dem Foto machen eigentlich sehr schade war. Die Sonne verschwand nun beinahe gänzlich, es wurde immer dunkler. Nun wurde es im stehen unerträglich kalt. Vor einer halben Stunde noch wollte Ich am liebsten weiterlaufen, nun war ich jedoch ehrlich gesagt froh, hier oben zu stehen, mich kurz umzublicken und dann zügig ab ins Warme zu kommen.

Das war eigentlich ein gutes Stichwort: Also ab ins Hotel, aufwärmen, Duschen!

Große Emotionen im Goethe-Saal…

Zunächst ging es vom Eingang aus über eine Wendeltreppe in die erste Etage. Laut Beschilderung war der Goethe Saal für die Brocken-Challenge-Teilnehmer reserviert

Ich roch bereits Pasta, der Duft hing überall in dem Saal, der Magen fing an zu knurren. Im Vorraum des Saals hatten die fleißigen Veranstalter die Kleiderbeutel deponiert. Einer der nimmermüden Helfer schaute mich kurz an. „Soo, Starternummer 83 also, lass ma schau’n..“ Schon verschwand er zwischen den vielen Beuteln, warf seine Angel und fischte erfolgreich meinen heraus. „Da isser, Beutel 83, bidde sehr“. Ich dankte und wendete mich neugierig dem Saal zu. Direkt geradeaus durch am anderen Ende des Saals ging es zu Dusche und Toilette. Ich also schnurstracks geradeaus, vorbei an dem Gastronomie-Bereich sowie dem leckeren Nudel-Buffet auf der linken Seite, um ja nicht vorschnell in Versuchung zu geraten. Ich suchte mir zunächst nahe einer Heizung eine passende Stelle, um die Klamotten abzustellen. Hier im Saal herrschte absoluter Ausnahmezustand, aber in positivem Sinne. Überall unterhielten sich rege die Ultramarathonläufer. Sofort konnte Ich es spüren, dieses gewisse Feeling, was jeder unleugbar spüren musste, wenn er den großen Saal mit den vielen gleichgesinnten Läufern zum erstenmal betrat: Das Gefühl, etwas großartiges vollbracht zu haben!

In den Blicken konnte man Glück und Freude ablesen. Die meisten Gesichter waren mir vollkommen fremd, obwohl es ja immer hieß, das die Ultragemeinde eigentlich eher ein Dorf sei. „Naja, Du bist ja auch noch nen Frischling in dieser Szene…“, dachte ich scherzhaft. „Nun aber Duschen!“

…und lange Schlange(n) vor der Dusche

Ich schnappte mir meine Wechselklamotten und betrat das Herren-WC. Hier herrschte ebenso Ausnahmezustand: fünf Männer kamen auf eine Dusche. Gerade sang sogar jemand, es konnte schlimmer nicht sein. „Wenn Du da drinne schon singen musst, dann sag uns wenigstens, ob es noch heißes Wasser gibt, das du gerade verplemperst“, rief einer der Läufer gerade. „Bei dem Gedränge hier sollte man jetzt NICHT seine Seife verlieren“, scherzte ein anderer.
Ich musste lauthals lachen, einige drehten sich um. „Ah, noch einer. Na das wird ja richtig kuschelig hier“, meinte ein weiterer nackter. „Jetzt reißt Ihr hier aber das volle Klischee-Programm runter, was ? Anscheinend ist der Boden nicht beheizt, oder warum stehst Du auf Deinen Socken?“, grinste ich und warf meine Klamotten in eine Ecke. Alles harte Jungs! Ich zog mich ebenfalls aus und wollte mich gerade mit dem Duschgel ins Getümmel der wartenden Schlangen werfen, als Ich neugierig und entsetzt zugleich auf meine eigenen Füße starrte: Blaue Zehennägel, Blasen, Blut!
„Jo, die sehen so aus, wie ich mich fühle“, kommentierte einer der Läufer, sichtlich zufrieden. „Pff, das is ja noch harmlos. Lass mich raten: Zum erstenmal die BC gelaufen?“, meinte ein anderer. „Eher der erste Ultra“, antwortete Ich lachend und betrachtete weiterhin fasziniert meine Zehen. “Jo, dann gratulier Ich mal. Trotzdem sehen die harmlos aus, glaub man.“ Ich entgegnete: „Wenn wir hier weiterhin rumstehen, gibt’s die passende Blasenentzündung gratis“. Wieder herzliches Gelächter! Ich fröstelte etwas, aber das war halt normal. Generell war es wichtig, schnell aus den nassen Klamotten rauszukommen. Nun aber minutenlang nackt auf dem kalten Fliesenboden rumzustehen, war eher lästig. Vor mir noch zwei wartende Läufer, hinter mir drei. „Kann dauern“, grinste einer und folgte meinem Blick. Und dann endlich – nach einer halben Ewigkeit – der ersehnte Moment: Duschen! Und es gab sogar noch heißes Wasser. Ich beeilte mich, wollte den Rest nicht warten lassen. Ich betrachtete meine Füße, sah alles harmlos aus, nachdem ich das Blut weggespült hatte – der Typ hatte recht behalten. „Rein, raus, fertig“, kommentierte ich bloß, als Ich nach nicht einmal zwei Minuten wieder draußen war. „Na, mal sehn, welcher blöde Spruch nu kommt“, dachte Ich grinsend. „Wird Zeit, mein Bier wird alle“, rief jemand laut und hielt seine Pulle hoch. Ohne Worte…

Unnötige Sorgen…

Umgezogen machte Ich mich wieder auf dem Weg zu meinen restlichen Klamotten. Mir war Kalt, obwohl der Saal beheizt war. Die eisige Kälte wollte einfach nicht aus meinen Knochen. Ich setzte mich zunächst an die Heizung und schaute mich um. Derweil trudelten weitere Läufer in den Saal, unter lautem Beifall wurden Sie von allen begrüßt.

Ich versuchte unter den vielen fremden Gesichtern auch bekannte ausfindig zu machen. Am gegenüberliegenden Ende erkannte Ich dann jemanden: Es war der Sohn, der zusammen mit seinem Vater auf der 2x2m großen, luxuriösen Luftmatratze übernachtet hatte. Ich also mit meinem Krempel rüber. „Hey, wie geht’s ? Ist Dein Vater noch unterwegs ?“. Er nickte und meinte dann sowas wie: „Ick wees nur, das er noch unterwegs is, kann nich mehr lang dauern. Ick werd gleich ma raus, auf Ihn warten.“ Am Abend vor dem Start hatte er ja seine Meinung zum Laufen klar geäußert. Milde gesprochen: Er konnte dem Bewegungsdrang seines Vaters nichts abgewinnen. Ich hatte Ihm aber bereits an besagtem Vorabend entgegnet, das Ich das sehr toll fand, das er seinen Vater nichtsdestotrotz unterstützte. „Naja, irgendwer muss ja auch fahren…“, meinte er da noch ausweichend. Als Ich Ihn da nun so sitzen sah mit seinem Handy in der Hand, machte er einen leicht besorgten Eindruck auf mich. Ich schaute nach draußen: Es war längst dunkel. „Mach Dir man keinen Kopf, der kommt bestimmt gleich!“, meinte Ich bloß. Naja, es war ein schlechter Versuch, Ihn aufzumuntern. „Ich hol mir mal nen Teller Nudeln.“ Nun bekam Ich Hunger!

…um beispiellose Läufer

Als Ich dann mit dem leckeren, dampfenden Nudelteller wieder am Tisch saß, rief irgendjemand vor mir meinen Namen. Ich schaute auf, erkannte denjenigen, hatte aber nicht ganz verstanden, was er noch gesagt hatte. Also rief Ich zurück. “Mensch Frank, was ist los, warum liegst da rum?“. Das war Frank Kleinsorg, der auf der Matratze lag. Ich erfuhr, das er dehydriert war. Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Immerhin lag dort nen absoluter Vollprofi, was sollte Ich als Ultra-Newbie groß erwidern, am wenigsten was altkluges. Er hatte mich gefragt, wie’s gelaufen ist. „Besser als gedacht, staune ja immer noch, das Ich angekommen bin“, antwortete ich also, etwas in die Richtung. Ich wünschte Ihm jedenfalls gute Besserung. Er unterhielt sich mit jemandem vom Johanniter-Rettungsteam, der in regelmäßigen Abständen die Flüssigkeitszufuhr der Infusion kontrollierte. Als Ich fertig war mit Essen, fiel mir mein Handy ein. Ich wollte wissen, ob man es nun wieder einschalten konnte. Sah gut aus! Es war an der Zeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren: Familie, Freunde, Soziales Netzwerk im Internet. Vertieft in SMS, Twitter, Facebook & Co. hörte ich im Hintergrund wieder eine bekannte Stimme. Petra Rösler – gerade eingetroffen – hatte sich auf die Heizung gesetzt und meinte sichtlich glücklich: „Schööön warm, tut das gut!“. Sie wirkte durchfroren, was aber auch wirklich kein Wunder war, es war schon weit nach Sonnenuntergang! Ich brachte Ihr Tee, darüber freute Sie sich. Es war das Mindeste, denn immerhin war Sie es, die mir auf die ersten Kilometer mit Ihrer auflockernden Art die Extraportion Sicherheit verschafft hatte. Sie ist ein wirklich herzlicher Mensch, freue mich, Sie beim nächsten Ultra zu sehen. Und dann erfuhr Ich, das der Vater des Sohnemanns auch gesund, munter und extrem glücklich gefinisht hatte. Ich gratulierte Ihm herzlichst! Und während wir uns unterhielten, wurde ein weiterer Läufer gerade von Markus Ohlef unter großem Beifall begrüßt:
“Darf ich Euch Kurt Brennert vorstellen ? Er ist 67 Jahre und der wohl älteste Teilnehmer der diesjährigen Brocken-Challenge…!“

Neue und alte Herausforderungen

Gerade unterhielt sich Petra mit Thomas Ehmke, der gegenüber von mir saß. Von Ihm wusste Ich,das er u.a. begeisterter Trailrunner war. Es ging wohl gerade um den nächsten Ultra, der in zwei Wochen stattfinden sollte und „run2kill“ genannt wurde. Petra meinte gerade zu mir: “Wenn Du eine neue Herausforderung suchst, dann lauf doch den run2kill.“ Die Eckdaten wollte Ich erst gar nicht glauben: Hildesheim, 161 km, ca. 4000 Höhenmeter.Peng. Ich guckte wohl wie ein Pferd, als Ich antwortete: „Das soll ein Scherz sein, oder? 100 Meilen ?“, dachte Ich laut. Petra entgegnete: “Du kannst ja nach den ersten 80 km aufhören…?“ ich mußte grinsen. „Naja, Ich lauf erstmal den Rennsteig im Mai. Die Ziele sollten realistisch bleiben. Ich laufe gern ein Rennen komplett, nicht zur Hälfte. Vielleicht 2013“, winkte Ich lachend ab. Glaub Thomas meinte dann, ich solle langsam machen und den Rennsteig durchziehen. “Der wird allerdings nen Spaziergang für Dich, nach dieser BC…“ Derweil beobachtete Ich, wie jemand eine Urkunde in Händen hielt.
Gute Idee! Ich stand auf, um mir meine ebenfalls abzuholen. Als Ich Aschu und Markus auf der anderen Seite des Saals erspähte, wusste Ich, das noch etwas anderes geklärt werden musste: Schlafzeugs und Trekkingstöcker. „Augen zu und durch“, dachte Ich und lief auf die beiden zu.

„Ähm, Hallo Ihr beiden! Tja, wie fang Ich am besten an…“


Mit Teil 17 – dem letzten Teil – folgt die Nach(t)wanderung sowie diverse Outtakes. Somit schließt sich der Kreis, und man könnte als Epilog die erste Episode heranziehen. Vielleicht versteht Ihr dann auch, warum Ich bei erreichen des Gipfels (noch) nicht die erhofften Emotionen verspürte.

Tja, Noch 12 Tage, dann beginnt auch für mich endlich die Laufsaison 2012. Im Mai geplant wären am 12.05. der Ultramarathon-Rennsteig in Thüringen sowie eine Woche später der Marathon in Würzburg, wo Ich zusammen mit den Cabanauten (http://www.caba.de/jooga/) versuchen möchte, einen Weltrekord (www.kettenmarathon.de) zu brechen- zwei Laufevents also, auf die Ich mich bereits freue!

Brocken-Challenge 2012 | eine ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ von Mario Bartkowski [Teil 15]

Hallöchen!

Dachte mir, man könne ja zum Wochenende noch eine weitere – diesmal kurze – Episode dranhängen, hier also nun Folge 15. Und so wie es aussieht, wird Episode 16 mich direkt zum Gipfel führen! ABER auch dann ist es noch nicht ganz vorbei: Große Emotionen im Goethe-Saal auf dem Brocken, lange Schlangen vor der Dusche, unnötige Sorgen um beispiellose Läufer, die Nach(t)wanderung…noch wird es einige Episoden zum Lesen geben.

Liebe Läufergrüße aus dem Norden,
Mario



Königskrug (759 m NN | 68,5 km bis 70 km) | 3,9 km bis VP Oderbrück

Jubel, Trubel, Heiterkeit

Als wir beiden auf den Verpflegungspunkt zuliefen, klatschten die Leute von weitem Beifall !
Wir freuten uns sehr über diese Begrüßung, ich schaute zu meinem Laufnachbarn rüber, er hatte ebenfalls ein breites Grinsen im Gesicht. Erstmals diese Glücksgefühle in der Bauchgegend, als Ich mich dem VP näherte. Das schien auch der freundliche Helfer zu spüren. „Na, Euch beiden geht’s ja noch richtig gut! Möchtet Ihr einen Tee?“ Ich war richtig Happy, bedankte mich regelrecht überschwenglich. Die ausgelassen gute Stimmung war einfach überall zu spüren.

Läufer, Helfer und Begleiter unterhielten sich fröhlich! Ich wollte jedoch wie stets in Bewegung bleiben, also leerte Ich schnell meinen Becher. Ich merkte, das auch mein Laufkollege weiter wollte, als Ich von einem mir unbekannten Helfer nochmals wegen der Klamotten angesprochen wurde. Ich solle mich nun an Obi wenden. Ich vermutete einen Spitznamen dahinter. Ich erklärte Ihm kurz die Situation, deckte mich noch mit ein wenig Verpflegung ein, füllte die Thermosflasche auf, dann ging es flugs weiter nach Oderbrück.

Motivationstief

Auf dieser Teilstrecke ging es in etwas lockererem Tempo weiter, der Anstieg konnte auch hier noch laufend bewältigt werden. Meine Kräfte ließen mich jedoch allmählich im Stich, ich spürte das. Es ärgerte mich jedoch nun nicht mehr, denn es waren ja jetzt nur noch weniger wie 10 km zu laufen. Die Schönheit hier oben lenkte mich ein wenig ab, bescherte mir einmal mehr einen wohligen Schauer.

Meine Gedanken schweiften jedoch immer weiter ab, während sich die Strecke mittlerweile ohne Unterlass kerzengerade in der weißen Endlosigkeit verlierte. „Hach…“, dachte ich frustriert. „Diese eeeendlose Gerade: öde…monoton…stumpf!“ Ich zog mich selbst immer weiter in ein mentales Tief. „Wäre Ich allein unterwegs, hätte ich vermutlich Mühe, mich wach zu halten…“, dachte ich schwunglos. Ich musste wieder an eine Floskel aus einem meiner Fachbücher denken, wo stand, dass die vielen Trainingskilometer nicht nur in physischer Hinsicht entscheidend für den Erfolg eines Ultramarathonlaufs waren. Es war wichtig, gerade bei den langen Dauerläufen jenseits der Drei-Stunden-Marke auch die mentale Stärke anzutrainieren. Das war der Grund, weshalb Ich Trainingsläufe entlang des Mittelland-Kanals in meiner näheren Umgebung eingebaut hatte. Die Mittelland-Kanalstrecke ist über viele Kilometer hinweg an Monotonie deutschlandweit fast schon nicht mehr zu toppen.Und während Ich mir über mein UM-Training so meine Gedanken machte, stellte Ich mir vor, wie ich als Kanalschiff so dahindümpelte…

Spürte mein Laufpartner meine anhaltende Schwunglosigkeit ? Ich war mir echt nicht sicher, ob man mir das anmerkte. Verstohlen schaute ich kurz rüber, der Blick meines Nebenmannes war jedoch fest und konzentriert geradeaus gerichtet. Einmal mehr zog Ich die Erkenntnis für mich, das der Ultramarathonlauf eine spirituelle Sache mit vielen inneren Werten darstellte. Was sich gedanklich bei mir manchesmal abgespielt hatte während der letzten 70 km sowie gerade jetzt hätte ich teilweise nicht für möglich gehalten. Anscheinend war der Ultra wirklich reine Kopfsache…?
Ich versuchte wieder aus dem mentalen Loch herauszukommen und zwang mich zu einer Unterhaltung.

Sechs Füße sehen mehr wie zwei

Das rythmische Knirschen von zwei paar Füßen auf Schnee wurde durch ein drittes verstärkt: Ein weiterer Läufer näherte sich uns von hinten. „Hallo Ihr beiden“, grüßte er knapp. Ich staunte immer wieder nicht schlecht über Läufer, die wie aus dem Nichts angelaufen kamen und welche man vorher nicht wahrgenommen hatte. Vielleicht hatte er auch bis Dato am letzten Verpflegungspunkt gestanden und dann ordentlich Gas gegeben…? Dann drängte etwas anderes ins Gedächtnis. Einer der Beiden sprach es laut aus: „Nun müsste doch bald diese Abzweigung kommen, auf der linken. Da heißt es aufpassen…“ Die Gewissheit, das jederzeit diese angeblich tückische Abzweigung auf der linken Seite auftauchen konnte, die nach Oderbrück führte. Es galt weiterhin Konzentration zu wahren. Dann tauchte eine örtliche Beschilderung auf. Wir blieben kurz stehen, denn sowohl geradeaus als auch links hieß es nun Oderbrück. „Lass geradeaus, wir sparen laut Beschilderung 0,1 km“, scherzte Ich. Das konnte noch nicht diese spezielle Abzweigung gewesen sein, kamen wir überein, also ging es geradeaus Weiter. Ich hatte Hunger, holte mir ein Kohlehydrat-Gel aus der Jackentasche. Nach einer ganzen Weile dann wieder ein Schild, wieder die Qual der Wahl. Diesmal schien die Lage eindeutiger. „Hier heißt es links Oderbrück. Das hieße, wenn wir geradeaus weiterlaufen würden, ginge es in diesem tückischen Bogen wieder zurück, wie in der Vorbesprechung ermahnt wurde. Bliebe also nur links“, dachte ich laut. An sich war die Lage eindeutig, aber eine kleine Unsicherheit herrschte trotzdem bei uns Dreien. Eines machte uns stutzig: Der linke Weg nach Oderbrück gabelte sich nach wenigen Schritten erneut. Ein Skilangläufer näherte sich plötzlich von links. Die Gelegenheit war günstig, der Entscheidung zusätzliches Gewicht zu verleihen. Also fragte ich: „Entschuldigen Sie, aber führt die Loipe direkt nach Oderbrück ? Hier gabelt sich die linke Abzweigung nämlich direkt in zwei weitere: links Loipe, rechts Trampelpfad.“ Schnell die Antwort: „Einfach der Loipe folgen, die führt direkt nach Oderbrück!“ Das war für uns das Stichwort…obwohl es nun plötzlich leicht bergab ging! „Das wird’s sein, Jungs. Laut Streckenbeschreibung geht’s vor Oderbrück wieder steiler!“ In sehr zügigem Tempo rannten wir die letzten anderthalb Kilometer. Dann tauchte vor uns zunächst der Parkplatz auf, in der Nähe müßte dann auch der letzte Verpflegungspunkt sein. Stark motiviert rannten wir weiter!

„Von dort wären es dann nur noch knappe 8 Kilometer!“, dachte Ich begeistert.

Brocken-Challenge 2012 | eine ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ von Mario Bartkowski [Teil 14]

Na Ihrs ?

Noch ist die ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ nicht abgeschlossen. 63,1 km habe Ich in den letzten dreizehn Episoden hinter mir gelassen. Nun hat es zwar ein Weilchen gedauert mit der Fortsetzung (u.a. Urlaub) , aber – here we go! – endlich kann’s weitergehen, nun heißt es auch: Endspurt zum Gipfel !

Beste Grüße aus Hannover,
Mario


Mitgehangen, mitgefangen

Ich bedankte mich mehrmals bei den Helfern des Verpflegungspunktes Lausebuche und wollte den nächsten Teilabschnitt der Strecke in Angriff nehmen.
Erst ging es über die Straße, dann hatte ich direkt die Qual der Wahl: Dem eigentlichen Weg (geradeaus) folgen oder rechts so einen komischen Trampelpfad wählen. Ich blickte unschlüssig beide Wege an, wußte mir in meiner allseits bekannten Kurzentschlossenheit nicht zu helfen. Die teils kahle Gegend – Baumstümpfe ragten aus dem frischen Tiefschnee – erinnerte mich irgendwie an das Tunguska-Ereignis (welches am 30. Juni 1908 in Sibirien stattfand und von dem man munkelte, dort habe es eine oder mehrere große Explosionen gegeben, bei denen ganze Bäume bis in 30 km Entfernung einfach entwurzelt wurden. Man munkelt auch noch andere Dinge…aber ich bleib mal besser beim Thema). Na jedenfalls führte dieser Trampelpfad – schmal, holprig und kniehoch – direkt durch dieses tunguskische Tiefschnee-Krisengebiet.


Beide Wege führten nach Rom und es wurde wieder steiler, soviel stand schonmal fest. Neben mir trudelte ebenfalls eine Gruppe von unentschlossenen Läufern ein: eine Frau in Begleitung zweier Männer. Einer der Männer schaute ständig auf seine Karte, vermutlich ging ihm derselbe Gedanke durch den Kopf: Welcher Weg ist der schnellere, welcher gar der kürzere? Gerade wollte Ich also geradeaus weiterlaufen und diesen sibirischen Trampelpfad wegignorieren, als dieser Läufer mit Karte laut den anderen der Gruppe zurief: „hier rechts lang, scheint wohl um einiges kürzer…“. Mario’scherweise ging mir dann folgender Gedanke durch den Kopf:„Hmmmmm….na Gut, ich folge Euch, ein bisschen Tiefschnee-Trail-Querfeldein und Baumstümpfe-Sightseeing durch Harzer Tunguska kann nicht schaden. Ausserdem wäre das ja mal ne Test, um herauszufinden, ob die Trailschuhe wirklich so ultra-wasserdicht sind, wie angepriesen…“. Und so hing ich mich an die Gruppe ran. Es dauerte nicht lange, und ich bereute die Entscheidung.

Durch den endlosen Schneesumpf

Der Weg machte zwar den spannenderen Eindruck mit einem Hauch von Trail…schnell merkte ich jedoch, das ich richtig gelegen hatte: Der Schnee war noch frisch, diesen Pfad hatte das vordere Teilnehmerfeld anscheinend kaum genutzt. Der Begriff Tiefschnee war wohl untertrieben: meine beiden Füße versanken sumpfartig in der weißen Masse, hier konnte man froh sein, überhaupt einigermassen gehen zu können. Das ärgerte mich sehr, ich fühlte mich gut, hatte gar keine Lust, eine kilometerlange Tiefschneewanderung in Angriff zu nehmen. Und selbst wenn ich es geschafft hätte, diesen sehr schmalen, steilen Pfad – höchstens zwei Fuß breit – laufend zu meistern, hätte Ich die Läufer vor mir überholen müssen, und das war absolut unmöglich.

Der Schnee zu beiden Seiten des schmalen Pfads türmte sich min-des-tens kniehoch, ein seitliches Überholmanöver wäre gar nicht drin gewesen. Mein Ärger wuchs, aber ändern wollte ich daran auch nichts mehr, wäre ein zeitlicher Verlust gewesen, einfach umzukehren. Eines hofften wir alle: Dieser einspurige Pfad sollte endlich ein Ende nehmen. Ich mußte wieder an den harzer Winzer denken. Dann verflog plötzlich der Ärger, ich sah das plötzlich mit anderen Augen…denn der innere Drill-Instructor meldete sich harsch zu Wort: „Hier hast Du mal wieder Abwechslung…und da Du ja anscheinend genügend Energie hast und der Schweinehund sich auch nicht blicken lässt, kann das alles ja gar nicht so schlimm sein…Du Pussy!“ Und dann fiel mir noch dieser Spruch ein, den Ich mal irgendwo gelesen hatte: „Quäl Dich, Du Sau!“

Chacka ? Ach, Pustekuchen…

Knappe 2 km später befanden wir uns endlich wieder auf dem normalen Weg, der sich von links kommend mit dem angeblich kürzeren Trampelpfad verband. “Das war zwar lustig, aber kurz ist was anderes. Da wäre man auf dem anderen laufend schneller unterwegs gewesen…“, meckerte ich, wohl hörbar laut. Irgendein Gemurmel von den anderen, was ich aber nicht verstand. Vermutlich kein Beifall, aber das konnte Ich mir schließlich auf den eigenen Bierdeckel schreiben, war es doch meine Entscheidung gewesen, der Gruppe zu folgen. „Nächstes Jahr testest Du jedenfalls den anderen Weg, egal wie lang der auch sein sollte“, dachte ich grinsend. Eine zeitlang war ich noch mit der Gruppe unterwegs. Da es nun jedoch steiler wurde und der Anstieg kein Ende nahm, blieb es weiterhin beim schnellen gehen anstelle laufen.

Immer wieder bäumte sich der kleine Spartaner in mir auf, ich solle doch laufen, nun sei der Weg doch wieder breiter, der Schnee nicht mehr so rutschig, er machte sogar einen regelrecht festgetretenen Eindruck. Also: Auf geht’s! Ich wollte aber irgendwie nicht, die Power, die mich noch vor der Weggabelung durchströmt hatte, war irgendwie weg. Und nun meldete sich auch noch der innere Köter: „Hey, es ist schnelles gehen, du bist bisher fast nur gelaufen, das kannst Dir jetzt mal gönnen, Junge, bleib also geschmeidig, geh erstmal nen Weilchen…gaaanz gechillt…“ Den Schweinehund mochte ich jetzt schon nicht leiden. Ein fünktchen positives Denken konnte Ich der Sache dann doch abgewinnen: Immerhin war die Gruppe zügig gehend unterwegs.

Mit neuem Kampfgeist…

Wie auf Kommando lief die Frau los! Die übrigen folgten verdutzt…immerhin wollte Man(n) sich nicht die Blöße geben. “Klasse, eine echte Powerfrau, die uns Kerle auch noch motivieren muß“, dachte Ich, und das meinte Ich Ernst. Ich war innerlich ehrlich froh, endlich aus dem Gassi-Gehtrott mit meinem Schweinehund herauszukommen! Es wurde jedoch noch steiler, und nach kurzer Zeit passierte es dann auch: Die Gruppe wurde langsamer, aus dem laufen wurde wieder ein zügiges gehen. Zufrieden bellte der innere Köter…

Einer der Läufer lief nun neben mir, der zweite ließ sich zurückfallen, hatte die Karte in der Hand. Ich hatte keine Ahnung, was er vorhatte. Ich wechselte ein paar Worte mit dem Läufer neben mir, als die Frau vor uns wieder loslief – wir umgehend hinterher! Nun konnte Ich nur erahnen, das es der Läuferin ähnlich ging wie mir: ‚Nur Gehen’ war einfach keine Option, trotz Anstieg. Der Schweinehund wollte aber nicht, er hatte sich dran gewöhnt: “Lass doch gehen, so viele km sind das doch eh nicht bis Königskrug. Und überhaust ist das Ganze keine Halbmarathon-Distanz mehr, wozu also der Stress…?“ Hatte das Vieh Töne ? Ohne Worte! Es war ein konstanter, langsamer Dauerlauf. Ich vergaß den Kläffer, ließ Ihn zurück, nahm stattdessen ein paar Schlucke aus der Thermosflasche, ich hatte keine Lust auf Leistungseinbrüche wegen Wassermangels, enorm anstrengend war das allemal. „Der erste Ultra, du bist kerngesund, da ist doch mehr drin, oder nicht?“ Was war das jetzt ? Allmählich befürchtete Ich, das dies der mentale Punkt war. Innere Selbstgespräche ? Ohje…um mich abzulenken, unterhielt ich mich mit meinem Nebenan. Er hatte bayerischen Dialekt. Gerade meinte er:

„Das hier kannst nicht mit den Alpen vergleichen…“
Ich entgegnete etwas irritiert: “Inwiefern“?
Er antwortete nur: „is‘ härter…wegen dem Schnee…“, etwas in der Art.

Das wollte Ich jedoch nicht glauben. Wir waren immer noch laufend unterwegs, in langsamem Tempo irgendwo zwischen 7er und 8er Pace. Aber immerhin nicht gehend. Dann wurde es urplötzlich flacher. Ganz unbewusst wurden wir schneller und schneller, liefen dann plötzlich in lockerem Tempo. Nach einer Weile die urplötzliche Erkenntnis: Wir waren schon eine ganze zeitlang allein unterwegs!

…zum vorletzten Verpflegungspunkt

In relativ lockerem Tempo ging es erst einmal weiter. Ich führte mit meinem Laufpartner nur wenig Smalltalk. Meist liefen wir konzentriert Seite an Seite, nur unterbrochen von dem gelegentlichen Knacken der unter der gewaltigen Schneelast ächzenden Bäume. Ich trank den Rest aus meiner Thermosflasche. Es konnte so weit nicht mehr sein. Die Betriebstemperatur pendelte sich nach der letzten Geherei nur langsam wieder ein, die zweifachen Minusgrade spürte Ich eindringlicher wie sonst; konnte natürlich auch daran liegen, das es nun schlicht eisiger wurde. Ich näherte mich dem Gipfel unaufhaltsam mit jedem erkämpften Höhenmeter.

Dann ging es plötzlich über eine zweispurige Straße. Parkende Autos und reger Verkehr verzögerte das Vorankommen hier oben minimal, aber es dauerte auch nicht lange, bis wir den Verpflegungspunkt erreichten.
Glücksgefühle wallten in mir hoch aufgrund der Tatsache, das nun knappe 70 km hinter mir lagen und das Ziel zum Greifen nah war.

Nun wusste ich auch irgendwie mit absoluter Bestimmtheit, das ich den Gipfel erreichen würde…

Brocken-Challenge 2012 | eine ‚ultrakurze Laufgeschichte‘ von Mario Bartkowski [Teil 13]

Hallo Zusammen und frohe Ostern!

Halbzeit beim Entsaften! – wer zunächst an einem billigen TV-Koch-Werbeslogan einer superduper 20-teiligen Küchenmaschine zum Einkochen, Einwecken, Entsaften und Ansetzen denkt…liegt dabei gar nicht mal so falsch. Nur: Erntezeit war gestern! Wer spätestens bei der Brocken-Challenge 2012 mit eingemachtem und angesetztem Kraft tanken will, kann bei diesem Wettkampf lediglich auf die einzig wahren Helden hoffen: Den fleißigen Helfern an jedem Verpflegungspunkt! Denn Sie sind es, die dafür gesorgt haben, das jeder Teilnehmer mit der nötigen Verpflegung am Start, entlang der Strecke und am Ziel gesund und einigermassen munter ankommt…ohne zu verrecken, freilich. Und spätestens beim Entsafter wird deutlich: Wer sich nicht schon in Barbis oder spätestens am Not-Verpflegungspunkt mit Essen oder Trinken eingedeckt hatte, konnte den Löffel gleich im Marmelade-Einmachglas lassen. An dieser Stelle möchte Ich also meine zwischenzeitliche Dankbarkeit und Ehrerbietung sämtlichen Streitkräften aller Verpflegungspunkte kundtun:

ICH DANKE EUCH UND VERNEIGE MICH!

Okay, nun geht’s in die zweite Halbzeit des Entsafters: Werde Ich jetzt zwischen km 53,8 (Not-Verpflegungspunkt Jagdkopf) und km 63,1 (Lausebuche) mein mentales Tief erreichen ? Werde Ich mich nach der Challenge beruflich umorientieren, beispielsweise als Winzer im Weinkontor in Mertesdorf (Voraussetzung sei ja u.a. immense Ausdauer, die Arbeit im Freien sowie Naturliebhaber…hmmm.) ?
Die letzten Episoden findet Ihr in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).

[Update: Episode 12 mußte Ich nochmals überarbeiten und ergänzen. Grund ist die Erwähnung von Starternummer 155 in Episode 11 (wo Ich in Barbis angekommen bin). Wer also verstehen möchte, was es damit auf sich hat, dem empfehle Ich ggf. ein nochmaliges Nachlesen ab Episode 11.]

Nun aber: Auf geht’s,

Liebe Grüße,
Euer Mario


Stille Überholmanöver


Ich schaute nun erstmals wieder auf meine GPS-Uhr, ich lag irgendwo bei km 56, bis Lausebuche sollte es also noch etwas dauern. Das war mir vollkommen egal, mittlerweile hatte mich die endlose Stille des Entsafters vollkommen in den Bann gezogen. Dann endlich die Erleichterung, auf die Ich gewartet hatte: Weit vor mir blitzte etwas orangefarbenes in der weißen Endlosigkeit auf, das musste – das konnte nur – eine Weggabelung sein, folglich wartete dort eine BC-Beschilderung auf mich…? Gleich zwei Skilangläufer rasten in halsbrecherischem Tempo auf mich zu, nickten kurz, waren dann vorbei. Beinah jedoch hätte mich einer der Stöcker am Bein erwischt, so eng war das teilweise zwischen Loipe und vorgetrampeltem Schneepfad. Nicht selten musste ich kurz beiseite springen.


„Bleib konzentriert“, ermahnte Ich mich. Dann hatte ich endlich diesen orangefarbenen Fleck erreicht – siehe da, es war tatsächlich eine Beschilderung! Innerlich war Ich am jubeln und freute mich, die bisherige Anspannung fiel mit einem Schlag ab, im nachhinein hätte die gar nicht sein müssen. Aber bei der kilometerlangen Einsamkeit nach dem Not-Verpflegungspunkt, ohne einen einzigen Läufer gesehen zu haben…hatte mir der Verstand einen Streich gespielt und die Rationalität arg in den Hintergrund gedrängt. „Wieder was dazugelernt: Vertraue immer dem Veranstalter…“, dachte ich bloß noch und folgte der Beschilderung. Wie auf Kommando tauchte der erste Läufer nach langer Zeit auf – zwar noch weit entfernt, aber die Distanz verringerte sich beständig. Es wurde ein stilles Überholmanöver: Ich grüßte bereits beim Näherkommen, musste dann kurz auf dem frischem Schnee neben der Loipe überholen, und scherte wieder in den Trampelpfad. Meine Gedanken stets dieselben bei so einer Überhol-Aktion: Was denkt der andere von Dir nun, wie reagiert er? Passt er sich meinem Tempo nun an und bleibt hinter mir, oder ist es dem Überholten herzlich egal, es spornt Ihn nicht an und fällt hinter mir zurück ? Das war ja immerhin kein „normaler“ Ultramarathon auf flachem Gelände bei Sonnenschein, sondern ein mit zusätzlichen Belastungen verbundener. Auf dem Entsafter lief das Teilnehmerfeld auf engem Raum, der Trampelpfad zwischen den Loipen war nunmal sehr schmal. Entweder, man überholte also, oder folgte dem Vordermann. Und immer noch war Ich Fit genug, um Gas zu geben.

155 läßt nicht locker

Ich hörte die matschigen Schritte bereits von Weitem, drehte mich jedoch nicht um, wollte selbst konzentriert weiter-winzern. Jedenfalls näherte sich zur Abwechslung mal jemand und wollte mich Überholen. Soso. Dann tauchte der Läufer auch schon neben mir auf, grüßte kurz und war dann ratzfatz an mir vorbei. Erst schaute Ich bloß auf seinen Rücken, dann auf die Starternummer – es war die 155. „Den kennst Du doch, …wie jetzt?“, dachte Ich völlig verblüfft. Dann rief Ich Ihm hinterher: “Das ist mal Krass, nach so vielen Kilometern hast Du wieder aufgeschlossen…hast Du’s eilig ?“. Er entgegnete irgendwas freches, wollte mich anstacheln, ich hatte jedoch eisern vor, weder schneller noch langsamer zu laufen…eben mein Tempo abzuspulen. Ich war kein bisschen enttäuscht, sondern schlichtweg erstaunt, das Frank nach der endlosen Monotonie und dem zwischenzeitlichen Not-Verpflegungspunkt wieder an mich rangekommen ist. „Mit was für einer lahmen Pace lauf ich eigentlich?“, dachte ich und schaute auf die GPS. Die zeigte mir jedoch rein gar nix mehr an: Akkuversagen. Na Klasse. Währenddessen gab Frank Brauner mit der 155 Stoff und entfernte sich zügig. Es dauerte jedoch nicht lange, dann kam Ich wieder an Ihn ran…leider aber auf die eher unsportliche Weise. Er hatte schlicht und ergreifend Probleme mit seinen Schneeketten…wie ärgerlich. „Blöde Ketten,was? Nu sag bloß, ich zieh wieder an Dir vorbei ?“, konnte Ich mir einen dummen Spruch mit schiefem lächeln nicht verkneifen. Er guckte mir vage grinsend hinterher, irgendwas murmelnd. „Tjaja, war bestimmt nix nettes…“, dachte ich lachend. Dann kam nach einiger Zeit Lausebuche in Sichtweite, der nächste Verpflegungspunkt. „Mann Mario, 63 km, und du fühlst Dich immer noch gut!“ Als ich dann ankam, empfand ich so etwas wie Erleichterung, Kampfgeist und Ehrfurcht in einem Atemzug: „Es hat sich ausgesaftet !!!“, rief Ich den Helfern bereits beim Näherkommen zu.


Lausebuche (590 m NN, 63,1 km) | 6,9 km bis VP Königskrug

Noch Alles Cool ?

„Sind das etwa Käsebrötchen in der Schale? Belegte Brötchen ??“
Das war wie im Schlaraffenland. Als ich diese Auswahl von Weitem sah, wollte ich es erst gar nicht Glauben: wie eine Fata Morgana in dieser weißen Wüste. Dann stand Ich am Tisch, ehrfürchtig schnappte ich mir ein Brötchen, eine freundliche Helferin reichte mir dazu sogar heißen Tee. Ein atemberaubender Service!

Ich biss in die Brötchenhälfte, es schmeckte wunderbar schockgefrostet! Es war mir unangenehm, aber Ich nahm ungeniert ein Zweites, obwohl ich noch am Kauen war. Dann entdecke Ich Salzbrezel, bekam fast Pipi in den Augen: gierig griff ich gleich richtig rein und hatte dann eine Handvoll, war am futtern wie ein Schwein im Trog. Ich liebe salziges Zeugs…der Körper verlangte es gerade sowieso! Hier standen viele Läufer, es war ein reges Treiben in dieser weißen Oase des Glücks. Man unterhielt sich, war in ausgelassener Stimmung. Auch Starternummer 155 war wieder da. Einer der dort stehenden Läufer fragte mich gerade: „Sag mal, warum siehst Du so erholt aus?“ Ich dachte an die restlichen Kilometer und den Umstand, das mich der mentale Tiefpunkt bisher verschont hatte. Ich dachte an den Entsafter, der nicht mich entsaftet hatte, sondern umgekehrt. Ich hätte nie für möglich gehalten, soweit zu kommen, ohne mit dem inneren Schweinehund über die noch zu laufenden Kilometer zu streiten. Ich mußte anscheinend zu lange über die Frage des Läufers nachgedacht haben, jedenfalls unterhielt dieser sich bereits mit wem anders. Ich kam dann zum Schluß, dass das wohl bisher sowas wie ein spirituelles Ding mit mir selbst und meiner Umgebung gewesen sein mußte: Ich war mit mir und der Strecke im Einklang, trotz einiger unnötiger Eskapaden. Vielleicht versteht das ja der ein oder andere beim Lesen dieser Zeilen. Und die sonstigen Kinderkrankheiten, um die Ich mir vorm Lauf Sorgen gemacht hatte ?

– den „toten Punkt“ hatte ich bisher nicht erlebt
– Mit Magenproblemen ab ins Gebüsch ? glücklicherweise ebenfalls noch nicht
– Dehydration? zwar fühlte ich mich noch prima, aber das mußte nix heißen
– Sonstige Störfaktoren wie Blasen an den Füßen, usw. ? keine (und wenn ja, dann vermutlich Schon abgestorbene Zehen…)

Einzig die Zerstreutheit während des bisherigen Laufs störte mich rückblickend. Ich schrieb es dem ersten Ultra-Wettkampf zu, denn bei den vorherigen Wettkämpfen hatte Ich solcherlei Eskapaden nicht erlebt. Sicher, ich war vom Typ her zugegebenermassen schon ein kleiner zerstreuter und vergesslicher Mensch…aber von den Ausmaßen wie bei diesem ersten Ultra konnte man ja schon von Ultraschusseligkeit reden.
Meine Gedankengänge beendete Ich dann und widmete mich wieder den leckeren Köstlichkeiten auf den Tischen. Ich aß noch ein paar Kekse, trank Tee und unterhielt mich mit einem Läufer, der gerade ein Käsebrötchen mampfte.
Ich weiß noch genau, was mir dabei gedanklich in den Sinn kam, und so sprach ich es aus:“Weniger wie Halbmarathon-Distanz, dann ist es geschafft…“. Mein Gegenüber nickte mir stumm zu. Wir wußten aber auch beide, dass das nix heißen mußte: Es gab gute Gründe, weshalb in der Vergangenheit immer mal wieder Ultramarathonläufer kurz vor dem Ziel zur Aufgabe gezwungen waren…