Hallöchen!
Feierabend, Schluß aus und vorbei – wurde ja auch Zeit!
Und gerade rechtzeitig fertig geworden, denn in genau 1 Woche endlich Rennsteig: Startort Eisenach in Thüringen. Streckenlänge: 72,7 Kilometer; Starthöhe 210 m NN; höchster Punkt 973 m NN; Zielhöhe 711 m NN in Schmiedefeld. Irgendwer behauptete mal, wer gern Ultra läuft, muß mindestens einmal Rennsteig gelaufen sein. Diesmal keine arktischen Minusgrade, sondern laut Wetterprognose Sommerregen bei 21 Grad. Naja, wer gibt in letzter Zeit schon etwas auf die zunehmend ungenauen Wettervorhersagen ![]()
Die letzte Episode ist zwar der Schlußteil der Laufgeschichte…wer allerdings im Anschluss erneut die erste Folge liest, versteht vielleicht, warum bei erreichen des Gipfels nicht die erhofften Emotionen hochgekocht sind. Pipi in den Augen, die Glücksgefühle…Ihr wisst schon. So, dann schließe ich mal ab und weise ein letztes Mal darauf hin, dass Ihr die bisherigen Episoden in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012) findet.
Eins noch: Die nächste Laufgeschichte steht vor der Tür, soviel ist sicher! Und wie wir alle wissen, ist kein Lauf wie der andere. Dafür leben, laufen und lesen wir ja sowas!
Viele Grüße,
Mario
Schlußteil | Die Entdeckung einer Leidenschaft
Nach(t)wanderung Brockengipfel bis Schierke | 7,5 – 11 km

Bald ne Viertelstunde Warterei in dieser klirrenden Kälte! Mann!
So gut es ging, hatte ich mich vermummt, aber der eisige Tod kroch durch jede erdenkliche Ritze. Wer hatte eigentlich entschieden, das wir noch auf Nachzügler warten? Ich wurde innerlich immer unruhiger. Jemand rief grad sowas wie: “Mal sehn, wie schnell Ich mit dem Schlitten unten bin!”. War das Thomas mit ner Plastikschale in der Hand ? Damit wollte er “Schlitten fahren” ? Geile Idee…trotzdem war’s Arschkalt. Irgendwer machte ein Foto.

Meine Laune sank mit den Minusgraden in den eisigen Keller des Todes. Ich konnte nicht mehr länger, schaute in die Runde und schrie dann: “Lasst doch endlich nach unten, ich will einfach nur noch schlafen, Herrrrr-gott, wir holen uns hier doch alle den Tod !!!” Keiner guckte zu mir rüber. keine Reaktion. War auch zu erwarten, ich hatte meinen Frust auch nur innerlich herausgeschrie’n. Bibbern. Zittern. Bewegungslos herumstehen. Schrecklich! Dann rief – endlich! – jemand: “Können los!”. Zu gern hätte ich jetzt mal gewusst, wie kalt es war. Locker Minus 30 Grad oder mehr. Locker! Die Gruppe setzte sich schnell in Bewegung. Innerlich war ich froh darüber, denn ich wollte einfach nur noch nach Schierke: am liebsten per Flugzeug, Hubschrauber oder meinetwegen auch Paragliding. Schnell, Zack Zack! Als hätte man meine Gedanken erraten, ging es sehr zügig gehend abwärts die Brockenstraße herunter.

Nun rächte sich, das ich den Hosengürtel zuhause vergessen hatte: Die Hose rutschte arg beim Laufen! Und das war richtig Mist, denn mir blieb nichts anderes übrig, als die Hände in den Hosentaschen zu lassen und Sie so festzuhalten. Hatte Ich so arg abgenommen beim Lauf ? Wenigstens konnte Ich meine Flossen wärmen – auch gut. “Toll, da läufst 80 km und jammerst dann wegen der letzten paar Kilometerchen wie eine Pussy…”, dacht Ich verärgert. Egal, es war elendig Kalt! Darf ja wohl erlaubt sein, innerlich zu fluchen! Die Gruppe war aber auch sehr zügig unterwegs. Also: Hose festhalten und durch!

Schnell verlor Ich innerlich die Geduld: Warum dauerte das denn nur alles so lange ? Erste Schmerzen setzten ein, alles tat in den Beinen weh. Die meisten unterhielten sich, ich lief bloß stumm in Gedanken versunken und furchtbar müde mit. Dann endlich eine Wegkreuzung vor uns! Innerlich hatte Ich bisher jeden Meter gezählt. Das mussten doch schon mindestens drei Kilometer gewesen sein ? Jemand rief: “Die Brockenbahn-Schienen, geradeaus gehts weiter!” Im Normalfall hätte Ich jetzt die Schulter hängen lassen (unmöglich bei der Schweinekälte!) und enttäuscht und entsetzt zugleich ausgesehen (eingefrorene Miene!), aber ich kämpfte bloß diese unsagbare Enttäuschung runter. “Was ein krasser Gegensatz”, dachte ich mit bitteren Gedanken. “Da läuft man so eine fette Distanz, nur um dann festzustellen, das einem die paar Kilometer abwärts jegliche Kraftreserven und darüber hinaus auslaugten wie gierige Blutegel.”
Ein Johanniter-Wagen fuhr an uns vorbei, wir mussten Platz machen. “Nehmt mich mit”, dachte ich flehend und schaute hundsmüde dem Wagen hinterher, wie er in der Dunkelheit verschwand. Stumpf einen Schritt vor dem anderen. Die Hose musste Ich krampfhaft festhalten, ununterbrochen. “Lasst die Abkürzung nehmen”, rief dann irgendwer. “Sparen wir 4 Kilometer!” Ich schaute auf, die Gruppe kam zum Stillstand. “Abkürzung klingt gut!”, rief ich bloß. Vom Hauptweg führte ein schmaler Pfad mitten in den Wald. Mein Laufnachbar neben mir grinste wie Nicholson in Shining: “Geil, nun wird’s lustig: Ein schmaler Trampelpfad, kaum zwei Fluß breit, schön steil abwärts!” Hatte wer in diesem Zusammenhang das Wort Hexenstieg in den Mund genommen ? Ich weiß es nicht mehr. Aber Abkürzung klang ermutigend. Meine Beine brannten zwar höllisch, aber an den quälenden Schmerz mit jedem einzelnen Schritt hatte Ich mich bereits gewöhnt. Kaum hatte Ich die ersten paar hundert Meter hinter mir gelassen, wünschte Ich mich innerlich wieder auf den breiten Wanderweg zurück! Ich war laut am fluchen. Ich wurde jedoch von den Ultra-Profis gekonnt ignoriert. Dieser Abstieg erinnerte mich schlagartig an den Tunguska-Trampelpfad [siehe Episode 14], nur mindestens doppelt so steil und weitaus anstrengender: Schmaler Pfad, kaum belaufen, alle paar Meter tief hängende Äste, denen man nur selten ausweichen konnte. Oft musste Ich bibbernd eine Hand aus der Hose ziehen, um Äste wegzubiegen und meinen Hintermann vorzuwarnen. Nicht selten traf mich der gebogene Ast meines Vordermannes ins Gesicht. Bäng! Wer hier nicht jeden Schritt konzentriert ansetzte, knallte der Länge nach hin oder verschwand in einer Schneemulde. Als mein Vordermann plötzlich strauchelte und in eine solche durch den Schnee versteckten Mulde trat und lauthals fluchte, war ich vorgewarnt und konnte gerade noch so darüber springen. Das Zeitgefühl hatte ich komplett in den Hintergrund gedrängt. Dann rief irgendwer hinter mir was, ich war mir nicht sicher, ob er meinen Namen gerufen hatte. Nach einer Weile rief mein Hintermann dann wiederholt meinen Namen, während wir weiterhin den mörderischen Trampelpfad hinunterliefen: “Hier, Mario, das haste vorhin verloren.” Ich nahm was zusammengerolltes entgegen und musste beim Anblick innerlich stöhnen. Die Karten! Diese verdammten Karten! Die müssen aus dem Rucksack herausgerutscht sein. Kurz schaute Ich nach vorn und dann hinter mich: Tatsache – der Abstand zwischen jedem Läufer hatte sich merklich vergrößert. Machte auch mehr Sinn. Wer hier stürzte, fiel dem Vordermann dann nicht gleich in den Nacken. Schnell griff Ich nach den Karten und weiter ging es im Laufschnritt nach unten. “Im Normalfall würd mir dieses kleine Trail-Abenteuer sogar Gefallen…nur jetzt einfach nicht mehr”, murmelte ich. Wenig später riß mein Kleiderbeutel! Erneut lauthals fluchend musste ich nun irgendwie den kaputten Beutel unter den linken Arm klemmen, während Ich gleichzeitig mit der linken Hand die Hose fest im Griff hatte. Mit der rechten hielt ich die zusammengerollten Karten, um den erbarmungslos peitschenden Ästen, die aus der Dunkelheit in mein Gesicht sausten, weiterhin auszuweichen. Schnell wurde mein Arm taub, auch diesen Teil musste Ich jetzt gedanklich verbannen, zusammen mit den restlichen Unzufriedenheiten dieser endlos langen Frust-Liste. Als mir dann die Karten von einem Ast aus der Hand geknallt wurden, fluchte ich laut das berühmte “SCH”-Wort und dachte dann: “Nie, nie, nie wieder läufst Du die Brocken-Challenge !!!”
Gute 2 Stunden später in Schierke: erschöpft, kaputt und absolut am Ende!

Meine Beine und Füße schmerzten höllisch, mein Körper schrie nach Schlaf!
Vollkommen entkräftet stand Ich endlich (!) vor dem Hotel König in Schierke und erspähte auch schnell das parkende Auto meines Empfangs-Komitees: Meine Frau sowie Eltern. Trotz der mörderisch letzten Strapaze (siebeneinhalb Kilometer brutal-bergab auf teils sehr engen ‘Knochenbrecher-knack-und-weg’-Pfaden, dem ‘Halsbrecher-Duck-Dich-oder-Du-bist-Tot’-Geäst der Bäume und der absoluten ‘ich-geh-bloss-pinkeln-und-plötzlich-war-Stockenduster-und-alle-weg’-Endgültigkeit, weil keine Stirnlampe mehr weit und breit) hatte Ich tatsächlich noch von weißgott irgendwoher ein allerletztes bisschen Kraft genommen, so etwas wie ein glückliches Gesicht zu machen. Alle umarmten mich, danach reichte mir Muttern einen heißen Grog mit Holundertee-Geschmack und es ging nach Hause. „Den Grog hat Frido gemacht“, meinte gerade meine Mutter. Ich sah Ihr an, wie stolz Sie auf mich sein musste. “Ja, das Zeug holt mich gerade aus der Unterwelt wieder nach oben”, entgegne ich schwach grinsend. Neben mir döste meine Frau, und am anderen Ende der hinteren Sitzreihe pennte mein junger Bruder Kevin. „Sagt mal, was habt Ihr mit Kevin gemacht, das der schläft?“ Gottlob fing er nicht an zu schnarchen. „Der hatte wohl nen anstrengenden Tag“, erwiderte lachend meine Mutter. „Der Kerl ist 16, wovon ist er geschafft, er ist jung!“, dachte ich laut. Nun kamen mir die Schmerzen nicht mehr so doll vor – vorerst. Dann fing ich an, der inneren Erschöpfung nachzugeben und döse vor mich hin. Dabei spule Ich während der knapp zweistündigen Autofahrt immer wieder die letzten 16 Stunden im Geiste rauf und runter, es war beinahe wie im Fieberwahn: Der erste Ultra, die erste Brocken-Challenge, die fiese erste Nachtwanderung!
Glücklich übermannt mich Sekundenschlaf…
Outtakes









Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 16]
Hi @ All!
Während diese Episode von Euch vermutlich innerhalb weniger Minuten durchgelesen sein wird, waren die wenigen Kilometer zum Gipfel die gefühlt längsten Kilometer der gesamten Distanz. Ich habe mich entschlossen, die Emotionen im Goethe-Saal ebenfalls hintendran zu hängen, aufgrund der erneut langen Wartezeit. Es wird auch reichlich Bildmaterial geben, um die Stimmung so gut es geht einzufangen.
Die letzten Episoden findet Ihr in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
Liebe Läufergrüße und viel Spaß beim Lesen der teils ernsten, melancholischen und witzigen Ereignisse vor und nach dem Run to the Hill.

Oderbrück (790 m NN | 72,4 km bis 73,9 km) | 7,6 km bis Brockengipfel
„Hey Mario, wie geht’s Dir ? Schaffst es noch bis zum Gipfel?“
Torsten grinste mich frech an, als ich den Verpflegungsstand zusammen mit den anderen beiden Läufern erreichte. Er war anscheinend überall – aber natürlich ging es auch darum, seinen Kumpel Björn zu unterstützen. „Ich hab das jetzt mal überhört, Torsten“, antwortete ich lachend. Wie aus Reflex schaute Ich auf meine GPS-Uhr – die hatte jedoch schon vor einiger Zeit den Geist aufgegeben. Ich freute mich dennoch später auf die Auswertung der Daten am PC. Ich fragte Torsten nach der Uhrzeit, ich wollte mein Handy nicht extra rauskramen. „Kurz vor vier“, entgegnete er. „Oha, nun wirds aber knapp mit Sonnenuntergang“, meinte Ich etwas mißmutig. Einer der beiden Läufer schaute Richtung Sonne, ich folgte seinem Blick. “In einer guten Stunde ist die jedenfalls verschwunden“, kommentierte er den Sonnenstand und schaute selbst nochmals prüfend auf seine Uhr. Ich wollte mich unbedingt noch mal ordentlich stärken, bevor es losging. Am Verpflegungsstand grüßte Ich die Helfer und pickte mir ein paar Schoko-Haferschnitten raus – natürlich mit einem leckeren, heißen Zimttee. „Ich werd dann mal weiter“, meinte mein bisheriger Laufpartner, winkte und zog unvermittelt weiter. Der andere Läufer folgte Ihm. „Jo, Ich komme dann nach…“, rief Ich den beiden zu, wollte nur zuende Essen. Die Schokoschnitten waren aber auch famos!

Ich war so dreist und schnappte mir auch den Rest vom Teller. „Es muss sein, hoffentlich nimmt mir das keiner übel“, dachte Ich laut, aber einer der Helfer vom Bergwelt-Team schüttelte bloß den Kopf. „So, dann gehe ich mal die letzten Kilometer an…“, rief Ich Torsten zu, der immer noch in der Nähe stand und dem allgemeinen Treiben am VP zusah. Ich verabschiedete mich, und lief in lockerem Tempo den beiden Läufern hinterher. Die hatten nun ordentlich Vorsprung. Das sollte dann leider auch so bleiben, ich würde Sie erstmal nicht wiedersehen…

Unmenschliche Kälte und toter Punkt
Der Weg war hier nun sehr breit, der Schnee von den vielen Spaziergängern regelrecht geplättet. Unaufhaltsam und Unerbittlich wurde nun der Anstieg – trotz schwindender Kräfte wollte Ich jedoch nicht aufgeben. Die beiden Läufer konnte Ich vor mir nicht mehr ausmachen, aber ich wollte mit allen Mitteln zu Ihnen aufschließen. Das kostete mich jedoch noch mehr Kraft, ein Teufelskreis. Meine Motivation zu Laufen verflüchtigte sich rapide, der Gedanke zu gehen schien immer willkommender. „Schade, so kurz vorm Schluß verlässt Dich die Kraft und Motivation…“, dachte Ich bitter. Eine Frage der Zeit, bis es einfach nicht mehr ging. Nun war er wohl endgültig gekommen. „Hauptsache nicht gehen müssen“, dachte Ich bissig. Das erinnerte mich an ein Interview des US-Ultramarathonläufers Dean Karnazes, in dem er wie folgt formulierte: ‘Es gibt keine Abkürzungen beim Ultramarathon. Der Körper ist darauf programmiert, an einem bestimmten Punkt Stopp zu sagen. Die Gedanken sagen: Nein, lauf weiter! So ist der einzige, finale Selbstschutz-Mechanismus die Ohnmacht – oder Schlimmeres.’ Soweit wollte Ich es aber dann – auch gedanklich – noch nicht kommen lassen. Einmal mehr traf mich die unbarmherzige, eisige Wucht der arktischen Kälte, diesmal ohne Gnade und Unterlaß. Hier oben wurde es noch mal eine Ecke unmenschlicher : die gefühlten, zweifachen Minusgrade hatten es in sich.

Immer öfter kamen mir nun Spaziergänger entgegen, aber auch Teilnehmer der Brocken-Challenge, die bereits auf dem Heimweg waren. Die Reaktionen beim Vorbeilaufen fielen unterschiedlich aus: Herzlicher Applaus, aufmunternde Grüße, respektvolles Nicken und wohlwollende Bewunderung. “Zieh durch, Junge, gleich biste da!”, rief einer. Es war ein tolles Gefühl der Anerkennung!

Abenddämmerung auf der Rampe
Dann erspähte Ich die beiden Läufer hinter der nächsten Kurve, aber immer noch viel zu weit weg. Beide liefen nun nicht mehr nebeneinander. „Er will vor Sonnenuntergang oben sein“, dachte Ich bewundernswert. Ich jedoch wollte nicht mehr so recht dran glauben, das Ich die Sonne oben noch erblicken durfte.

Dann war endgültig Feierabend, denn das, was ich da vor mir sah, entmutigte: Der ohnehin schonungslose Anstieg wechselte in maßlose Gnadenlosigkeit, als Ich mich einer weißen Wand näherte. Ich wusste, es Konnte sich jetzt nur noch um die Rampe handeln. Laut Beschreibung soll die Steigung über dreißig Prozent haben (kleiner Insider an die Sehnder Leser: Das Ding hat mehr als die doppelte Steigung der Todes-Rodelbahn nahe der Kippe) Hinter mir näherte sich in einiger Entfernung ein Läufer, und vorne verschwanden gerade meine ehemaligen Laufpartner hinter der Rampe aus meinem Blickfeld. Die war so steil, man wollte gar nicht mehr wissen, was noch dahinter kam! Weit oben kamen mir wieder Wanderer entgegen und hatten sichtlich Mühe, hinunterzukommen. Auch zwei Kinder mit Schlitten waren dabei – und rasten lachend runter. Krass. Typisch Kiddies. So schnell Ich konnte, arbeitete Ich mich zügig gehend nach oben. Wandern war nicht drin, das wollte Ich mir kurz vor Schluss einfach nicht geben. Ich schaute den Rodlern hinterher, die Ihren Spaß hatten. Hier oben schien alles so unbekümmert.

Ich ließ meinen Blick über die schneebedeckte Landschaft gleiten, genoss wieder einen romantischen Ausblick auf verschneite Tannen, die von dem Abendrot der Sonne beleuchtet wurden. Als ich dann endlich selbst die Rampe erklommen hatte – irgendwann, denn das Zeitgefühl war mir schon lang abhanden gekommen – blieb Ich stehen und schaute mich erneut um: Eine gewisse Erhabenheit ergriff mich, denn solche Bilder brennen sich für immer ins Gedächtnis.

Dem Gipfel so nah
Zunächst hatte Ich Mühe, mich wieder zum Laufen zu motivieren, also blieb es erstmal beim schnellen Gehen, um wieder in Fahrt zu kommen. Einmal mehr hatte Ich freie Sicht auf den Brocken. Vor allem der rot-weiß-gestreifte Stahlrohrturm sowie Brockenhotel bildeten einen sehr scharfen Kontrast zum frostig-blauen Himmel.

Alles wirkte irgendwie noch weit entfernt. Ich zwang mich zum langsamen Laufen, kam wieder in die Gänge. Beinahe merke Ich gar nicht, wie Ich noch das Kunststück vollbrachte, einen weiteren Läufer zu überholen. Wir nicken uns bloß stumm zu. So kurz vorm Ziel ist man in Gedanken versunken. Der Brockenblick wird nun ein ständiger Begleiter, immer wieder taucht die Sendeanlage zwischen den schneebedeckten Tannen auf. Ich weiß noch genau, was mir durch den Kopf ging, wenige Kilometer vorm Ziel. Es waren eher melancholische Gedanken: Ich wusste, bald war leider schon alles vorbei. Monate der Trainingsvorbereitung für diesen Lauf, der so viel Spaß gemacht hatte. Normalerweise macht man sich über solche Sachen erst hinterher Gedanken, aber ich war schon im Vorfeld betrübt, das dieser tolle Lauf bald endete. Es war so ein tolles Abenteuer, und bald sollte es enden. Ich schüttelte die Melancholie beiseite, konzentrierte mich wieder auf’s hier und jetzt.
Vor dem Zieleinlauf ist nach dem Zieleinlauf
Inzwischen führte mich der Weg neben Schienen der Brockenbahn entlang. Immer öfter begegnete Ich nun Wanderern und Spaziergängern. An den glücklichen Gesichtern einiger Leute erkannte Ich sofort Teilnehmer, die bereits wieder auf dem Rückweg waren. Die meisten Leute hatten sich warm angezogen, waren stark vermummt. Ich machte mir ein wenig Sorgen. Soviel dicke Klamotten hatte Ich gar nicht für die Nach(t)wanderung eingepackt, wenn es wieder zu Fuß hinuntergehen sollte. „Halt durch“, meinte gerade jemand lachend und ging mit seinen Kumpels vorbei. Ich grinste diesmal jedoch nur. Der melancholische Moment von vorhin war vergessen, nun wollte Ich dann doch endlich ins Ziel. Warscheinlich ging einem kurz vorm Zieleinlauf noch allerhand durch den Kopf. Weit vor mir sah Ich nun, wie sich Läufer und Spaziergänger schnurstracks nach links hocharbeiteten. Dort kreuzten sich die Schienen mit der Brockenstraße. Ich beschleunigte mein Tempo nochmals, denn die kommende Straße machte wieder einen besonders steilen Eindruck.
Rosenmontag auf dem Brocken?
Boah! Diese Brockenstraße war derbst steil!
Nach jeder Kurve dachte ich, es wäre endlich soweit, aber die Zielgerade wollte noch nicht kommen. Aus dem Laufen wurde einmal mehr ein schnelles Gehen. Eine weitere Biegung, wieder nichts. Links sah Ich dann erneut die Sendeanlage, diesmal überraschend nah.

Und dort konnte Ich bereits das Zielbanner sehen, der Brocken-Challenge-Schriftzug war unverkennbar. Ich hörte Gerassel, gerade wurden zwei Läufer unter lautem Beifall begrüßt. „Oh Gott, oh Gott, gleich ist es soweit!“, dachte ich aufgeregt! Nun wollte Ich nicht mehr gehen, sondern laufen, die letzten Meter erhobenen Hauptes durchs Ziel. „Wie sieht das denn aus, wenn Ich da wandernd reinspaziere?“,dachte ich und versuchte, wieder laufend einen Fuß vor dem anderen zu setzen.

Es war eine echte Qual, aber so kurz vorm Zieleinlauf war’s mir sowas von Egal! Dann wieder ein Läufer vor mir, der mit sehr viel Gerassel und Jubel in Empfang genommen wurde. Erinnerte mich an Karneval. Alle drehten mir den Rücken zu, und es waren nur noch wenige Meter bis ins Ziel! „Was zum Geier…“, dachte Ich. Würd Ich nun weiterlaufen, würd das niemand registrieren. Wäh! Die waren gerade mit dem Läufer am schnacken, aber hier kam doch schon der Nächste! Ich hatte aus Reflex sowas wie „Hier kommt noch einer, ein dreifach Helau..?“ gerufen, um ein klitzekleines bisschen Aufmerksamkeit zu erregen – gerade noch rechtzeitig!

Gipfel
„Heeeeeeyyyy, noch einer!!!“
„Jaaaa, da bin ich!“
Ich hatte ein ganz klares DejaVu und musste an meinen verpatzten Start vor gut 11 Stunden denken, als man mir genau denselben Spruch zugerufen hatte. Diesmal jedoch war alles anders! Aus dem Augenwinkel bekam ich noch mit, wie jemand etwas auf eine Liste notierte – sehr wahrscheinlich die Finisher-Zeit. „So, dann aber fix rein mit Dir, wärm Dich erstmal auf, Duschen, und dann gibt lecker Essen!“ Ich entgegnete: “Ihr seid echt hart, wie lange steht Ihr hier schon`? Sagt es lieber nicht…“.
Ich stand einfach nur da, blickte um mich, war von der Aussicht fasziniert. Was tausend Meter Höhe schon für einen Unterschied machten. Hier oben wirkte alles bis zum Horizont wie Satellitenansicht bei Google-Maps.

Ich erwartete nun eigentlich auch so etwas wie emotionale Gefühlswallungen, aber komischerweise blieben die aus. Das enttäuschte mich irgendwie. Spätestens jetzt hätte Ich sowas erwartet. Ließ mich das Erreichte “kalt” …?
Die Sonne war im Begriff, hinter dem Horizont zu verschwinden.

Zwei Läufer standen nahe dem Eingang und unterhielten sich. Ich näherte mich Ihnen. Einer von den beiden hantierte an seinem Fotoapparat. „Hey, Gratulation Euch beiden. Habt Ihr vor, noch ein Foto zu machen ?“, grüßte ich. „Ne, keine Chance, ich will rein“, meinte der nur. Keine so schlechte Idee, dachte ich. Wobei das mit dem Foto machen eigentlich sehr schade war. Die Sonne verschwand nun beinahe gänzlich, es wurde immer dunkler. Nun wurde es im stehen unerträglich kalt. Vor einer halben Stunde noch wollte Ich am liebsten weiterlaufen, nun war ich jedoch ehrlich gesagt froh, hier oben zu stehen, mich kurz umzublicken und dann zügig ab ins Warme zu kommen.

Das war eigentlich ein gutes Stichwort: Also ab ins Hotel, aufwärmen, Duschen!
Große Emotionen im Goethe-Saal…
Zunächst ging es vom Eingang aus über eine Wendeltreppe in die erste Etage. Laut Beschilderung war der Goethe Saal für die Brocken-Challenge-Teilnehmer reserviert

Ich roch bereits Pasta, der Duft hing überall in dem Saal, der Magen fing an zu knurren. Im Vorraum des Saals hatten die fleißigen Veranstalter die Kleiderbeutel deponiert. Einer der nimmermüden Helfer schaute mich kurz an. „Soo, Starternummer 83 also, lass ma schau’n..“ Schon verschwand er zwischen den vielen Beuteln, warf seine Angel und fischte erfolgreich meinen heraus. „Da isser, Beutel 83, bidde sehr“. Ich dankte und wendete mich neugierig dem Saal zu. Direkt geradeaus durch am anderen Ende des Saals ging es zu Dusche und Toilette. Ich also schnurstracks geradeaus, vorbei an dem Gastronomie-Bereich sowie dem leckeren Nudel-Buffet auf der linken Seite, um ja nicht vorschnell in Versuchung zu geraten. Ich suchte mir zunächst nahe einer Heizung eine passende Stelle, um die Klamotten abzustellen. Hier im Saal herrschte absoluter Ausnahmezustand, aber in positivem Sinne. Überall unterhielten sich rege die Ultramarathonläufer. Sofort konnte Ich es spüren, dieses gewisse Feeling, was jeder unleugbar spüren musste, wenn er den großen Saal mit den vielen gleichgesinnten Läufern zum erstenmal betrat: Das Gefühl, etwas großartiges vollbracht zu haben!

In den Blicken konnte man Glück und Freude ablesen. Die meisten Gesichter waren mir vollkommen fremd, obwohl es ja immer hieß, das die Ultragemeinde eigentlich eher ein Dorf sei. „Naja, Du bist ja auch noch nen Frischling in dieser Szene…“, dachte ich scherzhaft. „Nun aber Duschen!“
…und lange Schlange(n) vor der Dusche
Ich schnappte mir meine Wechselklamotten und betrat das Herren-WC. Hier herrschte ebenso Ausnahmezustand: fünf Männer kamen auf eine Dusche. Gerade sang sogar jemand, es konnte schlimmer nicht sein. „Wenn Du da drinne schon singen musst, dann sag uns wenigstens, ob es noch heißes Wasser gibt, das du gerade verplemperst“, rief einer der Läufer gerade. „Bei dem Gedränge hier sollte man jetzt NICHT seine Seife verlieren“, scherzte ein anderer.
Ich musste lauthals lachen, einige drehten sich um. „Ah, noch einer. Na das wird ja richtig kuschelig hier“, meinte ein weiterer nackter. „Jetzt reißt Ihr hier aber das volle Klischee-Programm runter, was ? Anscheinend ist der Boden nicht beheizt, oder warum stehst Du auf Deinen Socken?“, grinste ich und warf meine Klamotten in eine Ecke. Alles harte Jungs! Ich zog mich ebenfalls aus und wollte mich gerade mit dem Duschgel ins Getümmel der wartenden Schlangen werfen, als Ich neugierig und entsetzt zugleich auf meine eigenen Füße starrte: Blaue Zehennägel, Blasen, Blut!
„Jo, die sehen so aus, wie ich mich fühle“, kommentierte einer der Läufer, sichtlich zufrieden. „Pff, das is ja noch harmlos. Lass mich raten: Zum erstenmal die BC gelaufen?“, meinte ein anderer. „Eher der erste Ultra“, antwortete Ich lachend und betrachtete weiterhin fasziniert meine Zehen. “Jo, dann gratulier Ich mal. Trotzdem sehen die harmlos aus, glaub man.“ Ich entgegnete: „Wenn wir hier weiterhin rumstehen, gibt’s die passende Blasenentzündung gratis“. Wieder herzliches Gelächter! Ich fröstelte etwas, aber das war halt normal. Generell war es wichtig, schnell aus den nassen Klamotten rauszukommen. Nun aber minutenlang nackt auf dem kalten Fliesenboden rumzustehen, war eher lästig. Vor mir noch zwei wartende Läufer, hinter mir drei. „Kann dauern“, grinste einer und folgte meinem Blick. Und dann endlich – nach einer halben Ewigkeit – der ersehnte Moment: Duschen! Und es gab sogar noch heißes Wasser. Ich beeilte mich, wollte den Rest nicht warten lassen. Ich betrachtete meine Füße, sah alles harmlos aus, nachdem ich das Blut weggespült hatte – der Typ hatte recht behalten. „Rein, raus, fertig“, kommentierte ich bloß, als Ich nach nicht einmal zwei Minuten wieder draußen war. „Na, mal sehn, welcher blöde Spruch nu kommt“, dachte Ich grinsend. „Wird Zeit, mein Bier wird alle“, rief jemand laut und hielt seine Pulle hoch. Ohne Worte…
Unnötige Sorgen…
Umgezogen machte Ich mich wieder auf dem Weg zu meinen restlichen Klamotten. Mir war Kalt, obwohl der Saal beheizt war. Die eisige Kälte wollte einfach nicht aus meinen Knochen. Ich setzte mich zunächst an die Heizung und schaute mich um. Derweil trudelten weitere Läufer in den Saal, unter lautem Beifall wurden Sie von allen begrüßt.

Ich versuchte unter den vielen fremden Gesichtern auch bekannte ausfindig zu machen. Am gegenüberliegenden Ende erkannte Ich dann jemanden: Es war der Sohn, der zusammen mit seinem Vater auf der 2x2m großen, luxuriösen Luftmatratze übernachtet hatte. Ich also mit meinem Krempel rüber. „Hey, wie geht’s ? Ist Dein Vater noch unterwegs ?“. Er nickte und meinte dann sowas wie: „Ick wees nur, das er noch unterwegs is, kann nich mehr lang dauern. Ick werd gleich ma raus, auf Ihn warten.“ Am Abend vor dem Start hatte er ja seine Meinung zum Laufen klar geäußert. Milde gesprochen: Er konnte dem Bewegungsdrang seines Vaters nichts abgewinnen. Ich hatte Ihm aber bereits an besagtem Vorabend entgegnet, das Ich das sehr toll fand, das er seinen Vater nichtsdestotrotz unterstützte. „Naja, irgendwer muss ja auch fahren…“, meinte er da noch ausweichend. Als Ich Ihn da nun so sitzen sah mit seinem Handy in der Hand, machte er einen leicht besorgten Eindruck auf mich. Ich schaute nach draußen: Es war längst dunkel. „Mach Dir man keinen Kopf, der kommt bestimmt gleich!“, meinte Ich bloß. Naja, es war ein schlechter Versuch, Ihn aufzumuntern. „Ich hol mir mal nen Teller Nudeln.“ Nun bekam Ich Hunger!
…um beispiellose Läufer
Als Ich dann mit dem leckeren, dampfenden Nudelteller wieder am Tisch saß, rief irgendjemand vor mir meinen Namen. Ich schaute auf, erkannte denjenigen, hatte aber nicht ganz verstanden, was er noch gesagt hatte. Also rief Ich zurück. “Mensch Frank, was ist los, warum liegst da rum?“. Das war Frank Kleinsorg, der auf der Matratze lag. Ich erfuhr, das er dehydriert war. Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Immerhin lag dort nen absoluter Vollprofi, was sollte Ich als Ultra-Newbie groß erwidern, am wenigsten was altkluges. Er hatte mich gefragt, wie’s gelaufen ist. „Besser als gedacht, staune ja immer noch, das Ich angekommen bin“, antwortete ich also, etwas in die Richtung. Ich wünschte Ihm jedenfalls gute Besserung. Er unterhielt sich mit jemandem vom Johanniter-Rettungsteam, der in regelmäßigen Abständen die Flüssigkeitszufuhr der Infusion kontrollierte. Als Ich fertig war mit Essen, fiel mir mein Handy ein. Ich wollte wissen, ob man es nun wieder einschalten konnte. Sah gut aus! Es war an der Zeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren: Familie, Freunde, Soziales Netzwerk im Internet. Vertieft in SMS, Twitter, Facebook & Co. hörte ich im Hintergrund wieder eine bekannte Stimme. Petra Rösler – gerade eingetroffen – hatte sich auf die Heizung gesetzt und meinte sichtlich glücklich: „Schööön warm, tut das gut!“. Sie wirkte durchfroren, was aber auch wirklich kein Wunder war, es war schon weit nach Sonnenuntergang! Ich brachte Ihr Tee, darüber freute Sie sich. Es war das Mindeste, denn immerhin war Sie es, die mir auf die ersten Kilometer mit Ihrer auflockernden Art die Extraportion Sicherheit verschafft hatte. Sie ist ein wirklich herzlicher Mensch, freue mich, Sie beim nächsten Ultra zu sehen. Und dann erfuhr Ich, das der Vater des Sohnemanns auch gesund, munter und extrem glücklich gefinisht hatte. Ich gratulierte Ihm herzlichst! Und während wir uns unterhielten, wurde ein weiterer Läufer gerade von Markus Ohlef unter großem Beifall begrüßt:
“Darf ich Euch Kurt Brennert vorstellen ? Er ist 67 Jahre und der wohl älteste Teilnehmer der diesjährigen Brocken-Challenge…!“
Neue und alte Herausforderungen
Gerade unterhielt sich Petra mit Thomas Ehmke, der gegenüber von mir saß. Von Ihm wusste Ich,das er u.a. begeisterter Trailrunner war. Es ging wohl gerade um den nächsten Ultra, der in zwei Wochen stattfinden sollte und „run2kill“ genannt wurde. Petra meinte gerade zu mir: “Wenn Du eine neue Herausforderung suchst, dann lauf doch den run2kill.“ Die Eckdaten wollte Ich erst gar nicht glauben: Hildesheim, 161 km, ca. 4000 Höhenmeter.Peng. Ich guckte wohl wie ein Pferd, als Ich antwortete: „Das soll ein Scherz sein, oder? 100 Meilen ?“, dachte Ich laut. Petra entgegnete: “Du kannst ja nach den ersten 80 km aufhören…?“ ich mußte grinsen. „Naja, Ich lauf erstmal den Rennsteig im Mai. Die Ziele sollten realistisch bleiben. Ich laufe gern ein Rennen komplett, nicht zur Hälfte. Vielleicht 2013“, winkte Ich lachend ab. Glaub Thomas meinte dann, ich solle langsam machen und den Rennsteig durchziehen. “Der wird allerdings nen Spaziergang für Dich, nach dieser BC…“ Derweil beobachtete Ich, wie jemand eine Urkunde in Händen hielt.
Gute Idee! Ich stand auf, um mir meine ebenfalls abzuholen. Als Ich Aschu und Markus auf der anderen Seite des Saals erspähte, wusste Ich, das noch etwas anderes geklärt werden musste: Schlafzeugs und Trekkingstöcker. „Augen zu und durch“, dachte Ich und lief auf die beiden zu.
„Ähm, Hallo Ihr beiden! Tja, wie fang Ich am besten an…“

Mit Teil 17 – dem letzten Teil – folgt die Nach(t)wanderung sowie diverse Outtakes. Somit schließt sich der Kreis, und man könnte als Epilog die erste Episode heranziehen. Vielleicht versteht Ihr dann auch, warum Ich bei erreichen des Gipfels (noch) nicht die erhofften Emotionen verspürte.
Tja, Noch 12 Tage, dann beginnt auch für mich endlich die Laufsaison 2012. Im Mai geplant wären am 12.05. der Ultramarathon-Rennsteig in Thüringen sowie eine Woche später der Marathon in Würzburg, wo Ich zusammen mit den Cabanauten (http://www.caba.de/jooga/) versuchen möchte, einen Weltrekord (www.kettenmarathon.de) zu brechen- zwei Laufevents also, auf die Ich mich bereits freue!
Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 15]
Hallöchen!
Dachte mir, man könne ja zum Wochenende noch eine weitere – diesmal kurze – Episode dranhängen, hier also nun Folge 15. Und so wie es aussieht, wird Episode 16 mich direkt zum Gipfel führen! ABER auch dann ist es noch nicht ganz vorbei: Große Emotionen im Goethe-Saal auf dem Brocken, lange Schlangen vor der Dusche, unnötige Sorgen um beispiellose Läufer, die Nach(t)wanderung…noch wird es einige Episoden zum Lesen geben.
Liebe Läufergrüße aus dem Norden,
Mario

Königskrug (759 m NN | 68,5 km bis 70 km) | 3,9 km bis VP Oderbrück

Jubel, Trubel, Heiterkeit
Als wir beiden auf den Verpflegungspunkt zuliefen, klatschten die Leute von weitem Beifall !
Wir freuten uns sehr über diese Begrüßung, ich schaute zu meinem Laufnachbarn rüber, er hatte ebenfalls ein breites Grinsen im Gesicht. Erstmals diese Glücksgefühle in der Bauchgegend, als Ich mich dem VP näherte. Das schien auch der freundliche Helfer zu spüren. „Na, Euch beiden geht’s ja noch richtig gut! Möchtet Ihr einen Tee?“ Ich war richtig Happy, bedankte mich regelrecht überschwenglich. Die ausgelassen gute Stimmung war einfach überall zu spüren.

Läufer, Helfer und Begleiter unterhielten sich fröhlich! Ich wollte jedoch wie stets in Bewegung bleiben, also leerte Ich schnell meinen Becher. Ich merkte, das auch mein Laufkollege weiter wollte, als Ich von einem mir unbekannten Helfer nochmals wegen der Klamotten angesprochen wurde. Ich solle mich nun an Obi wenden. Ich vermutete einen Spitznamen dahinter. Ich erklärte Ihm kurz die Situation, deckte mich noch mit ein wenig Verpflegung ein, füllte die Thermosflasche auf, dann ging es flugs weiter nach Oderbrück.

Motivationstief
Auf dieser Teilstrecke ging es in etwas lockererem Tempo weiter, der Anstieg konnte auch hier noch laufend bewältigt werden. Meine Kräfte ließen mich jedoch allmählich im Stich, ich spürte das. Es ärgerte mich jedoch nun nicht mehr, denn es waren ja jetzt nur noch weniger wie 10 km zu laufen. Die Schönheit hier oben lenkte mich ein wenig ab, bescherte mir einmal mehr einen wohligen Schauer.

Meine Gedanken schweiften jedoch immer weiter ab, während sich die Strecke mittlerweile ohne Unterlass kerzengerade in der weißen Endlosigkeit verlierte. “Hach…”, dachte ich frustriert. “Diese eeeendlose Gerade: öde…monoton…stumpf!” Ich zog mich selbst immer weiter in ein mentales Tief. „Wäre Ich allein unterwegs, hätte ich vermutlich Mühe, mich wach zu halten…“, dachte ich schwunglos. Ich musste wieder an eine Floskel aus einem meiner Fachbücher denken, wo stand, dass die vielen Trainingskilometer nicht nur in physischer Hinsicht entscheidend für den Erfolg eines Ultramarathonlaufs waren. Es war wichtig, gerade bei den langen Dauerläufen jenseits der Drei-Stunden-Marke auch die mentale Stärke anzutrainieren. Das war der Grund, weshalb Ich Trainingsläufe entlang des Mittelland-Kanals in meiner näheren Umgebung eingebaut hatte. Die Mittelland-Kanalstrecke ist über viele Kilometer hinweg an Monotonie deutschlandweit fast schon nicht mehr zu toppen.Und während Ich mir über mein UM-Training so meine Gedanken machte, stellte Ich mir vor, wie ich als Kanalschiff so dahindümpelte…

Spürte mein Laufpartner meine anhaltende Schwunglosigkeit ? Ich war mir echt nicht sicher, ob man mir das anmerkte. Verstohlen schaute ich kurz rüber, der Blick meines Nebenmannes war jedoch fest und konzentriert geradeaus gerichtet. Einmal mehr zog Ich die Erkenntnis für mich, das der Ultramarathonlauf eine spirituelle Sache mit vielen inneren Werten darstellte. Was sich gedanklich bei mir manchesmal abgespielt hatte während der letzten 70 km sowie gerade jetzt hätte ich teilweise nicht für möglich gehalten. Anscheinend war der Ultra wirklich reine Kopfsache…?
Ich versuchte wieder aus dem mentalen Loch herauszukommen und zwang mich zu einer Unterhaltung.
Sechs Füße sehen mehr wie zwei
Das rythmische Knirschen von zwei paar Füßen auf Schnee wurde durch ein drittes verstärkt: Ein weiterer Läufer näherte sich uns von hinten. „Hallo Ihr beiden“, grüßte er knapp. Ich staunte immer wieder nicht schlecht über Läufer, die wie aus dem Nichts angelaufen kamen und welche man vorher nicht wahrgenommen hatte. Vielleicht hatte er auch bis Dato am letzten Verpflegungspunkt gestanden und dann ordentlich Gas gegeben…? Dann drängte etwas anderes ins Gedächtnis. Einer der Beiden sprach es laut aus: „Nun müsste doch bald diese Abzweigung kommen, auf der linken. Da heißt es aufpassen…“ Die Gewissheit, das jederzeit diese angeblich tückische Abzweigung auf der linken Seite auftauchen konnte, die nach Oderbrück führte. Es galt weiterhin Konzentration zu wahren. Dann tauchte eine örtliche Beschilderung auf. Wir blieben kurz stehen, denn sowohl geradeaus als auch links hieß es nun Oderbrück. „Lass geradeaus, wir sparen laut Beschilderung 0,1 km“, scherzte Ich. Das konnte noch nicht diese spezielle Abzweigung gewesen sein, kamen wir überein, also ging es geradeaus Weiter. Ich hatte Hunger, holte mir ein Kohlehydrat-Gel aus der Jackentasche. Nach einer ganzen Weile dann wieder ein Schild, wieder die Qual der Wahl. Diesmal schien die Lage eindeutiger. „Hier heißt es links Oderbrück. Das hieße, wenn wir geradeaus weiterlaufen würden, ginge es in diesem tückischen Bogen wieder zurück, wie in der Vorbesprechung ermahnt wurde. Bliebe also nur links“, dachte ich laut. An sich war die Lage eindeutig, aber eine kleine Unsicherheit herrschte trotzdem bei uns Dreien. Eines machte uns stutzig: Der linke Weg nach Oderbrück gabelte sich nach wenigen Schritten erneut. Ein Skilangläufer näherte sich plötzlich von links. Die Gelegenheit war günstig, der Entscheidung zusätzliches Gewicht zu verleihen. Also fragte ich: „Entschuldigen Sie, aber führt die Loipe direkt nach Oderbrück ? Hier gabelt sich die linke Abzweigung nämlich direkt in zwei weitere: links Loipe, rechts Trampelpfad.“ Schnell die Antwort: „Einfach der Loipe folgen, die führt direkt nach Oderbrück!“ Das war für uns das Stichwort…obwohl es nun plötzlich leicht bergab ging! „Das wird’s sein, Jungs. Laut Streckenbeschreibung geht’s vor Oderbrück wieder steiler!“ In sehr zügigem Tempo rannten wir die letzten anderthalb Kilometer. Dann tauchte vor uns zunächst der Parkplatz auf, in der Nähe müßte dann auch der letzte Verpflegungspunkt sein. Stark motiviert rannten wir weiter!

„Von dort wären es dann nur noch knappe 8 Kilometer!“, dachte Ich begeistert.
Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 14]
Na Ihrs ?
Noch ist die ‘ultrakurze Laufgeschichte’ nicht abgeschlossen. 63,1 km habe Ich in den letzten dreizehn Episoden hinter mir gelassen. Nun hat es zwar ein Weilchen gedauert mit der Fortsetzung (u.a. Urlaub) , aber – here we go! – endlich kann’s weitergehen, nun heißt es auch: Endspurt zum Gipfel !
Beste Grüße aus Hannover,
Mario
Mitgehangen, mitgefangen
Ich bedankte mich mehrmals bei den Helfern des Verpflegungspunktes Lausebuche und wollte den nächsten Teilabschnitt der Strecke in Angriff nehmen.
Erst ging es über die Straße, dann hatte ich direkt die Qual der Wahl: Dem eigentlichen Weg (geradeaus) folgen oder rechts so einen komischen Trampelpfad wählen. Ich blickte unschlüssig beide Wege an, wußte mir in meiner allseits bekannten Kurzentschlossenheit nicht zu helfen. Die teils kahle Gegend – Baumstümpfe ragten aus dem frischen Tiefschnee – erinnerte mich irgendwie an das Tunguska-Ereignis (welches am 30. Juni 1908 in Sibirien stattfand und von dem man munkelte, dort habe es eine oder mehrere große Explosionen gegeben, bei denen ganze Bäume bis in 30 km Entfernung einfach entwurzelt wurden. Man munkelt auch noch andere Dinge…aber ich bleib mal besser beim Thema). Na jedenfalls führte dieser Trampelpfad – schmal, holprig und kniehoch – direkt durch dieses tunguskische Tiefschnee-Krisengebiet.


Beide Wege führten nach Rom und es wurde wieder steiler, soviel stand schonmal fest. Neben mir trudelte ebenfalls eine Gruppe von unentschlossenen Läufern ein: eine Frau in Begleitung zweier Männer. Einer der Männer schaute ständig auf seine Karte, vermutlich ging ihm derselbe Gedanke durch den Kopf: Welcher Weg ist der schnellere, welcher gar der kürzere? Gerade wollte Ich also geradeaus weiterlaufen und diesen sibirischen Trampelpfad wegignorieren, als dieser Läufer mit Karte laut den anderen der Gruppe zurief: „hier rechts lang, scheint wohl um einiges kürzer…“. Mario’scherweise ging mir dann folgender Gedanke durch den Kopf:„Hmmmmm….na Gut, ich folge Euch, ein bisschen Tiefschnee-Trail-Querfeldein und Baumstümpfe-Sightseeing durch Harzer Tunguska kann nicht schaden. Ausserdem wäre das ja mal ne Test, um herauszufinden, ob die Trailschuhe wirklich so ultra-wasserdicht sind, wie angepriesen…“. Und so hing ich mich an die Gruppe ran. Es dauerte nicht lange, und ich bereute die Entscheidung.
Durch den endlosen Schneesumpf
Der Weg machte zwar den spannenderen Eindruck mit einem Hauch von Trail…schnell merkte ich jedoch, das ich richtig gelegen hatte: Der Schnee war noch frisch, diesen Pfad hatte das vordere Teilnehmerfeld anscheinend kaum genutzt. Der Begriff Tiefschnee war wohl untertrieben: meine beiden Füße versanken sumpfartig in der weißen Masse, hier konnte man froh sein, überhaupt einigermassen gehen zu können. Das ärgerte mich sehr, ich fühlte mich gut, hatte gar keine Lust, eine kilometerlange Tiefschneewanderung in Angriff zu nehmen. Und selbst wenn ich es geschafft hätte, diesen sehr schmalen, steilen Pfad – höchstens zwei Fuß breit – laufend zu meistern, hätte Ich die Läufer vor mir überholen müssen, und das war absolut unmöglich.

Der Schnee zu beiden Seiten des schmalen Pfads türmte sich min-des-tens kniehoch, ein seitliches Überholmanöver wäre gar nicht drin gewesen. Mein Ärger wuchs, aber ändern wollte ich daran auch nichts mehr, wäre ein zeitlicher Verlust gewesen, einfach umzukehren. Eines hofften wir alle: Dieser einspurige Pfad sollte endlich ein Ende nehmen. Ich mußte wieder an den harzer Winzer denken. Dann verflog plötzlich der Ärger, ich sah das plötzlich mit anderen Augen…denn der innere Drill-Instructor meldete sich harsch zu Wort: „Hier hast Du mal wieder Abwechslung…und da Du ja anscheinend genügend Energie hast und der Schweinehund sich auch nicht blicken lässt, kann das alles ja gar nicht so schlimm sein…Du Pussy!” Und dann fiel mir noch dieser Spruch ein, den Ich mal irgendwo gelesen hatte: “Quäl Dich, Du Sau!“
Chacka ? Ach, Pustekuchen…
Knappe 2 km später befanden wir uns endlich wieder auf dem normalen Weg, der sich von links kommend mit dem angeblich kürzeren Trampelpfad verband. “Das war zwar lustig, aber kurz ist was anderes. Da wäre man auf dem anderen laufend schneller unterwegs gewesen…“, meckerte ich, wohl hörbar laut. Irgendein Gemurmel von den anderen, was ich aber nicht verstand. Vermutlich kein Beifall, aber das konnte Ich mir schließlich auf den eigenen Bierdeckel schreiben, war es doch meine Entscheidung gewesen, der Gruppe zu folgen. „Nächstes Jahr testest Du jedenfalls den anderen Weg, egal wie lang der auch sein sollte“, dachte ich grinsend. Eine zeitlang war ich noch mit der Gruppe unterwegs. Da es nun jedoch steiler wurde und der Anstieg kein Ende nahm, blieb es weiterhin beim schnellen gehen anstelle laufen.

Immer wieder bäumte sich der kleine Spartaner in mir auf, ich solle doch laufen, nun sei der Weg doch wieder breiter, der Schnee nicht mehr so rutschig, er machte sogar einen regelrecht festgetretenen Eindruck. Also: Auf geht’s! Ich wollte aber irgendwie nicht, die Power, die mich noch vor der Weggabelung durchströmt hatte, war irgendwie weg. Und nun meldete sich auch noch der innere Köter: „Hey, es ist schnelles gehen, du bist bisher fast nur gelaufen, das kannst Dir jetzt mal gönnen, Junge, bleib also geschmeidig, geh erstmal nen Weilchen…gaaanz gechillt…“ Den Schweinehund mochte ich jetzt schon nicht leiden. Ein fünktchen positives Denken konnte Ich der Sache dann doch abgewinnen: Immerhin war die Gruppe zügig gehend unterwegs.
Mit neuem Kampfgeist…
Wie auf Kommando lief die Frau los! Die übrigen folgten verdutzt…immerhin wollte Man(n) sich nicht die Blöße geben. “Klasse, eine echte Powerfrau, die uns Kerle auch noch motivieren muß“, dachte Ich, und das meinte Ich Ernst. Ich war innerlich ehrlich froh, endlich aus dem Gassi-Gehtrott mit meinem Schweinehund herauszukommen! Es wurde jedoch noch steiler, und nach kurzer Zeit passierte es dann auch: Die Gruppe wurde langsamer, aus dem laufen wurde wieder ein zügiges gehen. Zufrieden bellte der innere Köter…
Einer der Läufer lief nun neben mir, der zweite ließ sich zurückfallen, hatte die Karte in der Hand. Ich hatte keine Ahnung, was er vorhatte. Ich wechselte ein paar Worte mit dem Läufer neben mir, als die Frau vor uns wieder loslief – wir umgehend hinterher! Nun konnte Ich nur erahnen, das es der Läuferin ähnlich ging wie mir: ‚Nur Gehen’ war einfach keine Option, trotz Anstieg. Der Schweinehund wollte aber nicht, er hatte sich dran gewöhnt: “Lass doch gehen, so viele km sind das doch eh nicht bis Königskrug. Und überhaust ist das Ganze keine Halbmarathon-Distanz mehr, wozu also der Stress…?“ Hatte das Vieh Töne ? Ohne Worte! Es war ein konstanter, langsamer Dauerlauf. Ich vergaß den Kläffer, ließ Ihn zurück, nahm stattdessen ein paar Schlucke aus der Thermosflasche, ich hatte keine Lust auf Leistungseinbrüche wegen Wassermangels, enorm anstrengend war das allemal. “Der erste Ultra, du bist kerngesund, da ist doch mehr drin, oder nicht?” Was war das jetzt ? Allmählich befürchtete Ich, das dies der mentale Punkt war. Innere Selbstgespräche ? Ohje…um mich abzulenken, unterhielt ich mich mit meinem Nebenan. Er hatte bayerischen Dialekt. Gerade meinte er:
„Das hier kannst nicht mit den Alpen vergleichen…“
Ich entgegnete etwas irritiert: “Inwiefern“?
Er antwortete nur: „is’ härter…wegen dem Schnee…“, etwas in der Art.
Das wollte Ich jedoch nicht glauben. Wir waren immer noch laufend unterwegs, in langsamem Tempo irgendwo zwischen 7er und 8er Pace. Aber immerhin nicht gehend. Dann wurde es urplötzlich flacher. Ganz unbewusst wurden wir schneller und schneller, liefen dann plötzlich in lockerem Tempo. Nach einer Weile die urplötzliche Erkenntnis: Wir waren schon eine ganze zeitlang allein unterwegs!
…zum vorletzten Verpflegungspunkt
In relativ lockerem Tempo ging es erst einmal weiter. Ich führte mit meinem Laufpartner nur wenig Smalltalk. Meist liefen wir konzentriert Seite an Seite, nur unterbrochen von dem gelegentlichen Knacken der unter der gewaltigen Schneelast ächzenden Bäume. Ich trank den Rest aus meiner Thermosflasche. Es konnte so weit nicht mehr sein. Die Betriebstemperatur pendelte sich nach der letzten Geherei nur langsam wieder ein, die zweifachen Minusgrade spürte Ich eindringlicher wie sonst; konnte natürlich auch daran liegen, das es nun schlicht eisiger wurde. Ich näherte mich dem Gipfel unaufhaltsam mit jedem erkämpften Höhenmeter.

Dann ging es plötzlich über eine zweispurige Straße. Parkende Autos und reger Verkehr verzögerte das Vorankommen hier oben minimal, aber es dauerte auch nicht lange, bis wir den Verpflegungspunkt erreichten.
Glücksgefühle wallten in mir hoch aufgrund der Tatsache, das nun knappe 70 km hinter mir lagen und das Ziel zum Greifen nah war.
Nun wusste ich auch irgendwie mit absoluter Bestimmtheit, das ich den Gipfel erreichen würde…
Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 13]
Hallo Zusammen und frohe Ostern!
Halbzeit beim Entsaften! – wer zunächst an einem billigen TV-Koch-Werbeslogan einer superduper 20-teiligen Küchenmaschine zum Einkochen, Einwecken, Entsaften und Ansetzen denkt…liegt dabei gar nicht mal so falsch. Nur: Erntezeit war gestern! Wer spätestens bei der Brocken-Challenge 2012 mit eingemachtem und angesetztem Kraft tanken will, kann bei diesem Wettkampf lediglich auf die einzig wahren Helden hoffen: Den fleißigen Helfern an jedem Verpflegungspunkt! Denn Sie sind es, die dafür gesorgt haben, das jeder Teilnehmer mit der nötigen Verpflegung am Start, entlang der Strecke und am Ziel gesund und einigermassen munter ankommt…ohne zu verrecken, freilich. Und spätestens beim Entsafter wird deutlich: Wer sich nicht schon in Barbis oder spätestens am Not-Verpflegungspunkt mit Essen oder Trinken eingedeckt hatte, konnte den Löffel gleich im Marmelade-Einmachglas lassen. An dieser Stelle möchte Ich also meine zwischenzeitliche Dankbarkeit und Ehrerbietung sämtlichen Streitkräften aller Verpflegungspunkte kundtun:
ICH DANKE EUCH UND VERNEIGE MICH!
Okay, nun geht’s in die zweite Halbzeit des Entsafters: Werde Ich jetzt zwischen km 53,8 (Not-Verpflegungspunkt Jagdkopf) und km 63,1 (Lausebuche) mein mentales Tief erreichen ? Werde Ich mich nach der Challenge beruflich umorientieren, beispielsweise als Winzer im Weinkontor in Mertesdorf (Voraussetzung sei ja u.a. immense Ausdauer, die Arbeit im Freien sowie Naturliebhaber…hmmm.) ?
Die letzten Episoden findet Ihr in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
[Update: Episode 12 mußte Ich nochmals überarbeiten und ergänzen. Grund ist die Erwähnung von Starternummer 155 in Episode 11 (wo Ich in Barbis angekommen bin). Wer also verstehen möchte, was es damit auf sich hat, dem empfehle Ich ggf. ein nochmaliges Nachlesen ab Episode 11.]
Nun aber: Auf geht’s,
Liebe Grüße,
Euer Mario
Stille Überholmanöver

Ich schaute nun erstmals wieder auf meine GPS-Uhr, ich lag irgendwo bei km 56, bis Lausebuche sollte es also noch etwas dauern. Das war mir vollkommen egal, mittlerweile hatte mich die endlose Stille des Entsafters vollkommen in den Bann gezogen. Dann endlich die Erleichterung, auf die Ich gewartet hatte: Weit vor mir blitzte etwas orangefarbenes in der weißen Endlosigkeit auf, das musste – das konnte nur – eine Weggabelung sein, folglich wartete dort eine BC-Beschilderung auf mich…? Gleich zwei Skilangläufer rasten in halsbrecherischem Tempo auf mich zu, nickten kurz, waren dann vorbei. Beinah jedoch hätte mich einer der Stöcker am Bein erwischt, so eng war das teilweise zwischen Loipe und vorgetrampeltem Schneepfad. Nicht selten musste ich kurz beiseite springen.


„Bleib konzentriert“, ermahnte Ich mich. Dann hatte ich endlich diesen orangefarbenen Fleck erreicht – siehe da, es war tatsächlich eine Beschilderung! Innerlich war Ich am jubeln und freute mich, die bisherige Anspannung fiel mit einem Schlag ab, im nachhinein hätte die gar nicht sein müssen. Aber bei der kilometerlangen Einsamkeit nach dem Not-Verpflegungspunkt, ohne einen einzigen Läufer gesehen zu haben…hatte mir der Verstand einen Streich gespielt und die Rationalität arg in den Hintergrund gedrängt. „Wieder was dazugelernt: Vertraue immer dem Veranstalter…“, dachte ich bloß noch und folgte der Beschilderung. Wie auf Kommando tauchte der erste Läufer nach langer Zeit auf – zwar noch weit entfernt, aber die Distanz verringerte sich beständig. Es wurde ein stilles Überholmanöver: Ich grüßte bereits beim Näherkommen, musste dann kurz auf dem frischem Schnee neben der Loipe überholen, und scherte wieder in den Trampelpfad. Meine Gedanken stets dieselben bei so einer Überhol-Aktion: Was denkt der andere von Dir nun, wie reagiert er? Passt er sich meinem Tempo nun an und bleibt hinter mir, oder ist es dem Überholten herzlich egal, es spornt Ihn nicht an und fällt hinter mir zurück ? Das war ja immerhin kein „normaler“ Ultramarathon auf flachem Gelände bei Sonnenschein, sondern ein mit zusätzlichen Belastungen verbundener. Auf dem Entsafter lief das Teilnehmerfeld auf engem Raum, der Trampelpfad zwischen den Loipen war nunmal sehr schmal. Entweder, man überholte also, oder folgte dem Vordermann. Und immer noch war Ich Fit genug, um Gas zu geben.
155 läßt nicht locker
Ich hörte die matschigen Schritte bereits von Weitem, drehte mich jedoch nicht um, wollte selbst konzentriert weiter-winzern. Jedenfalls näherte sich zur Abwechslung mal jemand und wollte mich Überholen. Soso. Dann tauchte der Läufer auch schon neben mir auf, grüßte kurz und war dann ratzfatz an mir vorbei. Erst schaute Ich bloß auf seinen Rücken, dann auf die Starternummer – es war die 155. “Den kennst Du doch, …wie jetzt?”, dachte Ich völlig verblüfft. Dann rief Ich Ihm hinterher: “Das ist mal Krass, nach so vielen Kilometern hast Du wieder aufgeschlossen…hast Du’s eilig ?“. Er entgegnete irgendwas freches, wollte mich anstacheln, ich hatte jedoch eisern vor, weder schneller noch langsamer zu laufen…eben mein Tempo abzuspulen. Ich war kein bisschen enttäuscht, sondern schlichtweg erstaunt, das Frank nach der endlosen Monotonie und dem zwischenzeitlichen Not-Verpflegungspunkt wieder an mich rangekommen ist. “Mit was für einer lahmen Pace lauf ich eigentlich?”, dachte ich und schaute auf die GPS. Die zeigte mir jedoch rein gar nix mehr an: Akkuversagen. Na Klasse. Währenddessen gab Frank Brauner mit der 155 Stoff und entfernte sich zügig. Es dauerte jedoch nicht lange, dann kam Ich wieder an Ihn ran…leider aber auf die eher unsportliche Weise. Er hatte schlicht und ergreifend Probleme mit seinen Schneeketten…wie ärgerlich. „Blöde Ketten,was? Nu sag bloß, ich zieh wieder an Dir vorbei ?“, konnte Ich mir einen dummen Spruch mit schiefem lächeln nicht verkneifen. Er guckte mir vage grinsend hinterher, irgendwas murmelnd. “Tjaja, war bestimmt nix nettes…”, dachte ich lachend. Dann kam nach einiger Zeit Lausebuche in Sichtweite, der nächste Verpflegungspunkt. „Mann Mario, 63 km, und du fühlst Dich immer noch gut!“ Als ich dann ankam, empfand ich so etwas wie Erleichterung, Kampfgeist und Ehrfurcht in einem Atemzug: “Es hat sich ausgesaftet !!!”, rief Ich den Helfern bereits beim Näherkommen zu.

Lausebuche (590 m NN, 63,1 km) | 6,9 km bis VP Königskrug

Noch Alles Cool ?
„Sind das etwa Käsebrötchen in der Schale? Belegte Brötchen ??“
Das war wie im Schlaraffenland. Als ich diese Auswahl von Weitem sah, wollte ich es erst gar nicht Glauben: wie eine Fata Morgana in dieser weißen Wüste. Dann stand Ich am Tisch, ehrfürchtig schnappte ich mir ein Brötchen, eine freundliche Helferin reichte mir dazu sogar heißen Tee. Ein atemberaubender Service!

Ich biss in die Brötchenhälfte, es schmeckte wunderbar schockgefrostet! Es war mir unangenehm, aber Ich nahm ungeniert ein Zweites, obwohl ich noch am Kauen war. Dann entdecke Ich Salzbrezel, bekam fast Pipi in den Augen: gierig griff ich gleich richtig rein und hatte dann eine Handvoll, war am futtern wie ein Schwein im Trog. Ich liebe salziges Zeugs…der Körper verlangte es gerade sowieso! Hier standen viele Läufer, es war ein reges Treiben in dieser weißen Oase des Glücks. Man unterhielt sich, war in ausgelassener Stimmung. Auch Starternummer 155 war wieder da. Einer der dort stehenden Läufer fragte mich gerade: „Sag mal, warum siehst Du so erholt aus?“ Ich dachte an die restlichen Kilometer und den Umstand, das mich der mentale Tiefpunkt bisher verschont hatte. Ich dachte an den Entsafter, der nicht mich entsaftet hatte, sondern umgekehrt. Ich hätte nie für möglich gehalten, soweit zu kommen, ohne mit dem inneren Schweinehund über die noch zu laufenden Kilometer zu streiten. Ich mußte anscheinend zu lange über die Frage des Läufers nachgedacht haben, jedenfalls unterhielt dieser sich bereits mit wem anders. Ich kam dann zum Schluß, dass das wohl bisher sowas wie ein spirituelles Ding mit mir selbst und meiner Umgebung gewesen sein mußte: Ich war mit mir und der Strecke im Einklang, trotz einiger unnötiger Eskapaden. Vielleicht versteht das ja der ein oder andere beim Lesen dieser Zeilen. Und die sonstigen Kinderkrankheiten, um die Ich mir vorm Lauf Sorgen gemacht hatte ?
- den “toten Punkt” hatte ich bisher nicht erlebt
- Mit Magenproblemen ab ins Gebüsch ? glücklicherweise ebenfalls noch nicht
- Dehydration? zwar fühlte ich mich noch prima, aber das mußte nix heißen
- Sonstige Störfaktoren wie Blasen an den Füßen, usw. ? keine (und wenn ja, dann vermutlich Schon abgestorbene Zehen…)
Einzig die Zerstreutheit während des bisherigen Laufs störte mich rückblickend. Ich schrieb es dem ersten Ultra-Wettkampf zu, denn bei den vorherigen Wettkämpfen hatte Ich solcherlei Eskapaden nicht erlebt. Sicher, ich war vom Typ her zugegebenermassen schon ein kleiner zerstreuter und vergesslicher Mensch…aber von den Ausmaßen wie bei diesem ersten Ultra konnte man ja schon von Ultraschusseligkeit reden.
Meine Gedankengänge beendete Ich dann und widmete mich wieder den leckeren Köstlichkeiten auf den Tischen. Ich aß noch ein paar Kekse, trank Tee und unterhielt mich mit einem Läufer, der gerade ein Käsebrötchen mampfte.
Ich weiß noch genau, was mir dabei gedanklich in den Sinn kam, und so sprach ich es aus:”Weniger wie Halbmarathon-Distanz, dann ist es geschafft…”. Mein Gegenüber nickte mir stumm zu. Wir wußten aber auch beide, dass das nix heißen mußte: Es gab gute Gründe, weshalb in der Vergangenheit immer mal wieder Ultramarathonläufer kurz vor dem Ziel zur Aufgabe gezwungen waren…
Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 12]
Hallo Allerseits!
Nun also Teil 12, es geht weiter. Ihr erinnert Euch noch an Folge 11 ?
In Barbis hatte der Verpflegungstand Naturkost Elkershausen per Gaswärmer erfolgreich die Thermosflasche aufgetaut und sogar mit heißem Kräutertee befüllt! Meine Frau wußte derweil nun, wo die Trekking-Stöcker lagen (und meine Zerstreutheit mit meinem Laufhobby anscheinend auch nicht besser wurde), Torsten (der Kumpel von Björn) hatte vorgeschlagen, ich solle mal mit Aschu klären, das diese auf den Gipfel befördert werden (was ich warscheinl. vergessen würde) und irgendwie war mir auch, als hätte ich noch etwas entscheidenes in Barbis zu klären…aber was denn bloß?
Nun jedenfalls wartete der Entsafter auf mich: laut Streckenbeschreibung 20 km ohne Verpflegung bei moderatem, kontinuierlichem Anstieg…nun wird es Ernst. Lauf, Forrest, Lauf!
Die bisherigen Teile findet Ihr wie gehabt in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
Let’s go,
Viele Grüße,
Euer Mario
Als es dann endlich Klick machte…

Ich verließ einen kleinen Waldabschnitt und war eine zeitlang auf offenem Gelände unterwegs. Dann fiel mir ein: Mein Schafzeug! Das war es also, was Ich in Barbis hätte klären müssen, wie Mark mir im alten Tanzsaal vor fünf Stunden eingebleut hatte! Wie hieß der gute Mann ? Obi ? „Verdammt, verdammt, die Drei sind bereits zu Mekkes unterwegs, nochmal durchklingeln war unsinnig….“. Ich bekam Hunger, frustriert holte ich mir eine Haferschnitte raus, hatte allerdings Mühe, diese zu kauen. Ich spülte den eiskalten Klumpen mit warmem Kräutertee herunter. Würde im Magen schon irgendwie verdaut -hoffte ich. Während ich versuchte, die an sich sehr leckere Haferschnitte kau-lutsch-beißend hinunterzuwürgen, fragte ich mich mehrmals, wie man das bisher Erlebte überhaupt vernünftig in Worte fassen sollte. Rückblickend waren die letzten 42 Kilometer ja teilweise ereignisreich – mal milde ausgedrückt. Ich kehrte gedanklich zum Entsafter zurück. Besser, ich konzentrierte mich auf das hier und jetzt. Nun befand Ich mich also mitten auf dem schneebedeckten Pfad des eisigen Todes, wie ich diese Strecke bezeichnete. Als kleiner Filmjunkie wie meinereiner mußte ich einfach allem hier bei diesem Challenge eine dramaturgische Bezeichnung geben…in diesem Falle Indiana-Jones-Like halt. Ich musste innerlich lachen, irrwitzig schien das Ganze. Die Steigung des Entsafters hielt sich bisher in moderaten Grenzen, zumindest war dies – noch – mein subjektives Empfinden. Ich konnte problemlos laufen, fühlte mich prima – wie lange jedoch noch, bis dieser mentale Punkt erreicht war, an dem ja der Kopf entscheiden sollte und nicht mehr die Beine ? Es graute mir ehrlich vor diesem Moment, der unter Ultramarathonläufern ja anscheinend so beliebt war wie der Mann mit dem Hammer bei den Marathonis.
Wer entsaftete hier eigentlich wen…?
Hoffentlich blieb das so, denn jenseits der 42 km war so oder so alles für mich absolutes Neuland. Ich wusste: Nun ging es wirklich los. Aber es war weniger die Steigung, die mich zusehens nervte: Es war der Schnee! Das war etwas, worauf ich mich während der vielen Trainingswochen nicht hätte vorbereiten können. Fußknöcheltief versackte Ich mit jedem Schritt in diesen Mix aus Neu – und Altschnee. Das erinnerte mich an Barfußlaufen am Strand. Matschig konnte man das auch nicht nennen, trittfest aber ebensowenig. Man konnte halt nicht drauf laufen, man rutschte bei beinahe jedem Schritt ab, das kostete viel Kraft; glücklicherweise hatte Ich noch Reserven, doch für wie lang ? Als Ultra-Novize machte ich mir nun ernsthaft Gedanken. Mit dem ansteigenden Gelände wanderte mein Puls längst in weitaus höhere, anaerobe Herzfrequenzbereiche. Der wahre Gegner würde also der Schnee werden…ich verfluchte Ihn bereits. Ich konnte froh sein, dass das vordere Teilnehmerfeld schon „Vorarbeit“ geleistet hatte: die vielen Schuhspuren waren unübersehbar, deshalb folgte ich denen umso hochkonzentrierter, als die Loipen auftauchten.

Wenn sich die witterungstechnischen Voraussetzungen erfüllten – so wie in diesem Jahr – dann offenbarte sich: Der Läufer ist der wahre Entsafter, er ist ein Harzer Winzer ! Warum ? Kilometer um Kilometer hatte das Ganze eher was von der traditionellen Art, Weintrauben in einem Holzfass mit den bloßen Füßen zu Brei zu vermanschen. Mich nervte der schöne Schnee, aber da „musste man nun durch“. Die Steigung empfand ich nun als das geringere Übel. So eng, wie es sich auf dem vorgetrampelten Schneepfad zwischen den Loipen lief und ich mich trotzdem hochkämpfte, gerieten auch die Fußknöchel immer mal wieder gegeneinander, viel zu oft, wie ich fand.
Irgendwann hatte ich plötzlich Durst und holte die Thermosflasche hervor, nahm einige kräftige Züge von dem heißen Tee, dann ging es weiter. Ich mußte an Dehydratation denken und der Tatsache, was das für Konsequenzen hätte in dieser wunderschönen, aber einsamen, eisigen Landschaft. “Keiner würde Dich hier schreien hören, wenn du verreckst, ganz zu schweigen von der Trillerpfeife…”, dachte ich sarkastisch. Ja, ich mußte eingestehen, das mich dieses ständige Ausrutschen auf dem Schnee nervte, meine Laune wurde nicht besser!
Schneelandschaft wie im Märchenbuch

Ich hätte nie gedacht, das ich mal so weit hochlaufen würde! Ich fühlte mich immer noch Fit, das ständige Ausgerutsche im Schnee und der kontinuierliche Anstieg entkräftigte mich noch nicht. Konnte Ich nun froh sein über die vielen Trainingskilometer und der Vorbereitung? Wenigstens etwas musste ich wohl richtig gemacht haben: strikte Einhaltung des Trainingsplans. „Bei all der Zerstreutheit eigentlich ein Wunder, das ich mich noch nicht verlaufen hab…andererseits wirst das eine oder andere zu erzählen haben“, murmelte Ich im stillen, während Ich mich mit jedem meiner Schritte vorwärts kämpfte. Eine Halbmarathondistanz lang ohne Verfplegungspunkt, absurde Vorstellung. Dann musste Ich kurz inne halten, denn links von mir war plötzlich freie Sicht ! Ich konnte nun einen Blick tief nach unten riskieren, mir wurde schwindelig bei dem Gedanken, was für ein majestätischer Anblick sich mir da offenbarte!

Ich konnte über mehrere Bergkuppen hinwegblicken und darüber hinaus – bis zum Horizont. Ferner ein normalerweise kilometerlanger Oder-Stausee, von hier oben jedoch betrachtet erinnerte mich das Ganze eher an den Kieselteich im Schrebergarten von Peter Lustig. Das konnte nur ein Bruchteil des Stausees sein,den man von hier oben sah. Unbewusst bückte ich mich, formte einen Schneeball, guckte mich verstohlen um, und warf diesen dann so weit und kräftig Ich konnte nach unten! Stumm schaute Ich dann zu, wie der Ball nach unten segelte, tiefer und tiefer und immer weiter, bis Ich Ihn aus den Augen verlor.
„Halleluja…“, dachte ich. Im Prinzip mußte man nur ein paar Schritte nach vorn gehen, und es wäre aus und vorbei. Ich verscheuchte diesen Kamikaze-Gedanken und lief weiter, mir wurde schon wieder kalt…und ein bisschen schwindelig. Solch majestätische Anblicke wie diese erlebt man als Läufer nicht jeden Tag – höchstens noch die Skilangläufer, so wie der, der mir nun in halsbrecherischem Tempo entgegenkam. Ich bekam schon wieder Durst, holte erneut die Thermosflasche hervor. „Der hat nen guten Zug, Ich aber auch“, dachte Ich durstig, schaute dem Skilangläufer zu, wie er auf mich zuraste und kippte mir den warmen Tee rein. Dann fuhr er an mir vorbei, stumm grüßten wir uns. Ich beobachtete Ihn noch eine Weile, bis er hinter einer Biegung verschwand, und lief dann weiter.
Von alten Bekannten…
Sehr Weit vor mir tauchten plötzlich zwei Läufer auf. Komischerweise veringerte sich die Distanz recht schnell, bis ich sogar gezwungen war, konzentriert auszuweichen. Ich wollte einerseits nicht den Beiden in den Rücken laufen und andererseits nicht in die Loipe treten. Ein kurzer Sprung nach links, dann an denen vorbei, dann wieder nach rechts, und weiter. Das war ein komisches Gefühl, denn Beide – sowohl Mann als auch Frau (ein Paar?) – sahen recht athletisch gebaut aus. Und dann kommt da so ein Ultraneuling…Ich war mir ziemlich sicher, das würde sich rächen. Es wird bestimmt bald dieser mentale Punkt kommen. “Wo es ja hieß, das die ersten 50 Kilometer mit den Beinen und die zweite Hälfte mit dem Geist gelaufen werden…”, murmelte Ich im stillen. Ich wusste momentan nicht, wieviele Kilometer ich schon hinter mir hatte – den Blick auf meine GPS wollte ich mir ersparen. Ih wollte das anders angehen, denn bisher scherte mich der Zähler nicht. Ich kann es nicht erklären,aber ich fühlte mich bisher weder entsaftet noch sonstwie ausgepowert – bisher jedenfalls! Also kein Blick auf die Uhr, es zählte nur das hier und jetzt, momentan lief es gut und es ging voran. Vor mir wieder ein Läufer, ich glaubte Ihn bereits an der Jacke zu erkennen. War es wirklich…?

Als Ich im Begriff war, vorbeizulaufen, wußte ich, wer es war. Ich ging neben Ihm her. “Hey Björn”, begrüßte Ich. “Lass Dich durch mich nicht bremsen…“, erwiderte er. “Nee, passt schon“, entgegnete ich. Ich freute mich, Ihn zu sehen, denn die meisten Läufer waren mir einfach unbekannt. Wir unterhielten uns ein wenig. Zwei harzer Winzer beim Smalltalk. Die innere Stimme ermahnte mich mehrmals, weiterzulaufen. Nach kurzem Überlegen fasste ich dann doch den Entschluß. „Du, Ich werd wieder laufen, Björn. Noch geht es irgendwie…“. Er grüßte zum Abschied, dann ging es wieder los. Ich fragte mich jedoch ernsthaft, wie lange Ich selbst noch durchhalten konnte, bis der Punkt erreicht war, zu gehen anstatt zu laufen. Woher nahm ich bloß nur diese Energiereserven…? Ein Schild tauchte vor mir auf und kündete von 950 Höhenmetern…gedanklich hob ich den Mittelfinger und lief keuchend weiter.

Erst später erkannte ich, das Björn nicht mehr hinter mir war. Ich musste wohl bei diesen Minusgraden, dem Anstieg, den Loipen und dem Schnee derart geradlinig weitergelaufen sein, das Ich tatsächlich jegliches Zeitgefühl verloren hatte. Das war heftig, sowas hatte ich noch gar nicht erlebt, jedenfalls nicht bei meinen bisherigen Wettkämpfen oder gar den Trainingsläufen. Konnten Körper und Geist derart “verschmelzen” ? Da musste ich so hochkonzentriert zwischen den Loipen auf dem bereits vorgetrampelten Schneepfad gelaufen sein, das ich alles um mich herum ausgeschaltet hatte. Auch die Tatsache, das der Schnee tiefer geworden war, hatte Ich nicht registriert. Nach einer Weile dann erneut Abwechslung: Wieder tauchte ein Teilnehmer vor mir auf, ich näherte mich. “Sieh an, da ist er wieder, die Starternummer 155, direkt vor Dir”, dachte Ich etwas verblüfft. Zuletzt hatte Ich Frank Brauner bei VP Barbis in Erinnerung…

Gerade wollte ich also wieder ein kurzes “Hi!” beim Überholen rufen, als dieser mir bereits mit einem sportlichen „Respekt, respekt, muß man ja mal sagen…“ zuvorkam. Ich mußte Ihn verdutzt angeschaut haben: nicht wie üblich der lediglich kurze Augenkontakt und das war’s…nein, endlich ein mündlicher Gruß. Freundlich grüßte Ich zurück. So ein Kompliment von einem fremden Läufer war für mich als Ultra-Novize etwas sehr erfreuliches, vor allem während der monotonen Entsafter-Etappe. Im Allgemeinen war es nicht allzu schwer, den Augenkontakt, den man für Sekundenbruchteile bei solchen Überholmanövern austauschte, auch zu interpretieren: mal war der Blick von den Läufern verbissen, mal war er ernst, dann wieder nur gleichgültig, oder aufmunternd, ausdruckslos, teilnahmslos…während meines Laufs schon alles erlebt. Aber der Gruß vom Frank klang nicht nur ehrlich…ich spürte auch, das er das tatsächlich so gemeint hatte. Kaum war Ich an Ihm vorbei, widmete Ich meine volle Aufmerksamkeit wieder der Monotonie des Entsaftens.
…und anderen guten Seelen
Dann tauchte etwas vor mir auf, was ich erst nicht glauben konnte. “Was zur eisigen Hölle….?”, dachte ich nur entgeistert: Da standen Leute um ein gedecktes Etwas , und das mitten im Schnee !! Das konnten niemals schon 20 km gewesen sein! Was war das da vorn also ? Kurzer Blick auf die Uhr, eine Mischung aus Erleichterung und kaltem Grausen: Ich hatte zwar erst knapp die Hälfte des Entsafters laufend erkämpft, was aber auch bedeutete, das man es doch tatsächlich geschafft hatte, in der eisigen Einöde am Jagdkopf einen Notverpflegungspunkt zu errichten. „Verdammt, Ihr seid ja echt Krass“, rief ich grinsend ich beim näherkommen. „Jaja, so sind wir!“, lächelte mir eine Helferin entgegen. Hier war fette Apré-Ski-Stimmung!

Erführchtig mußte Ich an die güldenen Reiterinnen denken…Ich trank einen Becher Bier, ääh Tee, aß etwas und unterhielt mich mit ein paar Läufern, die dort ebenfalls auftankten. Die Stimmung war Klasse, sogar DJ-Husky war mit seinen Beats fett am Start und hatte sogar schon ordentlich gebechert!

Ich wollte hier gar nicht mehr weg, doch drängte es mich, den Schnee zu entsaften, also verabschiedete ich mich von der Party und lief seufzend weiter. Kurz wusste Ich nicht, wo lang, aber das winzige BC-Schild zeigte in die linke Richtung. „Also dortlang, na gut…“, dachte ich zweifelnd. Der vor mir liegende Weg sah so endgültig aus,aber vielleicht lag es auch daran, das alle noch am Notverpflegungspunkt am schnacken waren und ich ja unbedingt alleine loslaufen musste. Von wegen Einsamkeit und so. Kalt war es auch! Immer noch sehr mißtrauisch der Beschilderung wegen, entschied ich mich zum weiterlaufen…
Erste wirre Gedanken in der endlos weißen Hölle

Die erste BC-Beschilderung sollte eine Zeitlang auch die Letzte bleiben. Es dauerte nicht lange, und mein Unbehagen wuchs. War das wirklich der richtige Weg ? Denn immerhin ging es plötzlich eher flacher weiter, keine Spur von Anstieg. Da stimmte doch was nicht…?

“Ohje…”, dachte ich, schon etwas ängstlich. Ich spürte, wie sich die Meter aneinanderreihten, wie ich mich entfernte vom Not-Verpflegungspunkt. Hier empfand ich plötzlich eine drückende Stille, kein Läufer vor mir, keiner hinter mir. To-ten-stille! Dann doch: Eine Skilangläuferin kam mir entgegen, wir grüßten uns. Ich war beinahe gewillt, Sie zu fragen, ob Sie Läufer gesehen hatte, aber da war Sie schon vorbei und verschwand weit hinter mir. Lediglich Ihr freundliches Lächeln blieb mir in Erinnerung. Gänzlich allein war man hier dann wohl doch nicht. Die letzte Beschilderung war zwar eindeutig – “links abbiegen!” – aber hier war es so still, und es ging nun gefühlt abwärts, anstatt aufwärts! Mir kam der Gedanke, umzukehren, aber ich wusste auch, das Ich schon mindestens einen Kilometer gelaufen sein musste. Mindestens! Zeitgefühl und Orientierung schwanden zusehens, ich war darauf angewiesen, der Beschilderung blind zu vertrauen. Vor mir Fußspuren im Schnee, die auch keine Ähnlichkeit hatten mit den sonstigen Trailschuh- oder Yaktrax-Spuren der vielen Läufer…oder? Ich war kein Aragorn’scher Fährtenleser, während dieser Stille und dem Knacksen der schneebedeckten Bäume um mich herum war das echt nicht einfach zu beurteilen. Ein Wunder der Natur, das die Bäume soviel Schneelast ertrugen. Verrückter Gedankensprung. Ich trank etwas Tee aus der Thermosflasche, lief dann besorgt weiter. Das miese Bauchgefühl verstärkte sich mit jedem Schritt. Ich hing weiterhin meinen Gedanken nach, die kamen einfach so daher, teilweise recht wirr und verschwommen. “Lass bitte gleich ein kleines, orangefarbenes Schild auftauchen, das wär’ echt toll“, dachte Ich besorgt. Es nutzte nix: Jedesmal, wenn weit vor mir eine Biegung nach einer Geraden auftauchte, hoffte Ich innerlich, eine Beschilderung zu sehen, oder einen Läufer. Aber weder das eine noch das andere passierte…dann ein Spätmerker-Einfall, wohl wieder ein wirrer Gedankensprung: “Pferde hatten die Mädels beim letzten Verpflegungspunkt keine dabei, güldene Krüge ebenfalls nicht…wie waren die eigentlich dorthin gekommen ? Stand da nicht ein Jeep ? Durfte man da mit nem Jeep hoch…?” Ja, ich hing diversen – teils abstrusen – Gedanken nach und war immer noch gleichmäßig am Laufen. Innerlich hatte ich anscheinend die “nach 50 km entscheidet der Geist, nicht der Körper”-Angelegenheit ins Hinterstübchen verbannt. Die Sorge ums Verlaufen hatte wohl derzeit Priorität. Ein kurzer Blick auf die GPS: Mit einer lahmen 8er Pace war ich unterwegs. Aber ich lief, das war am wichtigsten und so war es mir nun mal auch am liebsten. Kämpf Dich durch, Mario! Der Untergrund änderte sich selten, meist rutschte man ab bei dem knöcheltiefen Schnee. An diese zusätzliche Belastung hatte ich mich aber – neben der Tatsache, das Ich mich allmählich km 60 näherte und kein bisschen wunderte darüber, wie ich das anstellte – bereits gewöhnt. “Wie schnell sich der Mensch anscheinend Umständen anpassen konnte…”, kreisten die Gedanken weiter. „Achja, Ich bin bereits Ultraläufer…“ Wieder ein anderer Gedankenfetzen. Ich erwischte mich dabei, das Ich plötzlich in dieser Einöde anfing zu grinsen, und lief weiter, immer weiter, dem Ungewissen entgegen. Wurde ich schon wahnsinnig wie der Typ in Stephen King’s Shining…?!

Die monoton weiße Hölle des Entsafters hatte mich nun vollends verschlungen, blind diesem winzigen, kleinen Schild viele Kilometer hinter mir vertrauend…
Wenn aus dem langen Lauf ein Zwangsultra wird: die kleine Sightseeing-Tour durch Hannover
Achja, eigentlich sollt es ja nur der “lange Lauf am Sonntag” werden. Ich hatte mir für dieses wöchentliche Vorhaben mal wieder fetten Dubstep auf’s Handy geknallt, und los ging’s! Vielleicht kennt Ihr das ja auch: Normalerweise hat man ja diverse Strecken bereits abgesteckt, und so sollte es auch heute eher routiniert nach Trainingsplan ablaufen: Langer Dauerlauf, 35 km, Peng. Es kam natürlich anders. Da gibt es also Situationen, wo man als Wald-Wiese-Gestrüpp-Läufer bisweilen mal neugierig bis mutig wird, so geschehen heute: “Hmmm, diesen Rad-Wegweiser kennst ja noch gar nicht, WO soll der hinführen..? Maschsee ? Ooch, eigentlich…am Maschsee, bei nem Eis, is grad ja sonnig, blauer Himmel, keine graue Wolke…”. So kreisten dann auch meine Gedanken – und ich entschied mich, dem Weg zu folgen! Das aus dem “kleinen Schlenker” ein “kleiner Umweg” wurde, hätte Ich mir ja denken können. Am Ende wurde es eine Sightseeing-Tour durch halb Hannover: Mißburg, Kleefeld über Hermann-Löns-Park direkt zum Maschsee. Kurzer Zwischenstand hier bereits: 30 KM. Ab hier war mir dann klar: Aus dem spontanen Umweg könnte sich ein Zwangsultra entwickeln. Irgendwie mußte ich ja auch wieder nach hause, und der Stolz eines Läufers wie meinereiner verbietet das cheaten, indem die Öffis genutzt werden. Die Vorstellung deprimierte eigentlich gar nicht so sehr. In diese lage hatte ich mich hineinmanövriert, anscheinend wollte Ich es ja mal wieder wissen. Verpflegungstechnisch hatte ich einiges an Knabbereien dabei, der Trinkrucksack war auch noch gut befüllt, noch fühlte ich mich bestens, eigentlich sprach nichts gegen den ersten “privaten Zwangs-Ultra“…

Einfach mal so noch 25 km dranhängen geht mental nur, wenn ich persönlich umdenke und meinen Schweinehund überliste, sprich: Ich mußte den inneren Zähler einfach auf Null stellen, mir vorstellen, das Ich bloß 25 km laufen werde…ab jetzt,wohlgemerkt! Meinereiner darf dann auch nicht zögern, das muß klick! machen im Hinterstübchen, sonst schaue ich nur allzu oft auf den Kilometerstand der GPS… “Wenn Du schonmal hier bist, dann lauf auch einmal rum”, trieb mich die innere Stimme an, und so machte ich mich von der Löwenbastion aus Richtung AWD-Arena. Auf Höhe Sprengel-Museum fielen mir die vielen 96-Fans auf. Als Ich dann den Sportpark ansteuerte, bekam ich eine Vorstellung der Bombaststimmung in der AWD-Arena und dem roten Rausch der Fans. Bin ja selber kein Fußball-Fan, aber beim Vorbeilaufen bekam Ich immerhin mit, das 96 im Begriff war, den Sieg nach Hause zu schaukeln. Gerade lief die Sonntagspartie gegen Gladbach, soviel hatte ich von einem der unzähligen Fans aufgeschnappt. Soso. Gerade ging es am Sportpark vorbei, nochmals warf Ich einen kurzen Blick auf das Stadion, in diesem Moment erneute, frenetische Jubelschreie der Fans. “Da hört man doch eindeutig nur Hannoveraner raus”, war mein Gedanke. Nächstes Ziel für mich war jedenfalls dann Mittelfeld, Bemerode und letztlich zweite Etappe Kronsberg, auf kürzestem Weg nach Hause also. Mittlerweile Bewölkt, kein Sonnenschein, recht windig auf der zweithöchsten Erhebung im hannoverschen Stadtgebiet. Zweiter Zwischenstop mit Déjà-Vu-Gefühl: die Rampe hoch, auf dem Kronsberg dann nochmals ein Foto geschossen inklusive Panoramabilder:

Echt tolle Aussicht, selbst bei diesem bewölkten Wetter! Nun noch ein Bild mit mir und dem Gipfelkreuz im Nacken:

“Juhu, nun hast Du bei der BC vor zwei Monaten Barbis quasi hinter Dir gelassen, was mich daran erinnert, das Ich Heute noch an genau DIESEM Punkt mit der zwölften Episode des Laufberichts weiterschreibseln muß…seufz…” Dolle Aussichten am Sonntag, nicht nur auf dem Kronsberg. Regeneration war also gestern, sobald Du zuhaus bist, geht’s umgehend ans Tippen. Das mußte Ich mir echt noch überlegen. Die restlichen 12 Kilometer dann machten den Kohl auch nicht Fett. Zügig ging es über die offene Feldmark konstant Richtung Sehnde:

Fazit: Sightseeing mal anders, den ersten Privatultra aus eigener Tasche finanziert (nix Veranstalter!), es klappte sogar ohne Beschilderung, frei nach Schnauze gelaufen, fein fein. UND: Diesmal hatte sogar der Trinkrucksack seinen Einstand mit Bravour bestanden – tja, das Ding ist ja doch zu was zu gebrauchen! (Ein Easteregg vor Ostern…Kenner wissen bescheid *g*)
Abschließend noch die Daten (nein, kein Aprilscherz):

Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 11]
Hi!
Die erste Hälfte – eine Marathondistanz – hatte ich nun also schon bewältigt.
Was würde nun passieren ? Wie läuft man weitere 40 Kilometer bei zunehmend frostigen Witterungsverhältnissen und ununterbrochenen Steigungen bis zum eisigen Gipfel ? Eine der vielen Sprüche im Schilderwald des Veranstalters brachte es diesbezüglich auf dem Punkt: “Ab hier ist es Ultra!” [siehe Episode 10, letztes Bild]. Ein langjähriger UM-Veteran hätte nun vielleicht lässig entgegnet: “Die erste Hälfte war zum warm werden…seufz, nach der zweiten ist der Spaß wieder vorbei..” Der ambitionierte UM-Läufer würde eventuell von sich geben: “Die erste Hälfte war moderat, nun wird es anspruchsvoll”…und der UM-Novize, der sich für seinen ersten Ultra gleich den Brocken aus der Liste der deutschen UM-Veranstaltungen 2012 herausgepickt hatte ? Der würde wohl nun spätestens beim Anblick der Rampe direkt nach Barbis murmeln: “Ach Du Sch…”
Übrigens: Episode 11 ist reich mit Bildern bestückt. Noch etwas: Schon Morgen – am 1.04.2012 – wird es den 12. Teil geben – und Nein,das ist KEIN verfrühter Aprilscherz ![]()
Die letzten Episoden findet Ihr wie stets in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
Nun geht’s los, viel Spaß,
Euer Mario
Thermosflasche Part 1: Mission u n f r e e z e
Nach dem Gruppenkuscheln löste Ich mich wieder, gab meinem Töchterchen und meiner Frau einen ganz dicken, eisigen Kuß und meinte dann: „Ich bin gleich wieder bei Euch, muss eben mal zum Verpflegungspunkt, was klären, treffen wir uns dann beim Auto ?“ Jens entgegnete etwas in der Art wie: “Ja, geh nur voraus, lass Dich nicht ablenken, wir kommen nach…“ Meine Frau gab mir nochmal einen Kuss, schaute mir dann hinterher und rief, wohl leicht verwundert: “Mensch, Du siehst ja noch Topfit aus!“

Ich blickte immer wieder zurück, sie liefen mir doch tatsächlich hinterher! Momente wie diese sind etwas ganz wundervolles und sehr schwer in Worte zu fassen.

Die kleine Angelina rannte mir ebenfalls nach. “Ich will auch Laufen, Ich krieg Papa noch!“ Dann machte es Plumms!, und sie fiel hin. “Mist!”, dachte ich kurz. Ich wollte gerade wieder zurück, als ich schon sah, wie die Kleine wieder aufstand, meine Frau half Ihr dabei. “Okay, nix Ernstes, gut, dann weiter…”, murmelte ich und näherte mich dem Verpflegungspunkt. Den Läufer, den Ich vorhin beim euphorisch-lockeren Endspurt auf dem Weg zu den Dreien überholt hatte, war nun wieder dicht hinter mir. Es war Frank Brauner mit der Starternummer 155.

Was Ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: mit Ihm sollte es noch ein – aus meiner Sicht – lustiges Battle geben ![]()

Auf der Zielgeraden noch ein kleiner Schlenker, schon lag die Verpflegungspunkt-Etappe vor mir.


Kurz blieb Ich stehen, um mich erstmal umzuschauen und die Gedanken zu sammeln. “Da bist Du also..”, dachte ich innerlich. Zu meiner Rechten die Dreymannsmühle (warum nannte man das eigentl. Dreymannsmühle, wo doch hier keine zu sehen war ? Egal, denken wir uns einfach zwei Mühlen dazu, und gut is), zu meiner Linken der Verpflegungsstand von Naturkost Elkershausen. Ich also direkt dorthin. Ein bärtiger Mann mit blauer Mütze. Kurzer Augenkontakt, er schaute mich fragend an – beinahe so, als wüßte er schon, das es noch eine ganze Menge Ärger mit diesem Bürschchen geben würde…

“Ihr müsst mich retten!“, kam Ich gleich auf dem Punkt. Ich reichte Ihm meine Thermosflasche und fuhr hastig fort: “Also es war so: Der verdammte Deckel ist zugefroren. Seit dem Start konnt Ich das Ding nicht nutzen! Nun wird’s aber höchste Zeit! Entsafter und so..!“

Er nahm derweil – ganz die Ruhe selbst – die Pulle entgegen und hielt Sie über einen Gaswärmer. “Ach…das kriegen wir schon hin…“ Ich bedankte mich mehrmals und wollte zwischenzeitlich zurück zu den Dreien, als Björn plötzlich neben mir stand! „Eyyy, Mario, wie geht’s Dir denn ?“ Wir waren bestens gelaunt, ich hatte aber leider nicht viel Zeit zum schnacken, irgendwie machte ich mir gerade auch unnötigen Stress. Björn fiel das hoffentlich nicht auf? “Du, Ich muß zurück zu Kumpel und Familie”, verabschiedete ich mich, wünschte Björn weiterhin einen reibungslosen Lauf und bahnte mich zurück zu den parkenden Autos.
Da war doch noch irgendwas…….?
Meine Liebsten und Freund warteten am Auto, der Kofferraum stand gerade offen. „Ihr glaubt ja gar nicht, wie unnötig dieser ganze Krempel während der ersten Hälfte gewesen ist…“, begann ich zu erzählen, öffnete Jackentasche sowie Rucksack und entledigte mich einiger Dinge: der fette Fotoapparat, ein Ersatz-Oberteil, Ersatzakku, Socken, Plastikmüll von den Kohlehydrat-Gels und Riegeln…dann sprangen mir die Karten ebenfalls ins Auge. Kurz überlegte ich, fasste dann einen Entschluss: Die bleiben ebenfalls im Auto, verbrennen würde Ich da oben eh nix können, gäbe nur unnötigen Streß mit dem Wirt. Währenddessen schauten mir die Drei zu. „Sicher, das Du die Sachen nicht mehr brauchst? Nichtmal die Karten?“, guckte Jens sehr skeptisch meinem Treiben zu. „Ahahah die Karten…..wenn’s nach mir ginge, am liebsten auch der Rucksack, der war von allen Dingen die dämlichste Investition, im Prinzip schleppe Ich den nur unnötig mit“,entgegnete Ich. Jens guckte weiterhin argwöhnisch, er dachte sich wohl seinen Teil.

Meine Frau Nicole schien derweil irgendwas an mir zu vermissen. “Sag mal, Schatzi….Wo sind denn die Trekking-Stöcker?“ Ich biß innerlich die Zähne zusammen! Die Stöcker waren ja immerhin von ihrer Cousine geliehen. In dem Moment jedoch stand rettenderweise Torsten – Björns Kumpel – an unserem Wagen. Ein Glück, die Ablenkung kam genau zur richtigen Zeit, so mußte Ich mich erstmal nicht erklären! „Hey Mario, wie läuft’s bei Dir bisher so? Siehst ja noch Fit aus“, begrüßte er mich. „Noch fühl Ich mich auch so, aber nun beginnt ja auch der ernste Teil der Strecke…bin aber recht zuversichtlich“, antwortete Ich. „Ja“, meinte Torsten,“da vorn jedenfalls wird es nun extrem steil, du solltest das Stück wandern! Die Rampe sollte man nicht unterschätzen…“. Etwas anderes fiel mir dann ein: „Ich hab da ein kleines Dilemma, Torsten…“, und ich erzählte Ihm in Beinahe-Flüsterton, wo die Trekking-Stöcke lagen. „Das klärst am besten mit Aschu…vielleicht kann man die Dinger ja noch den Berg hochschaffen oder so…“ Meine Frau guckte mich bloß fragend an. „Ääähem,Schatz…erklär Ich Dir später!”, überspielte ich das Ganze dumm grinsend. Torsten winkte noch zum Abschied und war wieder weg. „So, Ihr Drei, ich werde mich vom Acker machen, aber ich könnte schwör’n,das da nochwas gewesen ist…“ Ich grübelte kurz. Da war noch was, da war noch was…. Jens telefonierte währenddessen mit irgendwem, ich hörte nur sowas wie: “Jaaa, dem geht es gut, macht nen Top-Fitten Eindruck…“ Ich gab meiner Tochter noch einen letzten Kuss. „Papaaa? Gehst Du jetzt wieder lauuuufen?“ Ach, ist die Kleine doch süß! „Darf Ich mit Dir miiitlaufen?“ Ich tröstete Sie, indem ich erwiderte: “Leider nein, Mäuschen, das ist echt ein bisschen zu weit. Vielleicht, wenn du mal groß bist..?“. “Ooch, das schaffe Ich bestiiimt…”, entgegnete Sie enttäuschend und ließ die Schultern hängen. Dann fiel ihr wohl was ein, senkte die Stimme dabei, ich beugte mich zu Ihr runter, um Sie zu verstehen. “Duuuuhuuu, weisst Du waaaa-haaas? Wir fahren jetzt zu ‘Määäkk Donnnels’! Onkel Jeee-heens hat gesagt, Ich soll Dir das lieber niiicht sagen…“ Na herzlichen Dank auch, dachte Ich, guckte böse zu Jens rüber und bekam nen Mords-Kohldampf! Er erwiderte den Blick, grinste rüber, als könne er sich schon denken, um was es ging.

Thermosflasche Part 2: Mission accomplished!
Ich bedankte mich nochmals bei den Dreien für’s kommen, drückte und küsste jeden (bin mir gar nicht sicher, ob Jensi ebenfalls nen Kuss auf die Wange…? Gott, vergessen wir das) herzlich und winkte zum Abschied. Am Verpflegungspunkt zurück, stand meine Thermosflasche auf dem Tisch. Ich ahnte übles… „Ging wohl nicht?“, meinte Ich bloß. “Doch, die Pulle ist voll. Den Stöpsel oben kannst nun auch wieder rausziehen und draus trinken. Ist warmer Tee drinnen.” Krass, was ein Service! „Damit hast Du mir das Leben gerettet!“ Ich aß und trank anschließend noch ordentlich. Derweil wurde Ich das Gefühl nicht los, irgendwas vergessen zu haben – etwas entscheidenes vielleicht…? Ich blickte nochmals zurück: die Drei standen bereits am Auto, waren im Begriff, loszufahren. Nachdenklich blickte Ich nochmal zum Auto rüber, die hatten bestimmt nur noch Mekkes im Kopf. “Okay, Ich sollte nun auch endlich los!”

Barbis (279 m NN, 42,5 km) | 20,6 km bis VP Lausebuche

Den nun kommenden Anstieg fürchtete bereits das gemeine Volk im finsteren Mittelalter. Die Rede ist vom „durchgängig schneebedeckten Pfad des eisigen Todes“.
Schon das verschollene Skriptorium von Kloster Bursfelde berichtete von dieser Steigung:

In einem Punkt sind sich alle einig: In unseren Breitengraden nennt man Ihn derzeit ehrfürchtig den…
Ende Teil 11. Gemeiner Cliffhanger, oder ? Mal kurz nachgeschaut…aha: Umgerechnet sind wir nun auf Seite 45 von 84 angelangt. Diejenigen, welche sich fragen, was damit nun wieder gemeint sein könnte, seien die bisherigen Episoden bei Interesse ans Herz gelegt. Danke auch, das ihr weiterhin wissen wollt, wie es weitergeht. Der Wettkampf an sich ist natürlich schon lange vorbei. Aber eines weiß ich gewiß: Spätestens bis zu meinem nächsten UM-Wettkampf, dem Rennsteig am 12.Mai 2012, ist dieser Laufroman per Web-Blog fertig. natürlich werde Ich dann in ähnlich großem Umfang über den Rennsteig in meinem Blog berichten…jedoch nicht erst nach vier Wochen, sondern umgehend. Deal ?
Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 10]
Hallo Zusammen!
Mit der nunmehr zehnten Episode möchte Ich alle interessierten Leser nicht länger auf die Folter spannen, darum wird auch nicht lange gefackelt – let’s go!
Die letzten neun Episoden findet Ihr wie gehabt in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
Viel Spaß beim Lesen,
Euer Mario

Ruhmequelle (172 m NN, 30.7 km) | 11,8 km bis zum VP Barbis

Von einer vereisten Thermosflasche und anderem Klimbim
Weiter ging es über die Landstraße nach Ruhmspringe. Diese angenehme Stille in einer mir fremden Umgebung mit ständig wechselndem Terrain…herrlich! In einiger Entfernung folgte ich einem Läufer vor mir und erreichte schließlich ohne besondere Zwischenfälle die Ortschaft. Auch hier war nicht viel los auf den Straßen, trotzdem hieß es aufpassen, die ersten Autofahrer waren unterwegs. Dann erreichte Ich die Ruhmequelle – und mir klappte der frostige Unterkiefer knarzend nach unten!

Ich konnte nicht anders, staunend machte ich halt, denn so etwas schönes bekam man nicht jeden Tag zu Gesicht…!

Bestimmt konnte man diese Quelle blubbern hören, wenn man sich ganz doll anstrengte beim Lauschen. Es war schon schwer vorstellbar, das die Wassertemperatur dieser drittgrößten Quelle Deutschlands ganzjährig 8 bis 9 Grad betrug und jeder Bundesbürger täglich mit gut drei Litern Wasser versorgt werden könnte.

Bildete Ich mir ein, das es kälter, frostiger, eisiger wurde …? Ich mußte dann doch ein wenig das Zeitgefühl beim Betrachten der malerischen Quelle verloren haben, also lief Ich zügig weiter. Irgendwie ja fies: Dir wird zur Abwechslung wieder was für’s Auge geboten, aber nein, wegen der unmenschlichen Kälte kannst nicht lange an einem Ort verweilen, ohne Dir Gefrierbrand wegzuholen. Am Verpflegungspunkt angekommen, dachte ich natürlich als erstes an die verflixte Thermosflasche !

Es gab hier – noch(!) – heißen Zimt-Tee. Mir war es peinlich, einen der Helfer darum zu bitten, mir die Flasche zu öffnen……darum tat ich es nicht. Tja. Im Ernst: Wie hätten die tapferen Streitkräfte in dieser Mordskälte denn auch bitteschön eine komplett vereiste Thermosflasche freisprengen sollen ? Im Hintergrund stand ein Johanniter-Wagen. Stand Ich hier gerade zulange rum ? Ich hatte keine Lust, jetzt schon vorzeitig aus dem Rennen gezogen zu werden. Ich wollte nicht die Aufmerksamkeit auf mich lenken. Die guckten doch bestimmt schon argwöhnisch..?! Also hatte Ich auch hier beschlossen, zwei Becher Kräutertee zu trinken. Dieser Tee beflügelte meine Sinne, ich mutmaßte, dass da irgend ein Aufputschmittel drin war. Anders konnte Ich mir auch nicht vorstellen, wie die inneren Organe das Ganze ohne Drogen mitmachten. Ich wollte schon fragen, entschied mich dann aber doch, es dabei zu belassen…und an einen weiteren Prinzenrolle-Keks zu lutschen. Unter einem der Tische stand ein ASFM-Kanister…das musste wohl das Aufputsch-Konzentrat sein. Ich hielt besser meine Klappe, Schweigen ist Gold.

Kekse, Kekse, Kekse! Viel zu einseitige Ernährung, aber es wollte sonst nix in den Magen…verflixt! “Hach,was solls, ich bin wieder weg“, dachte Ich und lief prompt weiter. Ich spinnte den Gedanken mit der Thermosflasche jedoch weiter: “Spätestens in Barbis müsste mir dann aber jemand mit der dämlichen Pulle helfen. Und wenn Jens die letztlich mit einer Brechstange knacken mußte!” Der erste Ultra, und irgendwie wollte ich das Gefühl nicht loswerden,das ich in teilweise falsches Equipment investiert hatte. Der Rucksack war bisher nur lästig, überhaupt kein bisschen praktisch! Nur unnötiges Gewicht. Und das bisschen Erste-Hilfe-Krimskrams hätte Ich in den Jackentaschen mit mir führen können. “Nächstes Mal machst das auch”, ärgerte Ich mich innerlich. Fazit bis hierhin:
Geile Jacke – Check! Geile Schuhe – Check! Geile Klamotten – Check! Alles andere: Müll !

Die direkt nach dem Verpflegungspunkt beginnende Steigung wollte erstmals kein Ende nehmen! Was war denn jetzt plötzlich los? Der Forstweg schlängelte sich gnadenlos nach oben. Ich fühlte mich zwar immer noch Fit, traute mich aber diesmal nicht, diesen ununterbrochenen Anstieg durchgängig laufend zu bewältigen, immer die zweite Hälfte der Gesamtdistanz vor Augen. „Das muss jetzt beim ersten Ultra nicht sein, teile Deine Kräfte ein…“, dachte Ich verbissen und musste mich zwingen, zügig zu gehen, nicht langsam, sondern in schnellen schritten. Das Gefühl war jedoch enttäuschend und niederschmetternd. Nicht die Steigung war’s, sondern die Tatsache, das ich es wirklich hasste, bei einem Wettkampf gehen zu müssen. Nicht einmal bei meinem allerersten Wettkampf – dem Halbmarathon im Mai letzten Jahres – wollte Ich gehen. Damals war Ich schon bei km 11(!) am absoluten Ende von allem und hatte mich nur noch sehr zombieartig und sabbernd nach vorne geschleppt. Ich musste einst beim Halbmarathon den Mitläufern eine Heidenangst eingejagt haben. Und nun der erste Ultra…den ich nicht gehend bewältigen wollte, sondern laufend! Wie trotzig…natürlich meldete sich wieder Hubert ‘Yoda’ Beck im Hinterkopf mit der mahnenden Stimme der Vernunft:

Kurz bevor sich Yoda gänzlich verabschiedete, meinte Ich jedoch noch vernommen zu haben wie er lachend ergänzte: “Achja, Mario, und die Typen,die um die vorderen Plätze fighten, sind trotzdem geiler wie Du, haha…“ Na toll! War es echt schon so Schweinekalt, das mir meine Gedanken einen kleinen Streich spielten ? Während des unaufhaltsamen Anstiegs hatte Ich trotzdem einige Läufer überholen können.Ha! War schon irgendwie ulkig: Vor Dir ein Läufer, im Schneckentempo holst Du auf, bist dann einen Moment lang mit dem ‘Kontrahenten’ auf Augenhöhe, dann verschwindet dieser zeitlupenartig hinter Dir. Du schaust nach vorn, kämpfst schneckig-verbissen weiter, und erspähst schon den nächsten vor Dir, nimmst die Verfolgung auf. Der Kompromiss aus zügigem Gehen und Laufen sollte den restlichen Anstieg bestimmen, nun hieß es: Niemals aufgeben, niemals kapitulieren!

Nach einer halben Ewigkeit im Gehölz ging es endlich wieder ins offene Gelände! Der eisige Wind schlug mir kurzzeitig ins Gesicht! Dann leichter Schneefall. Mehr oder weniger flach ging es weiter, der Anstieg lag hinter mir. Ich genoss nun die leichte Bergab-Tour und war eine ganze Weile in sehr lockerem Tempo unterwegs. Das eigene Befinden war prächtig, ich wurde nicht langsamer. Und die Witterungsbedingungen ? Obwohl die Sonne ja nun schon Richtung Zenit unterwegs war, spürte Ich am eigenen Leib, das es kälter wurde. Es war nicht im Sinne von unangenehm, eher im Sinne von: ‘Es ist da, es lauert und es wird dich holen wenn Du stehenbleibst.’ Am liebsten wollte ich jetzt trotzdem anhalten, um die wieder einmal prächtige, hügelige Landschaft zu betrachten.

“So sähe ein schneebedecktes Auenland wohl aus…”, dachte ich. Das erinnerte mich an mein ganz spezielles Vorhaben: Ich hatte noch diese Karten, die wollten auf dem Schicksalsberg verbrannt werden. Nie war ich motivierter, warum also vom Gas gehen? Ich befand mich grad irgendwo bei Königshagen und vor mir sah ich reihenweise Läufer, wie Sie sich zickzackartig bis zum Horizont hoch schlängelten. Die Serpentine, was ein toller Anblick…ich ärgere mich, mit dem richtigen Fotoapparat hätte das Bild Klasse ausgesehen. Aber wir waren hier ja nicht in Rom bei ner Sightseeing-Tour…
Viele waren am Wandern, ich probierte es jedoch mit der bewährten Kombination Gehen und Laufen und konnte auch diesmal einige überholen.
Über die letzten Hügel…
Als ich den Aussiedlerhof entdeckte, wußte ich, das Barbis nun sehr bald in Sichtweite kommen würde. Ich war wieder sehr aufgeregt, denn meine Frau, mein Töchterchen und Kumpel Jens hatten ja die Absicht, mich dort zu treffen- Freude! Ich machte mir um mein kleines,tapferes Töchterchen Angelina große Sorgen: Gerade mal 4 Jahre jung, stand Sie nun wartend in der Eiseskälte und wartete auf Ihren Papa! Dieser Gedanke gab mir plötzlich die Kraft und den nötigen Elan: Ich erhöhte das Tempo abermals! Vor mir ein zugefrorener See…das musste der Berberteich sein. Ich beschleunigte weiter, bog rechts ab und nahm die Beine in die Hand.

Vor mir kam jemand mit zwei großen Hunden entgegen. „Keine Sorge, die beißen nicht…“, rief er mir schon von Weitem zu. “Jaja, die sehen lieb aus und so!“, entgegnete Ich hastig beim vorbeirennen. Der Blick der beiden Hunde sprach aber gänzlich andere Bände! „Wauwau’s, bleibt bloss lieb, hört Ihr?“, dachte ich dann nur, kaute auf meine eiskalte Lippe rum und blickte nicht mehr zurück. Noch mehr Spaziergänger kamen mir entgegen, ich war erstaunt. Nun kamen die Leute wohl langsam aus den Betten gekrochen, oder wie ? Gemütliches Volk hier…wohl doch Auenländer? Ein älterer Herr stieg gerade aus seinem Auto, sah mich um die Ecke flitzen und klatschte spontan und begeistert in die Hände. “Jawoll !! Junge, Du machst das ja fabelhaft, weiter so !!“ Ich grinste. Das wurde ja immer besser hier! Barbis war spontan Spitzenreiter der symphatischsten Orte auf diesem Planeten – neben Göttingen!
…zum fröhlichen Empfang!
Ich schaute rasch auf die Uhr, wollte wissen, wie spät es ist. Ich war knappe 5 Stunden unterwegs und erreichte nun endlich die Ortschaft Barbis. „Marathon in 5 Stunden, ich hab mich doch tatsächlich verschlechtert,tztz…“, witzelte ich innerlich. Ich war echt gut drauf! Ich befand mich nun auf der Hauptstraße, aber mit jedem Schritt war ich mir mehr und mehr sicher, das da vorn am anderen Straßenende und Ortsausgang Barbis die Drei auf mich warteten! Jetzt hatte Ich ein richtig breites Grinsen im Gesicht! Da war vor mir noch ein Läufer, der Enthusiasmus reichte, um den auch noch mitzunehmen, also überholte ich! Ich erkannte nun, das die Kleine etwas in der Hand hatte…war das eine Rassel ? Tatsache…wie geil! Die Süsse zerrte gerade an der Jacke meiner Frau und zeigte auf Ihren Papa, der sich zügig näherte. Meine Frau fing an zu winken, hatte ein Schild in der Hand, und mein Kumpel Jens filmte sogar mit seinem Smartphone. Alle hatten Schilder bei sich, auf denen aufmunternde Sprüche wie “Go Schatz ILU Du packst das”, “Go Mario, Du coole Sau” und “Lauf Papa Du bist der Beste” standen. Ich näherte mich nun im lockeren Tempo meinem allerliebsten Publikum: Meinem besten Freund und meinen beiden Frauen!


„Hey!“, rief Ich allen zu. Ich war überwältigt, Sie alle zu sehen, es war ein so tolles Gefühl, unbeschreiblich!
Hatte Ich gerade tatsächlich schon die Hälfte der Gesamtdistanz geschafft ? Überglücklich über das bisher Erreichte umarmte Ich alle Drei. Halbzeit, Strike!

Brocken-Challenge 2012 | eine ‘ultrakurze Laufgeschichte’ von Mario Bartkowski [Teil 9]
Moin moin!
Ja es stimmt, es hat nun ein paar Tage länger gedauert. Einige haben bereits ungeduldig auf eine Fortsetzung gewartet. Ich gebe zu: Es mangelte an Zeit. Ich habe auch den schwarzen Peter namens Ausrede anzubieten: Das Wetter! Wer hatte die sonnigen Tage nicht genossen ?
Nun wollen wir aber keine Zeit verlieren, weiter geht’s mit dem mittlerweile neunten Teil !
Die letzten acht Episoden findet Ihr übrigens wie immer in der Kategorie Wettkampf: Brocken-Challenge (11.02.2012).
Liebe Grüße,
Euer Mario
Bonus-Checkpoint
Wenig später hatte Ich Christiane und Bill wieder eingeholt. Ich wollte mein Tempo nun jedoch nicht unbedingt wieder drosseln, im Gegenteil: Ich hatte plötzlich Lust, in lockerem Tempo weiterzulaufen!
“Das könnte sich später aber auch rächen”, dachte ich . Wer wusste das schon. Kilometer 22 lag längst hinter mir, Rollshausen auch. Vor mir die Bundesstraße, hier solle man vorsichtig rüberlaufen, warnte die Streckenbeschreibung. Aber wer stand denn da vorn, war das wieder ein Verpflegungspunkt? Konnte nicht sein. Direkt vorm Hellberg Richtung Tilly-Eiche ? Wir näherten uns zu dritt dem provisorisch aufgebauten Tisch, es duftete nach Tee.

Nun hatte Ich Durst. „Wir haben noch ein bisschen was…nicht mehr viel, aber immerhin“, meinte einer der beiden. Ich nahm dankend einen Becher Kräutertee entgegen. “Jaaa, das hier ist hier wohl ‘der letzte Außenposten’, was ?“, kommentierte ich schmunzelnd. Ich war begeistert! „Jo, das war so ne spontane Aktion…gewöhnt Euch aber nicht dran“, entgegnete der andere lachend. „Beide Daumen Hoch!“, lobte Ich das Dream-Team. Ich schaute hinter Die beiden, dort wartete der Anstieg des Höllenbergs. “Auf geht’s, Dante”, dachte ich trotzig und lief los.
Ein Hauch von Trailrunning
Christiane und Bill wollten den Hellberg hochwandern, ich jedoch weiterlaufen, also winkte Ich den beiden zum Abschied und machte mich an den ersten, längeren Anstieg der Gesamtdistanz.


Ich hatte natürlich bis dato keinerlei Erfahrung mit moderaten Anstiegen, aber der Hellberg war nach Landolfshausen mindestens der Zweite, den man nicht wegignorieren konnte. Das war Steigung, und zwar stetig, es wollte einfach nicht aufhören. Und das war gut so! Denn endlich konnte man mal von Abwechslung sprechen. Hier kamen mir die wasserdichten Trailschuhe mit den Spikes gelegen. Meter um Meter kämpfte ich mich diesen Single-Trail hoch. Ich schaute auf die GPS, und musste über die 8er Pace innerlich schmunzeln. Gleichzeitig war es aber auch für mich schwer vorstellbar, mit was für einen Affenzahn die Spitzenläufer hier hochgerannt sein mußten. 12 km/h ? 13 ? Schneller ? Plattgetreten war der Schnee kein bisschen, es war schon recht anstrengend. Ich legte aber noch einen Zahn zu, indem Ich das innere Nitro zündete – Ich wollte endlich mal ins Schwitzen kommen, es war angenehm anstrengend. Zufrieden schaute Ich wieder auf die GPS: Nun lag die Pace gerade mal im 7er. “Oh Wow Mario, WAS eine Pace-Steigerung…nun brech Dir mal bloss keinen ab!”, keuchte ich. Es nutzte nichts – weiter ging’s!
Crosslauf mit Caramba: “Arriba!Arriba! Andale!“
Wer wuchs hier eigentlich: Der Hellberg mit dem nicht endenden Anstieg oder meine Entscheidung auszutesten, wie schnell ich mich meiner maximalen Herzfrequenz annähern und schlapp machen würde?
“Laktatschwelle, ich komme”, witzelte ich innerlich und dachte nicht daran, die letzten Meter hochzuwandern. Als ich dann irgendwann diese Tilly-Eiche sah, dachte ich freudig: “Nun geht’s gleich wieder auf der anderen Seite runter!”. Währenddessen grenzte der Druck auf meine Blase schon an Irrsinn. Es mußte ja nicht gleich diese Eiche sein, also suchte Ich mir zwecks ‘Erleichterung’ einen anderen Baum.

Ich malte ein dampfendes Herz in den Schnee und war auch ein wenig erleichtert, das es ein helles Herz war…KEIN dunkles! Ich erinnerte mich nochmals an Hubert “Obi-Wan-Kenobi” Beck’s Worte. Dunkles Urin war böse. Vermeiden. Kapiert. Dann ging es flugs weiter. Ich hatte keine Lust, mir dieses Schild näher anzusehen. Diesen Berg aufs Korn zu nehmen machte einfach mehr Bock wie nun eine Laufpause einzulegen und irgendwelche Schilder neben irgendwelchen Bäumen zu lesen. Ich entwickelte mittlerweile eine Vorliebe fürs ‘auf und ab’. Bisher konnte man ja nicht wirklich von Steigung sprechen, so jedenfalls mein überheblicher Eindruck. Es war toll, keine Frage, es war halt moderat. Ein kurzer Herzfrequenz-Check bestätigte: Mein Puls hatte sich sehr schnell wieder auf Normalwert eingependelt. „Höhö, das geht ja ab hier!“, dachte ich grinsend, während Ich im Eiltempo schnell und unvorsichtig den Berg hinabrannte. Kurz kam mir meine liebe Schwester Kerstin in den Sinn. Die hatte mir noch vor ein paar Tagen einen Videolink geschickt von ‘Speedy Gonzales’, der schnellsten Maus von Mexiko. Verrückt, was einem hier an Assoziationen geboten wurde bei dem Lauf. Innerhalb von Sekunden kommen Dir die komischsten Gedanken! Mal im Ernst: Ich rase hier den Berg hinab und das einzige, was mir einfällt, ist die Doping-Maus Speedy Gonzales…nee is klar! Der Crosslauf hinab wollte jedenfalls kein Ende nehmen. Ich überholte jemanden. Wusch!, und es ging weiter! Kurzer Blick auf meine GPS, ich musste dann doch schlucken: 14 km/h ? Ein echt schlechter Scherz. Das schnelle Tempo und die leicht kurvenreiche Talfahrt machten mir anfänglich ein klein wenig Sorgen. Ich entschied mich jedoch, nun nicht mehr allzusehr zu drosseln und vielmehr konzentriert runterzurennen. Der kleinste Fehler – irgendein Ast, Stein, tiefe Mulde,Eichhörnchen – und ich würde mir bei diesem Tempo den einen oder anderen Knochen brechen. „Ja, das macht wirklich Spaß, das sollte Ich mal öfters machen!”, jubelte ich innerlich! Dann wars leider schon wieder vorbei, es ging rechts den Wirtschaftsweg weiter nach Rüdershausen. In Gedanken war ich immer noch bei dem Trail-Crashkurs von eben. Ich nahm mir nun fest vor, in Hannover den Benther Berg zu besuchen. Von Thomas Ehmke’s Trailrunning-Blog (http://trailsucht.wordpress.com/) wußte Ich, das man dort durchaus seinen Spaß haben konnte. “Das teste ich in den nächsten Wochen mal…” Mir fiel ein, eine SMS an meine Frau zu Tippen, und so war ich gezwungen, die Handschuhe auszuziehen, eine echte Qual! Wie soll man brutale Minusgrade im zweistelligen Bereich beschreiben ? „20 km“, war alles , was ich tippen konnte (sollte für den Empfänger heißen: bin bereits 20 km unterwegs, in ca. 22 km wäre ich dann in Barbis). Dann hielt ich es nicht länger aus und musste wieder die eisigen Handschuhe über die noch eisigeren Hände drüberstülpen. “Gott, was eine Schweinekälte, diese verdammten Handschuhe!”, fluchte ich zitternd. Ich musste nun unbedingt in lockerem Tempo weiterlaufen. Eine zeitlang packte ich meine Hände in die seitlichen Jackentaschen – half nur bedingt, aber immerhin. “Diese Jacke war wirklich die beste Investition von allem”, musste Ich innerlich eingestehen – der Hersteller hätte wohl seine helle Freude daran, wenn er von seinem unbekannten Testläufer wüsste.
Nach der Haarnadelkurve …
Immer noch allein unterwegs, hatte ich jedoch stets vor oder hinter mir in einiger Entfernung diverse Läufer im Blickfeld. Der Hellberg …hatte wirklich gefallen. Klar, ist das nur eine kleine Sache gewesen, im Vergleich zu dem Mordsbrocken,der noch in sehr weiter Ferne fies-händereibend auf mich wartete. Ich mußte unwillkürlich an das Auge von Sauron denken. Komisch an der Stelle: Warum ging mir immer Herr-Der-Ringe in den Sinn ? Soviel zum Thema assoziatives Laufen: Die einen kriegen beim Laufen den Kopf frei, wieder andere haben die besten Ideen…und Mario? Macht aus dem Lauf einen auf Frodo. Ich verscheuchte die Gedanken! Kaum hatte Ich die Ortschaft Rüdershausen betreten, wartete dort das NDR-Fernsehteam. Aber nicht auf mich. “Eigentlich schade..”, dachte ich. „…aber Ich bin ja so gesehen kein Greenhorn mehr“, spinnte ich den Gedanken weiter und musste grinsen. Bei all dem Bockmist, der mir bisher passiert ist inklusive Hellberg, das sollte mich doch eigentlich schon längst in den Ambitionierten-Olymp hinaufkatapultiert haben. Gut, ich war noch keinesfalls Ultra…ABER ich hatte auf dem Höllenberg schon ein Herz in den Schnee gemalt ! Gott, nun wurde Ich größenwahnsinnig. War die eisige Höllenkälte Schuld? Dem Fernsehteam sah man jedenfalls deutlich an, das denen – pardon die Wortwahl! – arschkalt war. Den Zappeleien nach zu urteilen versuchte das Fernsehteam, sich warm zu halten. Das war nur sehr ratsam… „Die Christiane dürfte gute 10 Minuten hinter mir sein“, entgegnete Ich beim Vorbeilaufen. „Sie ist bald da, ihr habt es gleich geschafft!“. “Hey, Danke Dir!“, kam die freundliche Antwort. Hörte Ich da ein bibbern in der Stimme ?
Der Ort Rüdershausen an sich war nicht unbedingt der spektakulärste, ABER er konnte immerhin mit einer nicht zu unterschätzenden, fiesen und kleinen Schikane aufwarten. Ich erinnerte mich an die heimische TV-Präsentation der Streckenbeschreibung, der mahnenden Stimme von Aschu bei der Vorbesprechung am Vortag sowie meiner zusammengerollten ‘Klopapier-Streckenbeschreibung in Klarsichtfolie’, bei der ich mir geschworen hatte, es NIE!, NIE!, NIE! wieder herauszukramen – bis zum bitteren Ende sollte das Kartenmaterial dort versauern. Verdammte Karten! Zuhause hatte ich locker zwei Stunden damit verbracht, den Krempel entsprechend Druckfertig zurechtzubasteln und nun war es Ballast. Egal, es störte nun nicht mehr, hoffentlich setzte es schon Grünspan an. Einige hundert Meter weiter näherte sich also besagte Schikane. Dort solle man rechts abbiegen. Ich musste plötzlich lauthals lachen! Überall orangefarbene Schilder, die nach rechts zeigten! Nun war der winzige Stichweg unübersehbar: Eine versteckte, enge Gasse, die vom Hauptweg abzweigte. Am anderen Ende des schmalen Wegs ging es erstmal für ein Weilchen wieder in die entgegengesetzte Richtung. Lustig.
…die lange Gerade
Als Ich nach einem leichten Anstieg an der Klus von Rüdershausen vorbei lief, wurde Ich wenig später mit einem wunderschönen Panoramablick belohnt. Die bisherige Monotonie der Strecke – mal abgesehen von dem spaßigen Hellberg – wusste durch kleine Überraschungen wie diese Fernsicht zu begeistern.


Dann bekam Ich Hunger! Irgend ein Läufer hatte es sich vor der Kapelle gemütlich gemacht. So wunderschön idyllisch es hier ja gerade auch war – die tolle Landschaft mit Weichzeichner-Optik, der Sonnenschein und das Schneepanorama – aber ein gemütliches Päuschen bei der Klus ? Betete der Läufer da tatsächlich gerade? Ich ignorierte die Kapelle. Der Lauf führte dann konsequent über die Landstraße nach Ruhmspringe. Ich öffnete die Jackentasche und holte einen Früchteriegel raus. „Wenns mal wieder länger dauert…“, dachte ich seufzend, und machte mich an die dentale Herausforderung:
Riegel oder Ich, wer biss sich an wem die Zähne aus ?
[Ende Teil 9.
Ich hoffe, er hat wieder einigermassen unterhalten ? “Keine Schusseligkeiten mehr?”, mögen sich einige nun fragen (vielleicht sogar teilweise hoffend?).
Das ist richtig: der Lauf entwickelt sich nämlich nun in die gewünschte Richtung mit glasklarem Ziel und in zunehmend koordinierter und konzentrierter Weise. Es liegen noch lange 55 km vor mir, die Marathondistanz noch lange nicht erreicht, der nächste Verpflegungspunkt Ruhmspringe aber immerhin in Reichweite.
Bald geht’s weiter!